Fieranten des Wochenmarkts verteilten sich um die Verkehrsfläche. 
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Alles in einem: Dienstags verteilen sich die Fieranten um die Verkehrsfläche. 

„Der Platz soll den Bürgern gehören“

Verkehrsführung am Karl-Lederer-Platz: Markierungen weisen den Weg

Wenn es um die Verkehrsführung am Karl-Lederer-Platz in Geretsried geht, kochen die Emotionen hoch. Bürgermeister Michael Müller spricht von „Anarchie“, Anwohner von „Schikane“. Fragen und Antworten zu den neuen Regeln.

Geretsried – Das neue Parkraumkonzept für den Karl-Lederer-Platz gilt seit Anfang April. In dieser Woche wurden die Markierungen aufgebracht. Auch Parkautomaten werden noch aufgestellt. Die neuen Verkehrsregeln sorgen für Zündstoff. Wir haben aus der laufenden Diskussion einige Aspekte herausgegriffen und Bürgermeister Michael Müller um Aufklärung gebeten.

Wo kann man parken, wenn einem die Tiefgarage zu teuer ist?

Manche bezeichnen die Tarife in der privat betriebenen Tiefgarage als „Münchner Preise“. Die ersten beiden halben Stunden kosten je 1 Euro. Danach fällt pro Stunde 1,50 Euro an. Der Shoppingtarif (drei Stunden) kostet 3 Euro. Die Tageshöchstgebühr beläuft sich auf 10 Euro. Teilnehmende Händler erstatten einen Teil der Parkgebühren.

Angesprochen auf Alternativen versichert der Rathauschef, dass sich der Stadtrat „wirklich sehr lange und intensiv“ mit dem ruhenden Verkehr in der „Neuen Mitte“ beschäftigt hat, um die unterschiedlichsten Interessen von Anwohnern, Besuchern, Kunden und auch Beschäftigten unter einen Hut zu bringen. Ergebnis sei das Parkraumkonzept, das täglich zwischen 8 und 18 Uhr regelt, wo kostenlos, wo kostenpflichtig, wo zeitlich befristet und wo zeitlich unbegrenzt geparkt werden kann. Müller: „Alternativen zur kostenpflichtigen Tiefgarage sind demnach die kostenfreien Kurzzeitparkplätze im Hermann-Löns-Weg und Martin-Luther-Weg oder komplett ohne zeitliche Befristung der große kostenfreie Parkplatz auf der Böhmwiese.“

Der Karl-Lederer-Platz in Zahlen

• Oberirdisch gibt es in der „Neuen Mitte“ derzeit laut Stadt 221 kostenfreie Parkplätze (Böhmwiese, Egerlandstraße, Fasanenweg, Petruskirche);

• An Kurzzeitparkplätzen stehen 20 zur Verfügung (Hermann-Löns-Weg, Martin-Luther-Weg, gegenüber des Rathauses);

• Um das Rathaus gibt es 56 Parkplätze, die künftig kostenpflichtig sein sollen;

• In der Tiefgarage gibt es im öffentlichen Bereich 82 kostenpflichtige Parkplätze;

• Die Stadt zählt somit im Moment 379 öffentliche Stellplätze im Bereich des Karl-Lederer-Platzes. Bürgermeister: Michael Müller: „Hinzukommen – zumindest für die Anwohner – selbstredend die Stellplätze, die sie auf ihren eigenen Grundstücken haben.“

• Den ruhenden Verkehr kontrolliert die Kommunale Verkehrsüberwachung im Auftrag der Stadt Geretsried. Im März wurden besonders viele Verwarnungen ausgesprochen, wie ein Vergleich der vergangenen Monate zeigt: Dezember: 22 Verwarnungen; Januar: 21 Verwarnungen; Februar: 20 Verwarnungen; März: 45 Verwarnungen; April (bis 29.): 27 Verwarnungen.

In diesem Zusammenhang betont Müller: „Dass der Fußgänger in unserer Neuen Mitte einen gewissen Vorzug gegenüber dem Auto genießt, ist nicht zuletzt der ausdrückliche Wunsch der Bürgerinnen und Bürger gewesen.“ Vielfach sei bei der Ideen- und Planungswerkstatt 2018 sogar der Wunsch nach einer reinen Fußgängerzone geäußert worden. „Der Platz solle eben nicht mehr dem Auto gehören, sondern den Bürgern“, so der Rathauschef.

Gibt es ein Verkehrskonzept?

In einem Leserbrief bemängelte Günther Fuhrmann, der früher für die FDP im Stadtrat saß, das Fehlen eines Verkehrskonzepts. „Dem ist nicht so“, antwortet Müller. „Selbstverständlich wurden auch alle verkehrlichen Aspekte bei der Entwicklung der Neuen Mitte und der Zentralgarage berücksichtigt.“ Grundlage für die entstandene Bebauung am Platz sei ein Konzept, das 2017 mit Unterstützung von Fachgutachtern und -planern erarbeitet wurde und die Verkehrsströme am und um den Karl-Lederer-Platz neu ordnet. „Darüber hinaus hat sich der Stadtrat 2019 – ebenfalls mit gutachterlicher Unterstützung – der verkehrlichen Ordnung während der Bauphase in der Egerlandstraße gewidmet“, so Müller. Dem Konzept habe der Stadtrat einstimmig zugestimmt. „Diese Überlegungen und Entscheidungen sind Grundlage für alle weiteren Maßnahmen hinsichtlich des Fußgänger- und Radfahrerverkehrs, Auto-, Bus- und auch Lieferverkehrs seither.“

Macht es Sinn, dass Autos Gehwege blockieren?

