Bis in die 3. Liga ist die Geretsriederin Veronika Adamek (Mi.) mit den Volleyballerinnen des TSV Unterhaching aufgestiegen. Derzeit pausiert die Grundschullehrerin wegen ihrer Schwangerschaft.
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Bis in die 3. Liga ist die Geretsriederin Veronika Adamek (Mi.) mit den Volleyballerinnen des TSV Unterhaching aufgestiegen. Derzeit pausiert die Grundschullehrerin wegen ihrer Schwangerschaft.

Serie „Sportverrückte Brüder & Schwestern“

Veronika und Tobias Adamek: Am liebsten auf derselben Seite des Netzes

  • Thomas Wenzel
    vonThomas Wenzel
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Die Geretsrieder Geschwister Adamek haben viele Gemeinsamkeiten. Unter anderem spielen beide erfolgreich Volleyball - Veronika beim Drittligisten TSV Unterhaching, Tobias bei der VSG Isar-Loisach.

  • Veronika Adamek ist mit den Volleyballerinnen des TSV Unterhaching bis in die 3. Liga aufgestiegen.
  • Tobias Adamek ist als Quereinsteiger vom Fußball zum Volleyball gekommen.
  • Die Geretsrieder Geschwister freuen sich jedes Mal besonders, wenn sie in einem Mixedteam gemeinsam an einem Turnier teilnehmen können.

Geretsried – Blindes Verständnis untereinander ist für Volleyballer nahezu unabdingbar. Antrainierte Automatismen und individuelle Bewegungsstärken geben sich dabei auf dem Feld die Hand. „Eine Fußballmannschaft ist so stark wie ihr bester Spieler, ein Volleyballteam so gut wie der schwächste Akteur“, weiß Tobias Adamek. Mit wem der 29-jährige Geretsrieder am liebsten auf dem Feld steht, ist kein Geheimnis: „Wenn wir von der VSG Isar-Loisach an irgendeinem Mixedturnier teilnehmen und meine Schwester spielt mit. Das macht dann richtig Spaß.“ Kein Zufall, dass Veronika Adamek (30), verheiratete Kircher, das genauso sieht: „Wir verstehen uns einfach sehr gut. Obwohl wir eineinhalb Jahre auseinander sind, habe ich manchmal sogar das Gefühl, als seien wir Zwillinge.“

Am Anfang standen Pferdesport, Fußball und Leichtathletik

Bis die Geschwister aus Geretsried allerdings zu einem gemeinsamen Lieblingssport gefunden hatten, dauerte es einige Jahre. Veronika begann mit Leichtathletik und Pferdesport, zumal Mutter Christa hier aktiv war. Mit zwölf Jahren begann sie beim TuS mit dem Volleyball. „Allerdings gab es damals kein Mädchenteam. Das wurde erst einige Jahre später aus der Taufe gehoben, als mein Vater das Training übernahm“, berichtet Veronika. Rainer Adamek, selbst erfolgreicher Volleyballer in Starnberg und Geretsried, brachte den Juniorinnen die Grundlagen und alle Kniffe bei. Dass das Spaß machte, sprach sich schnell herum, so dass sich der Kader stetig vergrößerte. Das Team feierte einige Erfolge und wechselte auch gemeinschaftlich in den Erwachsenenbereich. „Ich habe seit meinem 14. Lebensjahr durchgehend Volleyball gespielt und keine einzige Saison ausgesetzt“, sagt Veronika. Als die TuS-Frauen dann mit dem SV Münsing fusionierten, klappte es sogar mit zwei Aufstiegen bis in die Bezirksliga. Die Mittelangreiferin jedoch hatte größere sportliche Ambitionen und wechselte für ein Jahr zu Schwarz-Weiß München in die Bayernliga. Nach einem Jahr erfolgte die Rückkehr nach Geretsried, wo sich inzwischen der TuS, Münsing und der BCF Wolfratshausen zur VSG Isar-Loisach zusammengefunden hatten.

Dort traf Veronika auch auf ihren Bruder, der allerdings zuvor einen sportlichen Umweg gegangen war. „Alle meine Freunde waren beim Fußball, also habe damit angefangen“, berichtet Tobias, der als Kind und Jugendlicher bei den FF Geretsried und beim TSV Königsdorf kickte und nebenbei Tennis spielte. Als dann bei der VSG ein Jugendteam gegründet wurde, wechselte der Geretsrieder kurzerhand die Sportart: „Mit Torsten Busch hatte ich zusammen Fußball gespielt. Dominik Hölzl, Fabian Liemer und Markus Meinl kannte ich von der Schule.“ Wie Volleyball funktioniert, „wusste ich schon ungefähr“, scherzt Tobias. Allerdings habe er sich mit Hilfe von Trainer Bernhard Wilhelm und vielen Extraschichten mit seinem Vater Rainer („Oft waren wir nur zu dritt in der Halle“) die Grundtechniken angeeignet. „Das lernt man ja in jungen Jahren relativ schnell. Und überhaupt gibt es im Volleyball gerade bei den Buben viele Quereinsteigen, weil es wenige Kinderteams gibt.“

Stark im Block: Tobias Adamek (li.) spielt bei den VSG-Herren auf der Position des Außenangreifers. Als ehemaliger Fußballer musste er sich das Volleyball erst erarbeiten.

