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Feines Händchen: Wenn Bruno Burgha rdt die drei Pfeile auf die Scheibe wirft, trifft er – meistens jedenfalls. 

PortrÄt der woche

Und die Erde ist doch eine Scheibe

Geretsried - Bruno Burghardt ist einer der besten Dartspieler im Oberland - Mit Profisport kann der Geretsrieder wenig anfangen.

Ist das Werfen von kleinen Dartpfeilen auf eine Scheibe Sport? Vor ein paar Jahren hätte eine große Mehrheit diese Frage wohl mit „Nein“ beantwortet. Inzwischen aber gehört der Deutsche Dart Verband (DDV) zum Deutschen Olympischen Sport-Bund, und Kult-Kommentator Elmar Paulke arbeitet mit Sprüchen wie „Und denkt dran, Freunde: Die Erde ist eine Scheibe“ fleißig an der medialen Beliebtheit der hohen Kunst des Pfeile-Werfens. In Großbritannien, Belgien und den Niederlanden würde eine solche Frage sowieso nicht gestellt werden. Dart-Asse wie der aktuelle Weltmeister Michael van Gerwen oder Englands Ikone Phil Taylor, 16-facher globaler Champion, sind in ihren Ländern Stars, die mit ihrem Sport gutes Geld verdienen.

Kleinere Brötchen backt da natürlich Bruno Burghardt. Doch im Oberland zumindest ist der Geretsrieder einer der besten Darter. Für ihn ist das Werfen der Pfeile ganz klar Sport: „Dart ist eine fast schon brutale Kopfsache, ein absoluter Rechensport. Wenn du nicht klar im Kopf bist, triffst du nichts.“ Er selbst trifft schon seit 1995, zumindest meistens. Er fing an mit dem Präzisionssport auf eine so genannte Steeldart-Scheibe im Bella Billard, einer früheren Kneipe am Breslauer Weg. Später wechselte er ins inzwischen ebenfalls geschlossene Monte Carlo, hier spielte man Elektrodart. Im Unterschied zur Steeldart wirft man, wie der Name schon sagt, auf strombetriebene Scheiben, die automatisch mitrechnen. Außerdem nimmt man leichtere Pfeile.

Im Monte Carlo schaute eines Abends ein Gast beim Darten zu, und der fand Burghardt „gar nicht so schlecht“. Dieser Gast war Bernhardt Salaske. „Er hat früher europaweit ganz vorne mitgespielt, sich nach einem Unfall mit der Kreissäge aber aus dem Spitzensport zurückgezogen“, sagt Burghardt. Salaske holte den damals 16-jährigen Geretsrieder in seine Mannschaft. Als „Newcomer“ spielten sie sich ungeschlagen bis in die Bezirksliga hinauf. Lediglich in der A-Liga musste das Team zwei Unentschieden einstecken. Nach der Auflösung der Newcomer folgten für Bruno noch Spiele in mehreren Mannschaften und in noch mehr Kneipen.

Zu Spitzenzeiten trainierte er täglich bis zu vier Stunden. Was ihn so daran fasziniert, drei Pfeile auf einer Scheibe zu platzieren? „Man kommt viel rum und lernt Leute kennen. Am schönsten ist für mich aber eigentlich immer die Geselligkeit. Beim Dart ist alles nicht so aggressiv wie beim Fußball.“

Inzwischen trainiert Burghardt nicht mehr so viel wie früher, mit der Zeit verschieben sich eben die Schwerpunkte im Leben. 2010 lernte er seine jetzige Frau Birgit kennen, vor knapp drei Jahren kam Tochter Sophie zur Welt. Aktiver „Glücksschmeißer“ ist der heute 37-Jährige aber immer noch: Er betreibt die Geretsrieder Kunstgalerie UK am Carl-Maria-von-Weber-Weg, die den Dart-Mannschaften Bad Bulls I und II und den Black Bulls als Vereinsheim dient. Trainiert wird zweimal die Woche, dazu kommen Ligaspiele an den Wochenenden.

Mit dem in den Medien immer beliebteren Profidartsport kann Burghhardt eher wenig anfangen: Die Dart-Weltmeisterschaft vor Weihnachten in London hatte für ihn „eher was von Karneval. Die Reinpfeiferei und den Lärm, das gab’s früher so nicht. Das gibt’s auch bei den Hobbydartern nicht. Wenn man zu den Schützen oder zum Bogenschießen schaut, herrscht da ja auch Ruhe.“ Egal, ob Profi oder Hobbyspieler, und egal, ob es sich nun um Hochleistungssport handelt oder nicht, es gilt für alle das ungeschriebene Gesetz, das der zweifache Vizeweltmeister Bobby George einst proklamiert hatte: „Mögen die Darts mit Dir sein!“

Carina Sappl

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