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Probe aufs Exempel: Bürgermeister Michael Müller versetzte sich in die Lage eines Rollstuhlfahrers. Mit im Bild (v. li.) Stadtrat Wolfgang Möckl, VdK-Sprecher Arno Bock, die Stadträte Manfred Freiseisen und Ewald Kailberth sowie die stellvertretende VdK-Vorsitzende Cornelia Irmer und Vize-Bürgermeister Hans Hopfner. 

VdK und Bauausschuss

Rathauschef im Rollstuhl: Wie barrierefrei ist Geretsried ?

Es war eine besondere Überraschung, die sich die VdK-Ortsvorsitzende Gisela Lucht, ihre Stellvertreterin Cornelia Irmer sowie Mitglied Arno Bock am Dienstagnachmittag für eine Exkursion des Bauausschusses ausgedacht hatten. „Nehmen Sie Platz, Herr Bürgermeister“, forderte Bock auf.

Geretsried – Michael Müller ließ sich nicht lange bitten und setzte sich am Parkplatz vor dem Friedhof in einen aufklappbaren Rollstuhl. Doch die Fahrt wurde schon bei der Überquerung der Staatsstraße 2369 nach Tattenkofen unsanft von einer zu hohen Bordsteinkante gebremst. An einer anderen Stelle blieben die Reifen des Rollstuhls an der Pflastersteinumrandung eines Baumes hängen. Barrieren wie diese gibt es im Geretsrieder Stadtgebiet zuhauf. „Es ist unser Anliegen, den Blick für diese Probleme zu schärfen“, erklärte Altbürgermeisterin Cornelia Irmer die Aktion. Sie besichtigte mit den Mitgliedern des Bauausschusses auch die hohen Bordsteinkanten am Steiner Ring sowie die Gefahrenstellen vor dem Netto-Supermarkt an der Sudetenstraße.

Eine Kante von ein bis zwei Zentimetern ist oft ein unüberwindbares Hinderniss

„Schon eine Kante von ein bis zwei Zentimetern ist für einen Rollifahrer ohne fremde Hilfe kaum zu überwinden“, erklärte Gisela Lucht. Auch Mütter mit Kinderwagen oder Senioren mit Rollatoren täten sich schwer und müssten weite Umwege in Kauf nehmen. Ob eine flächendeckende Absenkung aller Bordsteine in Geretsried möglich ist, ließ Müller offen. „Ich kann nicht versprechen, dass wir alles sofort realisieren“, sagte er.

Kinski: „Es wäre möglich, alle Barrieren zu beseitigen“

In der direkt anschließenden Sitzung des Bauausschusses wiesen Lucht und Bock auf weitere Gefahrenstellen hin. Als Beispiele nannten sie die Umgebung des Altenheimes St. Hedwig an der Friedhofskreuzung. Dort endet der Gehsteig in unbefestigtem Boden. Im Stadtzentrum an der Egerlandstraße fielen dem VdK die relativ hohen Bordsteine vor den Behindertenparkplätzen auf.

„Es wäre möglich, alle Barrieren zu beseitigen“, glaubt VdK-Kreisgeschäftsführer Maik Kinski. Deshalb regte Seniorenreferentin Dr. Sabine Gus-Meyer an, jedes Jahr Geld für barrierefreie Maßnahmen in den Haushalt einzustellen: „Sonst sitzen wir in einigen Jahren wieder hier und nichts hat sich verändert.“ Einen diesbezüglichen Beschluss fasste der Bauausschuss zwar nicht. Zumindest Bürgermeister Müller, der mehrere Male fast aus dem Rollstuhl gekippt wäre, dürfte die Erfahrungen der Exkursion aber so schnell nicht vergessen.

Info

Wer Barrieren oder andere Hindernisse im Stadtgebiet entdeckt, wendet sich per E-Mail an ov-geretsried@vdk.de oder info@geretsried.de. Man kann auch unter 0 81 71/6 29 80 bei der Stadt anrufen. Hinweise nimmt auch der Behindertenbeauftragte des Stadtrats, Günther Fuhrmann, entgegen.

Von Peter Herrmann

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