Verletzungen beeinträchtigen Tobias’s Karriere

Mit den Herren der VSG schaffte Tobias als Außenangreifer („Da bin ich vom Trainer hingestellt worden“) zuerst den Aufstieg in die Bezirksklasse. Es folgten der zweimalige Gewinn des Bezirkspokals im Kreis Süd und auch der Sprung in die Bezirksliga. „Das war einfach eine sehr homogene Mannschaft“, analysiert Tobias, zwischenzeitlich auch als Trainer des Frauenteams tätig. Er selbst kam im Laufe der Jahre nicht ungeschoren davon: „Ich hatte Probleme mit der Schulter und den Knien, dazu kam noch ein Bandscheibenvorfall.“ Dass Volleyball in diesem Jahr corona-bedingt auf Sparflamme lief, sei günstig für seine Genesung gewesen.

Im Jahr des Bezirksliga-Aufstiegs gab es bei der VSG gleich doppelt Grund zum Feiern, denn auch die Frauen schafften diesen Sprung. „Das war stimmungsmäßig die beste Saison“, erinnert sich Veronika. In dieser Phase entstand auch der gute Zusammenhalt, der die Volleyball-Spielgemeinschaft über alle Teams hinweg auszeichnet: „Mein Bruder und ich waren daran schon auch maßgeblich beteiligt.“ Und die Bande hätten sich durch viele Mixedturniere im In- und Ausland auch noch verstärkt. Die Mittelblockerin dagegen machte nochmal einen Karrieresprung. Mit dem TSV Unterhaching gelangen ihr zwei Aufstiege in Folge, nämlich von der Bayern- über die Regionalliga bis in die 3. Liga. „Das war schon eine richtig coole Sache“, sagt Veronika mit berechtigtem Stolz. Begleitet und unterstützt wurde sie auch ganz oft von ihrem Bruder. „Meine Teamkolleginnen haben schon immer gefragt, ob der Tobi zum nächsten Heimspiel wieder kommt. Weil er immer für Stimmung auf der Tribüne gesorgt hat“, freut sich die Geretsriederin.

Veronika steigt mit Unterhaching in die 3. Liga auf

Nach den Spielen gab es meist eine Analyse. „Der Tobi hat viel Ahnung von Regeln, Technik und Training und sieht auch viele Dinge reflektierter. Bei mir ist das anders – wenn das Spiel vorbei ist, habe ich es schon abgehakt“, so Veronika. Der Bruder, beruflich als Konstrukteur von Peilantennen an Flughäfen tätig, ist natürlich stolz auf seine Schwester, die von Beruf Grundschullehrerin ist: „Das ist doch schön, zu sehen, wenn sie sportlich so erfolgreich ist. Und sie ist ja ganz klar die bessere Volleyballerin.“

Momentan allerdings im Standbye-Modus, denn nicht nur, dass der Amateursport momentan ausgesetzt ist – sie erwartet in Kürze mit ihrem Mann Matthias ihr erstes Kind. „Wie es danach weitergeht, weiß ich noch nicht. Aber ich würde schon wieder gerne Volleyball spielen“, so Veronika. Es sei noch nicht entschieden, aber gut denkbar, dass sie wieder bei der VSG anheuert. Tobias hofft natürlich ebenfalls, dass gemeinsam mit seinen Teamkollegen bald wieder am Netz stehen kann. „Vielleicht schaffen wir es auch endlich mal, aus unserer Aufstiegs-Warteschleife heraus zu kommen“, scherzt der 29-Jährige. Schon dreimal haben die VSG-Herren nämlich Anlauf in Richtung Landesliga genommen, doch entweder scheiterten sie in der Relegation oder diese wurde abgesagt.

Gemeinsam ans Netz gehen Tobias (vorne, li.) und Veronika Adamek (vorne, Mi.) immer wieder gerne, wenn die VSG an einem Mixedturnier teilnimmt.

Dass die Geschwister Adamek sehr ähnlich ticken, dafür gibt es noch einige Beispiele. „Tobi trägt immer das Trikot mit der Nummer sechs, genau wie früher unser Vater. Und meine Rückennummer ist die vier, die auch meine Mutter immer hatte“, erzählt Veronika. Und nicht nur, dass Tobias’ Freundin Dina die Zuspielerin der Unterhachinger Frauen ist und Veronikas Mann mit seinem Schwager oft zum Golfen geht – der Freundeskreis sei nahezu identisch. „Darunter sehr viele Volleyballer“, sagt der Bruder. Und neuerdings sieht er seine Schwester auch wieder fast jeden Tag persönlich: Die Geschwister wohnen seit dem Sommer bei den Eltern auf dem Familiengrundstück in Geretsried, wo drei Reihenhäuser gebaut wurden.

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