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Psychisch kranke Frauen, die ein Baby erwarten, dürfen ihr Kind nach der Geburt oftmals nicht behalten.

Verein sucht Wohnung für psychisch Kranke

Verhindert Baugenossenschaft besondere Mutter-Kind-WG? Das sagt  der Geschäftsführer

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Psychisch Kranke dürfen ihre Kinder oft nicht behalten. Ein Geretsrieder Verein will das ändern, findet aber keine Wohnung. Geschäftsführer Wolfgang Selig erklärt im Interview, warum die Baugenossenschaft das Ansinnen abgelehnt hat.

Geretsried – „Schwer enttäuscht“ ist Sabine Lorenz von der Baugenossenschaft (BG). Die Geschäftsführerin des Vereins Freunde psychisch Behinderter hatte dort angefragt, ob man dem Verein zur Einrichtung einer besonderen Mutter-Kind-WG eine Wohnung zur Verfügung stellen könnte – und das Ansinnen abgelehnt (wir berichteten). Im Gespräch mit unserer Zeitung erklärt BG-Geschäftsführer Wolfgang Selig die Gründe für die Absage.

Herr Selig, stimmt es, dass Sie den Verein nicht unterstützen wollen?

Wolfgang Selig: Das kann man so nicht sagen. Die Anfrage des Vereins haben wir ausführlich im Vorstand besprochen und aus bestimmten Gründen abgelehnt.

Klingt ganz schön hart. Gab es einen Vorfall, der Sie zu dieser Reaktion veranlasst hat?

Vor ein paar Jahren haben wir einem ehemaligen Bewohner aus der sozialtherapeutischen Wohngemeinschaft an der Blumenstraße, die der Verein betreibt, eine Wohnung zur Verfügung gestellt. Leider hat das überhaupt nicht funktioniert. Durch ihn haben wir fünf langjährige gute Mieter verloren.

Was war passiert?

Wolfgang Selig: Bei Abschluss des Mietvertrags wussten wir wir nichts von seiner Erkrankung. Aber er zog wohl mit einer guten ärztlichen Prognose in eine eigene Wohnung. Zuvor in der Wohngemeinschaft war er wohl betreut worden und nahm Medikamente. Die setzte der Mann vermutlich ab. Außerdem kündigte er – wie uns der Verein später bestätigte – den Betreuungsvertrag mit dem Verein und wurde von einem anderen Träger betreut. Von da an ging es steil bergab. Er wurde aggressiv und terrorisierte seine Mitbewohner. Vor uns saßen weinende Nachbarn, weil sie nachts nicht mehr schlafen konnten. Fünf Mieter haben bei ihrer Kündigung angegeben, dass sie wegen dieses Mannes ausziehen. So etwas geht einfach nicht.

Ist dieser Vorfall ein Einzelfall?

Wolfgang Selig: Nein, leider nicht. Allerdings kommt so etwas zum Glück bei uns aber nur sehr, sehr selten vor. Durch solche Mietverhältnisse entstehen der Baugenossenschaft hohe Kosten für Renovierungen und Mietausfälle. Aber das ist nicht der Hauptgrund für unsere Ablehnung.

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Sondern?

Wolfgang Selig: Wir haben rund 2250 Mietparteien mit etwa 5000 Bewohnern. Für uns ist es nicht tragbar, unauffällige und gute Mieter zu verlieren, weil sie sich in ihrer Ruhe gestört fühlen, sich vor Sachbeschädigungen fürchten oder Angst vor einem Nachbarn haben, weil er sie bedrohen könnte. Auch wenn es dieser gar nicht so meint beziehungsweise wenn er für seine Erkrankung nichts kann. Wir haben aber nicht nur einen Wohnungsversorgungsauftrag, sondern auch eine Fürsorgepflicht gegenüber den bereits in den Häusern lebenden Bestandsmietern. Und die nehmen wir ernst.

Schließen Sie es generell aus, psychisch Kranken eine Wohnung zur Verfügung zu stellen?

Wolfgang Selig: Nein, bestimmt nicht. Und das haben wir ja in der Vergangenheit auch schon gelegentlich gemacht. Man muss da differenzieren. Wenn jemand zum Beispiel Essstörungen hat oder depressiv ist, richtet sich sein Verhalten ja nicht gegen Sachgegenstände oder andere Menschen. Und genau das ist das Problem bei manchen psychischen Störungen, und das macht für uns den entscheidenden Unterschied aus. Aber wenn der Verein als Generalmieter nicht darüber sprechen möchte, welche Krankheitsbilder bei seinen Patienten vorliegen und wer für die Integration in ein Mehrfamilienhaus geeignet ist und wer nicht, wird’s schwierig. Trotzdem haben wir dem Verein einen Vorschlag unterbreitet.

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In welcher Form?

Wolfgang Selig: Wir könnten uns vorstellen, mit dem Verein darüber zu sprechen, eine WG für Schwangere und Mütter mit Kindern in einem Gebäude unterzubringen, das ausschließlich von psychisch kranken Mietern bewohnt wird. Diese Idee müsste man natürlich noch genauer ausarbeiten. Allerdings muss ich fairerweise dazu sagen, dass wir uns derzeit mit den laufenden Neubauprojekten an der Siebenbürger Straße und an der Egerlandstraße organisatorisch und vor allem finanziell in der Stadt Geretsried schon sehr stark engagieren und keine unbegrenzten Kapazitäten haben. Wir haben dem Verein zweimal ein Gespräch angeboten. Aber auf diesen Vorschlag hin gab es leider beide Male keine Reaktion. Das bedauern wir.

Sind Sie immer noch gesprächsbereit?

Wolfgang Selig: Natürlich sind wir weiterhin für ein persönliches Gespräch offen.

nej

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