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„Kinder müssen Schwimmen lernen“: Dazu mahnen Rettungsorganisationen nach den tödlichen Badeunfällen an der Isar. Es gibt aber zu wenig Platz im Schwimmbad.

Appell der Rettungskräfte

Viele Badeunfälle: Bringt Euren Kindern Schwimmen bei!

Bad Tölz-Wolfratshausen – Wasser ist sehr gefährlich, seine Gefahr wird oft unterschätzt – und eine Statistik sagt: Die Hälfte der Kinder unter zehn Jahren kann nicht sicher schwimmen.

Jetzt ist es traurige Gewissheit: Der 16-jährige Asylbewerber, der vor zwei Wochen in der Isar untergegangen ist, ist tot. Seine Leiche hat die Feuerwehr am Kraftwerk in Baierbrunn geborgen. Laut Polizei ergab die Obduktion in der Rechtsmedizin in München: Der Jugendliche ist ertrunken. Innerhalb weniger Tage haben sich damit an der Isar im Nordlandkreis zwei tödliche Unfälle ereignet. Wie berichtet war in der vorigen Woche ein 15-jähriger Geretsrieder beim Schwimmen in dem Wildfluss ertrunken.

Wasser ist sehr gefährlich, seine Gefahr wird oft unterschätzt – und eine Statistik der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) alarmierend: Demnach kann die Hälfte der Kinder unter zehn Jahren nicht sicher schwimmen. Ein Viertel kann sich überhaupt nicht über Wasser halten. Die örtlichen Vereine und die Bayerische Wasserwacht setzen deswegen auf Prävention. Zudem bieten viele Organisationen Schwimmkurse an. Oft fehlt es jedoch an ausreichend Hallenbad-Kapazitäten.

Die DLRG Geretsried arbeitet mit der örtlichen Volkshochschule (VHS) zusammen. Von September bis Dezember gibt es mehrere Kurse zu je zehn Stunden für Anfänger ab sechs Jahren. Ab diesem Alter „können Kinder ihren Körper richtig koordinieren“, erklärt VHS-Leiterin Beate Ruda. Es sei aber durchaus sinnvoll, die Kleinen schon früher ans Wasser zu gewöhnen. Das Geretsrieder Hallenbad bietet zum Beispiel mit der Schwimmschule „Nellie Goldfisch“ Kurse für Babys und Kinder ab vier Jahren an.

Der VHS-Schwimmkurs kostet 70 Euro. Mit dem Familienpass gibt es zehn Prozent Ermäßigung. Für Asylbewerberkinder gebe es keinen Sonderpreis, um keinen Neid zu wecken, sagt Ruda. „Es finden sich aber immer wieder Sponsoren, die die Kosten für die Flüchtlingskinder übernehmen.“ Erwachsene könnten das Schwimmen in einem weiteren Kurs „Sicheres Schwimmen“ lernen.

Die DLRG begleitet zudem die Grundschulen beim Schwimmunterricht. „Wir lehren pro Jahr etwa 150 Mädchen und Buben, sich über Wasser zu halten“, sagt Vorsitzender Maiko Alpers. Im Ortsverband würden zudem 180 Kinder und Jugendliche regelmäßig trainieren. Die DLRG war es, die sich vor vielen Jahren stark dafür eingesetzt hat, dass in Geretsried ein Hallenbad gebaut wird, betont er. Im Jahr 1972 war es soweit. Seitdem hat sie feste Belegungszeiten. „Wir sind in Geretsried in einer glücklichen Lage“, sagt Alpers im Gespräch mit unserer Zeitung. „Wir hoffen sehr, dass das interkommunale Hallenbad gebaut wird und dass das jetzige noch bis dahin hält.“

Über zu wenige Wasserzeiten verfügt hingegen die Wasserwacht Wolfratshausen. Das erklärt Zweiter Vorsitzender Peter Knoblich. Weil das Weidacher Bad derzeit wegen eines Defekts geschlossen ist (wir berichteten), kann der Verein keine Breitenausbildung mehr anbieten. In den Seen dürfe im Sommer aus rechtlichen Gründen nicht unterrichtet werden.

Die Wasserwacht setze außerdem auf die Prävention von Badeunfällen. Zwei Ausbilder waren laut Knoblich kürzlich an der Grundschule in Waldram. Sie hätten besonders auf eine Gefahr ganz in der Nähe hingewiesen: den Loisach-Isar-Kanal. Zudem erklärten sie den Kindern das richtige Verhalten im Notfall. Auch die Kindergärten würden die Wasserwacht-Retter besuchen.

Die DLRG Schäftlarn- Wolfratshausen leidet auch darunter, dass das Weidacher Bad geschlossen hat. Sie hat dort einmal wöchentlich Schwimmunterricht angeboten. „Die Kurse waren immer ausgebucht“, sagt Vorsitzender Bernhard Link. „Es gab sogar Wartelisten.“ Im vergangenen Jahr hatte die DLRG zudem in Zusammenarbeit mit der Wolfratshauser Stadtjugendpflege einen speziellen Kurs für Asylbewerber durchgeführt.

Für Kinder, die direkt am Starnberger See leben, sei es besonders wichtig, dass sie nicht gleich untergehen, sagt Michael Döhla von der Wasserwacht Ammerland. Eltern seien in der Pflicht, ihrem Nachwuchs das Schwimmen beizubringen. Die Erziehungsberechtigten dürften das Thema nicht auf die Schulen abwälzen, sagt er. „Jeder, der selbst einigermaßen Brustschwimmen beherrscht, kann dieses Wissen weitergeben. Man kann da nichts verkehrt machen.“

von Tanja Lühr

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