Präsentierten eine unterhaltsame Rauhnacht-Matinee: Sabrina Schwenger, Sabine Beyer, Peter Fischer und Gabriele Rüth. Foto: Peter Herrmann
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Präsentierten eine unterhaltsame Rauhnacht-Matinee: Sabrina Schwenger, Sabine Beyer, Peter Fischer und Gabriele Rüth.

Hinterhalt-Livestream

Was geschieht in den Rauhnächten? Verein Flößerstraße erzählt amüsante Geschichten

  • vonPeter Herrmann
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Um die zwölf Rauhnächte ranken sich zahlreiche Mythen. Der Verein Flößerstraße erzählte amüsante Geschichten in der Kulturbühne Hinterhalt.

Gelting – Aktuellen Bezug hatte die vorletzte Veranstaltung der laufenden Kulturtage PiPaPo (Pinsel, Pauke, Poesie). Es ging um die zwölf Rauhnächte, die laut den meisten Überlieferungen den Zeitraum zwischen dem 25. Dezember und dem 6. Januar umfassen und um die sich zahlreiche Mythen ranken. Sabrina Schwenger, Gabriele Rüth sowie die beiden Schauspieler Peter Fischer und Hermann Paetzmann vom Verein Flößerstraße fassten diese in einer unterhaltsamen und zugleich wissenswerten Lesung in der Geltinger Kulturbühne Hinterhalt zusammen. Sabine Beyer, pädagogische Leiterin der Geretsrieder Musikschule, begleitete die Livestream-Aufzeichnung mit Querflöte und Geige.

„In der dunklen, kalten Winterszeit war es früher üblich, sich reihum in den warmen Stuben zu treffen, um dort zu musizieren und Geschichten zu hören“, schickte Sabrina Schwenger voraus. Dazu gehörten beispielsweise Erzählungen, in denen der oft auch als Sparifankerl bezeichnete Teufel im Mittelpunkt steht. So soll der Fürst der Dunkelheit einmal einen Münchner Ball besucht haben und sich in stark angetrunkenem Zustand auf Bitte einer attraktiven Frau in eine Weißwurst verwandelt haben. Die Dame zögerte nicht lange und verspeiste ihn. „Seit dieser Zeit haben die Mädchen in München den Teufel im Leib“, erklärte Schwenger.

Damit die Dämonen sie nicht das gesamte nächste Jahr über heimsuchten, hielten sich die Menschen an Bräuche und Regeln. So durfte während der Rauhnächte nicht aufgeräumt werden, Haus und Stall wurden ausgiebig ausgeräuchert und mit Weihwasser gesegnet. Zum Essen gab es „Neunerlei“: Dazu gehörten Braten, Linsen, Bratapfel und Knödel.

An die Dämonen von damals erinnern junge Burschen noch heute im Rahmen der sogenannten Perchtenläufe. „Das hat auch viel mit dem Imponiergehabe von Männern zu tun, die während der Winterszeit arbeitsmäßig nicht voll ausgelastet sind“, glaubt Gabriele Rüth. Etwas unappetitlich mutet eine Sage über die Erfindung des Perchtenbiers an. Der weibliche Dämon „Frau Percht“ soll die mit Bier gefüllte Kanne eines Mädchens in einem Zug ausgetrunken haben, um kurz darauf die aufgenommene Flüssigkeit wieder auszuscheiden und in dem Behältnis loszuwerden. Die Schuhe des Mädchens füllte sie mit Holzspänen, die sich bei der Rückkehr in ihr Haus in Gold verwandelten. Die Familie berauschte sich am Inhalt des Krugs, der erst dann leer wurde, als das Mädchen die wahre Herkunft des Perchtenbiers verriet.

Nach der knapp einstündigen Lesung zeigten sich die Darsteller dankbar, dass ihre Aufführung zum richtigen Zeitpunkt stattfinden konnte. „Wir wollten das Ganze ursprünglich in der Flößerei vor Publikum aufführen“, erklärte Paetzmann. Dies war aus bekannten Gründen unmöglich, sodass Interessierte die Lesung nun auch Tage danach noch auf dem YouTube-Kanal des Hinterhalts abrufen können. ph

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