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Spaß am Geretsrieder Volksfest.

Bilanz zum Geretsrieder Sommerfest

Volksfest: Vielleicht kommen die Festwirte nie wieder

Geretsried – Ob die Familie Mörz das Geretsrieder Sommerfest noch einmal bestreiten wird, ist fraglich. Zehn Tage waren schlecht besucht, sagt Festwirtin Nadine Mörz. Die Bilanz:

„So mager wie heuer war’s noch nie“, berichtet Nadine Mörz. Es ist Samstagabend, die Stimmungsband „Tropical Rain“ spielt auf der Bühne im Zelt. Nur wenige Tische sind besetzt, drei Frauen tanzen ein bisschen zur Musik. Schon kurz nach 21 Uhr habe das Personal angefangen, die Küche sauber zu machen, sagt Mörz. Die ersten Bedienungen holen sich um 21.30 Uhr ihre vergünstigte „Feierabend-Halbe“.

Draußen tummeln sich zwar einige Jugendliche, mit dem erstmals vertretenen Fahrgeschäft „Phoenix“ – laut Betreiberin Melanie Staudenrausch „einzigartig in Deutschland“ – will aber kaum jemand fahren. „Vier Euro? Zu teuer“, meint ein junger Mann vor dem Kassenhäuschen. Stefanie Kraus, ebenfalls zum ersten Mal mit ihrem Losestand in Geretsried, äußert sich etwas positiver: „Der Platz hier ist ganz schön. Es gibt ein paar attraktive Fahrgeschäfte. Bei mir hätte es besser laufen können, aber ich würde trotzdem wieder kommen.“

Festwirtin Nadine Mörz

Ob die Festwirtsfamilie Mörz das 2017 tut, steht noch in den Sternen. Laut Juniorchefin Nadine Mörz waren der erste Samstag, der Montag und der Dienstag äußerst schwach besucht. Der Kindernachmittag am Mittwoch sei gut angelaufen, bis ein Regenschauer die Leute vertrieben habe. Zufrieden ist die Wirtin mit dem Donnerstag und dem Freitag. „Da war der Biergarten voll. Für die Bedienungen hat es sich endlich mal gelohnt.“ Am Freitag seien die Besucher eines Tischs sogar auf den Bänken gestanden, um die Band „Nachtstark“ zu beklatschen – „eine absolute Premiere für Geretsried“. Trotzdem: Im Gegensatz zu vergleichbaren Städten wie Waldkraiburg fehlten die Gäste am Mittag, die Jugendlichen – und das Engagement der Stadt. Diese habe sich unter anderem zu wenig darum gekümmert, dass die Werbeplakate der Familie Mörz aufgehängt werden, beklagt die Juniorchefin. In Waldkraiburg gebe es einen Pool, in den die Stadt, die Wirte und die Schausteller einzahlten, so dass immer genug Geld für das Fest zur Verfügung stehe. Festwirtin Mörz: „Der Familienrat muss jetzt überlegen, ob wir weitermachen.“

Bürgermeister Michael Müller sagt, er habe bei seinen Besuchen auf dem Sommerfest nicht den Eindruck gewonnen, dass wenig los sei. „Der Senioren- und der Kindernachmittag sind beliebt, ebenso der Abend der Betriebe und Vereine.“ Mörz wie Müller haben einige Verbesserungsvorschläge. Die Wirtin schlägt vor, das Fest zu verkürzen. Es könnte eventuell nur von Donnerstag bis Montag dauern. Müller kann sich vorstellen, den Festzug auf den Samstag oder Sonntag zu verlegen, um mehr Teilnehmer und Zuschauer zu gewinnen. „Wir müssen unser Sommerfest stärker in das Bewusstsein der Menschen bringen“, sagt der Bürgermeister. Zusammen mit seinen Mitarbeitern habe er sich andere Volksfeste in der Umgebung angeschaut und nach Anregungen gesucht. Müller sagt, er wolle auf jeden Fall an der über 40 Jahre alten Geretsrieder Attraktion festhalten. „Nur wenn die Leute nicht hingehen, müssen wir uns schon Gedanken darüber machen, ob wir das Fest mit aller Gewalt durchziehen.“

von Tanja Lühr

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