Vor dem Kriegerdenkmal auf dem Waldfriedhof gedachten die Geretsrieder am Volkstrauertag der Opfer von Kriegen und Terror.
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Vor dem Kriegerdenkmal auf dem Waldfriedhof gedachten die Geretsrieder am Volkstrauertag der Opfer von Kriegen und Terror.

Vertreter der Stadt und der Vereine legen Kränze nieder

Volkstrauertag in Geretsried: Plädoyers für Respekt und Solidarität

Am Volkstrauertag haben Vertreter von Stadt und Vereinen Kränze am Kriegerdenkmal auf dem Geretsrieder Waldfriedhof niedergelegt verbunden mit einer wichtigen Botschaft.

Geretsried – Im November sind wir unseren Toten besonders nahe. Wir gedenken ihrer an Allerheiligen, am Tag der Reichspogromnacht, am Ewigkeitssonntag. Am Volkstrauertag erinnern wir uns der Menschen, die durch Kriege und Gewaltherrschaft ihr Leben verloren haben, auch wenn wir deren Leidensgeschichte meist nicht kennen. Vertreter der Stadt und der Vereine legten aus diesem Anlass am Sonntagnachmittag Kränze vor dem Kriegerdenkmal auf dem Geretsrieder Waldfriedhof nieder. Am Vormittag war der Opfer in Gelting gedacht worden.

Etwa 60 Besucher nahmen an der Feierstunde mit vorausgegangenem Trommelmarsch in Geretsried teil, die musikalisch von der Gartenberger Bunkerblasmusik und von drei Böllerschüssen aus der Kanone der örtlichen Reservistenkameradschaft begleitet wurde. Der Volkstrauertag habe angesichts von Kriegen und Konflikten in aller Welt nichts von seiner Aktualität eingebüßt, betonte Bürgermeister Michael Müller. Er solle als Mahnung dienen, um nicht zu vergessen, welch gefährdetes Gut die Menschenwürde und der Friede seien. Gleichzeitig solle er jeden Einzelnen dazu ermuntern, mit seinen Mitmenschen respektvoll und aufmerksam umzugehen.

Gesellschaft lebt in „negativem Frieden“

Florian Völler, der Kreisbeauftragte des Volksbunds Deutscher Kriegsgräberfürsorge, nahm dies in seiner Rede auf und sprach von „positivem Frieden“ im Gegensatz zu „negativem Frieden“. In letzterem lebt unsere Gesellschaft seiner Meinung nach, gekennzeichnet lediglich durch die Abwesenheit von Krieg. Was fehle, seien soziale Gerechtigkeit und Solidarität. Völler nannte als Beispiel die Pandemie. Leider herrschten hier mitunter Hass und Hetze. Sie gipfelten in dem Satz von Corona-Leugnern „Impfen macht frei“, eine Abwandlung des Schriftzugs über dem Tor zum früheren Konzentrationslager Auschwitz „Arbeit macht frei“. Als „unsäglich“ bezeichnete der 37-Jährige derartige Vergleiche. Völler forderte darüber hinaus dazu auf, am Volkstrauertag auch der Einsatzkräfte zu gedenken, die im Dienst für andere ihr Leben ließen – Feuerwehrleute, Polizisten, Sanitäter und Krankenhausmitarbeiter.

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Cornelia Irmer und Arno Bock traten als Vertreter des Sozialverbands VdK gemeinsam vors Mikrofon. Sie brachen die Bedeutung des Friedens herunter vom Weltfrieden auf den Frieden zwischen den Städten und Gemeinden, den Frieden unter Nachbarn und Freunden bis hin zum Frieden im eigenen Haus. Letztlich könne ein gutes Miteinander nur gelingen, wenn man den Frieden im eigenen Herzen finde. Das wünschten die beiden VdK-Vertreter allen Anwesenden.

Warum Gott so viel sinnlose Gewalt zulasse, warum er Frauen zu Witwen und Kinder zu Waisen mache, warum er Menschen zwinge, ihre Heimat zu verlassen, das fragten sich viele, sagte Pfarrer Andreas Vogelmeier von der katholischen Stadtkirche. Die Antwort Jesu auf ihre Sprach- und Ratlosigkeit laute: „Ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt“. Die Worte aus der Bibel könnten in diesen Novembertagen Trost spenden, nährten sie doch die Hoffnung auf Auferstehung. „Darum bemüht euch darum, von ihm ohne Makel und Fehler und in Frieden angetroffen zu werden“, zitierte Vogelmeier Petrus.

Tanja Lühr

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