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Die Nachfolger: Benedikt (re.) und Sebastian Brustmann (li.) führen gemeinsam mit Bruder Korbinian in der zweiten Generation das Unternehmen Brumaba – Hersteller von OP-Tischen und -Stühlen – weiter. Ihr Vater Herbert, eigentlich Physiotherapeut, hatte es 1980 als Selfmade-Konstrukteur gegründet.

Unternehmensnachfolge 

Wenn der Chef beruhigt die Fliege macht

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Mehr als 300 Firmeninhaber im Landkreis, so schätzt die IHK, müssen bis zum Jahr 2021 eine Nachfolgeregelung finden. Davon abhängig sind über 5300 Beschäftigte. Wie der Generationenwechsel funktionieren kann, zeigt das Beispiel Brumaba.

Wolfratshausen/Gelting – Fruchtbarkeit ist nicht die schlechteste Grundlage, will einer sein Unternehmen an die nachfolgende Generation übergeben. Sieben Kinder hat Herbert Brustmann. „Da ist die Chance groß, dass sich jemand findet“, sagt Benedikt Brustmann und lächelt. Der 40-Jährige führt die Firma Brumaba – Hersteller von ergonomischen OP-Stühlen und -Tischen –, die sein alter Herr 1980 als „Garagenfirma“ gegründet hatte, seit 2012 in zweiter Generation.

Wie der Chef so drei Söhne

Im Falle Herbert Brustmanns waren es sogar drei Söhne, die sich nach ihrer Ausbildung und erster Berufserfahrung fürs Lebenswerk des Vaters erwärmen konnten. Nach dem gelernten Bänker Benedikt, er kümmert sich ums Kaufmännische, stieg zunächst der fünf Jahre jüngere Korbinian ein. Als Industriemechaniker ist er der Techniker im Bunde. Als letzter folgte Sebastian, gelernter Industriekaufmann. Der 34-Jährige hat eine lockere, gewinnende Art – der geborene Vertriebler. Es hat sich also gut gefügt für Brustmann senior, heute 73 Jahre alt. Doch das hatte nicht nur mit Glück und exzellenter Familienplanung zu tun. „Unser Vater hat sich auch frühzeitig Gedanken gemacht“, betont Benedikt Brustmann.

Der Unternehmensname entstand im elterlichen Schlafzimmer. Herbert, eigentlich Physiotherapeut, und seine Ursula benötigten kurzfristig eine Firma, um die von ihm ersonnene Massage-Liege auf der Fachmesse Medica ausstellen zu können. Also gründeten sie nächtens eine und nannten sie Brumaba – steht für Brustmann Massage-Bank. „Heute sagen wir Bruder, Mama, Bapa“, witzelt Geschäftsführer Benedikt. Das klingt lustig, sagt aber auch viel über die Unternehmenshistorie. Bevor Benedikt im Jahr 2000 in die Firma einstieg, bestand die aus drei Leuten: Vater, Mutter und Schwager. Für die Söhne war das Unternehmen aber nie fremdes Terrain: Im heimischen Wohnzimmer empfingen die Eltern die Geschäftspartner. Als Teenies verdienten sich die Burschen Geld mit Ferienjobs beim Vater.

„Mama, was soll ich denn werden?“

Als die Frage anstand, die Firma zu vergrößern oder klein weiterzumachen, fragte der Senior Benedikt, ob der nicht einsteigen wolle. Sein Ältester wollte. Zu dieser Zeit hatte das Unternehmen – heute 41 Mitarbeiter stark – sieben Kräfte, „und alle waren Familie“, sagt Sebastian, selbst seit 2004 in der Firma. Für ihn war es zunächst „nicht klar, ob ich mitmache“. Letztlich habe ihn die Begeisterung des Papas überzeugt. Als es darum ging, für welche Stelle er sich bewerben sollte, fragte er die Mutter: „Mama, was soll ich denn werden, was braucht ihr denn?“

Der Vater war 63, als er Benedikts Anteile an der Firma aufstockte. Zudem beteiligte er dessen Brüder. „Wir sind dann mal gemeinsam zu einem Vortrag über Firmenübergabe gegangen“, erinnert sich Sebastian schmunzelnd. „Der Papa kann sich Sachen gut merken und gibt sein Wissen gerne weiter.“ Mit missionarischem Eifer habe er in der Folge jedem älteren Arzt eingetrichtert, „unbedingt frühzeitig an die Nachfolge denken und loszulassen“. Das sei dem Papa irgendwann zum Verhängnis geworden, „denn dann war er selbst fällig“.

Man muss auch loslassen können

Hat Brustmann senior tatsächlich leicht loslassen können? „Ja“, antwortet Benedikt. Was auch daran lag, dass er sich neben der Arbeit mit anderen Dingen – Tennis, Basteln, Tüfteln – beschäftigt habe. Anfangs wollte Herbert Brustmann zwar unbedingt noch ein paar Innovationen auf den Weg bringen und einige seiner Projekte durchziehen. „Aber er hat relativ schnell gemerkt, dass wir etwas anders ticken, und sich auch der Markt und die Kunden ändern.“

Also hat der Vater seine drei Jungs von nun an alleine arbeiten lassen. Offiziell machte er es während einer Betriebs-Weihnachtsfeier: Krawattenmuffel Brustmann senior – bei seinen Kunden bekannt für einen großen Fundus an Fliegen – überreichte seinem Ältesten symbolisch eine davon – „und war dann komplett raus“.

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