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Die Firma Sieber an der Böhmerwaldstraße hat eine lange Tradition. Doch jetzt gibt es massive Probleme. Es dürfen keine Sieber-Produkte mehr in Umlauf gebracht werden. 

Gefährliche Listerien-Bakterien entdeckt

Verkaufsverbot und Rückrufaktion für Sieber-Produkte

Geretsried - Die Großmetzgerei Sieber mit Sitz an der Böhmerwaldstraße darf im Moment keine Wurst und kein Fleisch mehr verkaufen. Und: Ausgelieferte Produkte müssen zurückgerufen werden.

++ Update vom 30. Mai: Nach dem Bakterien-Fund gibt es den Verdacht, dass Wurstwaren von Sieber eine Reihe schwerer Krankheitsfälle ausgelöst haben – die bei vier Menschen zum Tod führten.

++ Update vom 30. Mai: Die Firma Sieber hat eine Notrufnummer eingerichtet. Inzwischen ist auch klar, dass die Produkte weit über die bayerischen Landesgrenzen hinaus vertrieben wurden.

„Wenn’s um die Wurst geht, ist Qualität das beste Rezept.“ Mit diesem Slogan wirbt das Traditionsunternehmen Sieber aus Geretsried, 1825 gegründet und ehemals königlich-bayrischer Hoflieferant, auf seiner Internetseite. Doch die Qualität ist nun infrage gestellt – zum zweiten Mal innerhalb von zwei Monaten. Das Bayerische Verbraucherschutzministerium warnt davor, Waren der Großmetzgerei, die rund 100 Mitarbeiter beschäftigt, zu essen.

„Die Schinken- und Wurstprodukte sind möglicherweise mit Listerien belastet und gesundheitsgefährdend“, heißt es in einer Pressemitteilung vom Freitagabend. Listerien sind Bakterien, die sich auch bei niedrigen Temperaturen, zum Beispiel im Kühlschrank, vermehren können. Kochen, Braten, Sterilisieren oder Pasteurisieren tötet sie sicher ab. Für gesunde Erwachsene ungefährlich, kann eine Infektion bei älteren oder immungeschwächten Menschen sowie Schwangeren und Neugeborenen sehr gefährlich werden.

Das Verbraucherschutz-Ministerium warnt vor dem Verzehr 

Am Freitag stand das Ergebnis umfangreicher Untersuchungen der bayerischen Lebensmittelüberwachung von Sieber-Produkten fest, die sich auf dem Markt befinden: In fünf Fällen waren verschiedene Wurstwaren positiv auf Listerien getestet worden. „Die belasteten Stichproben lagen unterhalb des zulässigen Grenzwertes“, sagte der Tölzer Landrat Josef Niedermeier. Dennoch verhängte das zuständige Landratsamt ein Verkaufsverbot und wies die Firma an, bereits in den Verkauf gelangte Waren zurückzurufen. Dabei handelt es sich nach Angaben von Josef Niedermeier um mehrere hundert Tonnen. Von der Firma Sieber war am Sonntag niemand für eine Stellungnahme zu erreichen. Zu den Kunden von Sieber gehören laut Homepage Großverbraucher wie der Flughafen München, der Frankfurter Airport, die Großküchen und Kantinen bekannter Automobilmarken sowie das Olympiazentrum. Auch Kantinen in Deutschland, Österreich und der Schweiz "Täglich, frisch zubereitet, rollen Tonnagen vom Hof und machen sich auf den Weg zur termingetreuen Anlieferung", heißt es dort. 

Schon im März gab es Probleme mit den Bakterien

Ganz neu sind die Probleme bei Sieber nicht. Schon im März hatte das Unternehmen die relativ kleine Menge von 113 Kilogramm Fleisch zurückgerufen. Vorangegangen war eine Lebensmittelwarnung für das Sieber-Produkt „Original Bayerisches Wacholderwammerl“. Eine Routinekontrolle durch die Lebensmittelüberwachung des Landratsamts im Nürnberger Land hatte ergeben, dass der Grenzwert massiv überschritten worden war. Lebensmittel gelten ab einem Keimgehalt über 100 KbE/g (Kolonie bildende Einheiten pro Gramm) als „gesundheitsschädlich“, die untersuchten Produkte hatten einen Wert von 190 000 KbE/g. Dies teilte das Verbraucherschutzministerium Florian von Brunn, SPD-Verbraucherschutzexperte, auf eine schriftliche Anfrage hin mit. Das Ministerium vermutet sogar, dass Sieber in Zusammenhang mit Listerienausbrüchen in Süddeutschland seit 2012 steht. Darauf weisen aktuelle Untersuchungsergebnisse des Robert-Koch-Instituts hin. Landrat Niedermeier betonte jedoch, dass die Firma Sieber bis zum März 2016 noch nie aufgefallen war. Nach diesem Listerien-Fall hätte man dort intensiv nach den Ursachen gesucht und mögliche Quellen ausgetauscht.

von Teresa Pancritius

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