Gegenüber dem Rathaus gibt es gemäß dem neuen Parkraumkonzept Kurzzeitparkplätze. Weil parkende Autos dort den Gehweg verengten, besserte die Stadt nach. Nun trennen Warnbaken Gehweg und Stellfläche voneinander. Inzwischen sind die Parkplätze auch eingezeichnet. „Es sind genau diese Situationen und Beispiele, die uns aufzeigen, dass eben noch nicht alles so funktioniert, wie wir uns das vorstellen“, so Müller. Auch wenn das Parkraumkonzept seit Anfang April grundsätzlich gelte, müsse an manchen Stellen noch nachgebessert werden.

Platz ist in der kleinsten Lücke: Die Warnbaken schrecken nicht jeden Autofahrer ab.

Übrigens: Auch vor der künftigen Eisdiele an der Einfahrt zum Martin-Luther-Weg stehen seit kurzem Absperrungen. Dort nutzten immer wieder Autos den eigentlichen Gehweg als Stellplatz. Das hatte auch schon der Geretsrieder Linke-Bundestagsabgeordnete Andreas Wagner angemahnt.

Die ersten Warnbaken waren im Bereich des Wochenmarkts auf dem Karl-Lederer-Platz aufgestellt worden. Damit habe man die Belange von Menschen mit Behinderung missachtet, kritisiert Fuhrmann. „Das Thema Barrierefreiheit war von Anfang an Teil der Planungen und wurde – entgegen anderslautender Zwischenrufe – konsequent umgesetzt“, entgegnet Müller auf Nachfrage. Die Baken seien vielmehr direkte Konsequenz des Fehlverhaltens einzelner Verkehrsteilnehmer. „Werden die geltenden Regelungen vorsätzlich missachtet, müssen wir zwangsweise reagieren“, so der Rathauschef. Schließlich würden widerrechtlich abgestellte Fahrzeuge die taktilen Wegeleitsysteme verdecken. Müller: „Nicht die Baken missachten die Belange von Menschen mit Behinderung, es sich sind vielmehr diejenigen, die rücksichtslos parken, wo sie wollen.“

Warum wurden die Einbahn-Regelungen eingeführt?

Der Martin-Luther-Weg und der Hermann-Löns-Weg sind im Zuge der Zentrumsgestaltung Einbahnstraßen geworden und bescheren Autofahrern den einen oder anderen Umweg. Diese Regelung fuße auf dem Verkehrskonzept und der Tatsache, dass die Egerlandstraße momentan nicht befahrbar ist, erklärt Müller. Dort entstehen bekanntlich neue Wohn- und Geschäftshäuser samt Tiefgarage. Daher gibt es derzeit nur vier Zufahrtsmöglichkeiten zum Platz. Neben den beiden Wegen sind das die Graslitzer Straße und die B11-Auffahrt. „Umso wichtiger ist es, die derzeit zur Verfügung stehenden und ohnehin schmalen Zufahrtsmöglichkeiten auf öffentlichem Grund – vor allem auch im Hinblick auf das Durchkommen von Einsatz- und Rettungsfahrzeugen – so leistungsfähig wie möglich zu halten“, so der Rathauschef. Hierzu bedürfe es Regelungen für den ruhenden und fließenden Verkehr.

Auch über den Karl-Lederer-Platz darf man von der B11 kommend nicht fahren. Das sei ebenfalls ein Ergebnis der Überlegungen von September 2019. „Sie wurde beschlossen, um den dadurch mehr geforderten Hermann-Löns-Weg zu schützen und Wendevorgänge in diesem schmalen und sensiblen Bereich zu vermeiden.“

Für Radfahrer geht es um die Tiefgarageneinfahrt: Neue Markierungen weisen den Weg.

Die entsprechenden roten Schilder mit weißen Strich, die dem Autofahrer „Einfahrt verboten“ anzeigen, werden häufig übersehen. Diesen Umstand bezeichnete Müller jüngst als anarchisch. „Vielleicht ist er bei manchen aber auch schlicht eine Frage noch fehlender Gewöhnung“, sagt er. „Der Karl-Lederer-Platz ist heute eben nicht mehr der reine Verkehrsplatz von früher, auf dem jeder fahren und parken kann, wie er will.“ Um das noch mehr ins Bewusstsein zu rücken, seien weitere Markierungen aufgebracht worden. Dazu komme außerdem eine mobile Verkehrsinsel, die das widerrechtliche Einfahren auf den Platz überdeutlich aufzeigt.

Warum gibt es keine Unterführung für Radfahrer?

Radfahrer, die von Norden kommen, müssen einen Umweg in Kauf nehmen. Der Radweg wird durch die Kreuzung zur B11 samt Tiefgarageneinfahrt unterbrochen – sehr zum Ärger der Betroffenen. Sechs Fahrspuren sind es in diesem Bereich, wer die Queren will, berichtet teils von „lebensgefährlichen“ Situationen. Müller entgegnet: „Es wird leider oft vergessen, dass diese Zufahrt zur Zentralgarage nur eine Übergangslösung ist.“ Mit der Verlegung der B11 und einer Erweiterung des Zentrums Richtung Böhmwiese werde auch die Zentralgarage in diese Richtung wachsen, die Zufahrt dementsprechend verlegt. Eine gesonderte Unterführung für Radfahrer sei schon alleine aus diesem Grund nicht sinnvoll, von den extrem hohen Kosten für eine solche Baumaßnahme ganz abgesehen. „Insofern muss es unser Ziel sein, für die Zeit bis dahin eine – wenn auch nicht perfekte – aber doch funktionierende Lösung anzubieten.“

sw

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