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Ihre Trauer hat Elisabeht Neumann in einem Buch verarbeitet.

Tagebuch eines tragischen Todes

Unfalltod ihres Mannes: Geltingerin verarbeitet Trauer in einem Buch

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Ihr Mann starb an den Folgen eines tragischen Autounfalls. Ihre Trauer hat die Geltingerin Elisabeth Neumann (55) in einem Buch verarbeitet. 

Gelting „Bussi, gute Nacht.“ Das waren die letzten Worte, die Elisabeth Neumann von ihrem Mann hören sollte. Wolfgang Neumann starb am 22. Oktober 2004 an den Folgen eines tragischen Unfalls. Gegen 7 Uhr war er mit seinen Kollegen des Geretsrieder Bauhofs – unter ihnen sein Sohn Florian – damit beschäftigt, an der Kreuzung Elbestraße/Böhmerwaldstraße das Industriegleis zu säubern. Eine Frau fuhr in die abgesicherte Baustelle und erfasste den damals 47-Jährigen.

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„Ich konnte es nicht glauben“, erinnert sich Elisabeth Neumann an den Schicksalstag. Hinter der Geltingerin lag bereits ein furchtbares Jahr. Zuerst starb die Mutter, dann hatten zwei ihrer Söhne schwere Unfälle. Sie fuhr umgehend zu ihrem Mann ins Krankenhaus – doch die Ärzte gaben ihr keine Hoffnung. „Er lag da. Vom letzten Urlaub noch braun gebrannt. Aber ich merkte, dass seine Seele schon gegangen war.“ Zwei Tage später wurde Wolfgang Neumann für hirntot erklärt, die Maschinen wurden abgestellt.

Ein Marterl erinnert an den Ort, wo der Mann von Elisabeth Neumann verunglückt ist.

Über diese Zeit, und den Kampf, in ein eigenes Leben ohne ihren geliebten Mann zu finden, hat Elisabeth Neumann ein Buch geschrieben. „Die ganze Zeit über habe ich notiert, was passiert ist“, erzählt sie. „Abend, nachts, wenn die Kinder im Bett waren, nur für mich.“ Dabei konnte die 55-Jährige auch endlich trauern. Tagsüber hieß es stark sein, stark für die drei eigenen und das Pflegekind. Sie begann an ihren verstorbenen Mann zu schreiben – „so, als ob er nur im Ausland ist“. Sie erzählte ihm von alltäglichen Kleinigkeiten, aber auch von ihren Schwierigkeiten mit der Versicherung der Unfallverursacherin. Die ganze Zeit über hatte sie das Gefühl, dass ihr „Wolfi“ noch da ist und ihr Zeichen gibt. „Unser Pflegekind hat ihm, als mein Mann noch im Krankenhaus war, eine Nachricht geschrieben“, erzählt sie. „Nur, dass das nicht die Worte eines Kindes, sondern eines Liebenden waren.“ Sie lauteten: „Drei Rosen sende ich Dir! Die erste ist fürs Wohlergehen, die zweite ist fürs Wiedersehen, die dritte aber leise spricht: ich hab dich lieb, vergiss das nicht!“ Wie es der Zufall wollte, blieben bei der Beerdigung genau drei Rosen übrig – „fürs Wohlergehen, fürs Wiedersehen, und für die Liebe“, sagt Elisabeth Neumann. „Ich weiß, dass die mir mein Wolfi geschickt hat.“

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Sie gewöhnte es sich an, den Verstorbenen zu rufen, wenn sie Hilfe brauchte, wandte sich sogar an verschiedene Medien, um einen Kontakt ins Jenseits herzustellen. Eine Kur half ihr schließlich, neuen Antrieb zu finden. „Zuhause bestellte ich zuerst einen Maler. Ich wollte durch einen farbenfrohen Anstrich wieder Leben in die Räume bringen.“

14 Jahre nach dem Unfall beschloss die Geltingerin, ihre Aufzeichnungen öffentlich zu machen. „Ich wollte allen, die sich in einer ähnlichen Situation befinden, helfen, mit der Trauer umzugehen, und zeigen, dass das Leben weitergeht, dass alles seinen Sinn hat – auch wenn das Schicksal noch so hart zuschlägt.“ Elisabeth Neumann ließ sich zur Heilerin ausbilden. Auch privat ist das Glück wieder eingezogen: Sie lernte einen neuen Partner kennen – Peter Schicktanz. Das Paar heiratet im Mai 2011.

Dennoch ist Wolfgang Neumann im Leben seiner Frau und ihres neuen Partners nach wie vor präsent. Bilder schmücken die Wände, es wird oft über ihn gesprochen. Schicktanz sieht das locker, kann damit umgehen. „Warum auch nicht? Er ist Teil ihrer Vergangenheit. Ich kann meine ja auch nicht streichen. Das gehört dazu.“

Info

Das Buch von Elisabeth Neumann, „Ohne meinen geliebten Mann ...und das Leben geht doch weiter (Tagebuch eines tragischen Unfalls)“, ist für 16 Euro über Amazon erhältlich, Herausgeber: AnnElise Makin, ISBN: 9781791813147.

Sabine Hermsdorf-Hiss

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