Dietlinde Schoch Betriebsleiterin der Oberland Werkstätten in Geretsried
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Dietlinde Schoch, Betriebsleiterin der Oberland Werkstätten in Geretsried

WIE GEHT’S?

Vom Kostüm in den Kittel: Dietlinde Schoch über die Arbeit in den Oberland Werkstätten

  • Sabine Hermsdorf-Hiss
    vonSabine Hermsdorf-Hiss
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In der Reihe „Wie geht’s?“ fragen wir bei Menschen aus dem Landkreis nach, wie sie die ungewöhnlichen Corona-Zeiten erleben. Heute: Dietlinde Schoch, Betriebsleiterin in den Oberland Werkstätten in Geretsried.

Geretsried – Wenn es sein muss, wechselt Dietlinde Schoch, Betriebsleiterin der Oberland Werkstätten in Geretsried, auch mal das Kostüm gegen den Kittel, um in der Wäscherei auszuhelfen. Das war im Frühjahr nötig, als alle Mitarbeiter mit Behinderungen der Werkstätten in Folge der Corona-Pandemie nach Hause geschickt wurden. Trotzdem mussten Verpflichtungen und Liefertermine eingehalten werden.

Frau Schoch, beim Lockdown im März wurden die Werkstätten geschlossen. Wie hat sich die Situation entwickelt?

Dietlinde Schoch: Die jeweils aktuelle Allgemeinverfügung des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege gab unseren Werkstätten vor, wann unter welchen Rahmenbedingungen und welcher Personenkreis der Menschen mit Behinderungen wieder arbeiten durfte. Ab Mitte April wurde das Betretungsverbot nach und nach gelockert, und unsere Arbeitsgruppen, die in Kooperationsfirmen arbeiten, durften wieder starten. Ab 18. Mai kamen die Mitarbeiter wieder, die zu Hause oder ambulant betreut wohnen. Und im Laufe der darauffolgenden Wochen durften auch andere Mitarbeiter, zum Beispiel aus dem Wohnheim, wieder mit anpacken.

Auch Menschen, die Risikogruppen angehören?

Dietlinde Schoch: Diese werden bei Bedarf in einer eigenen Notbetreuung beschäftigt, ohne dabei Kontakt zu den anderen Mitarbeitern mit Behinderungen zu haben, um sie bestmöglich zu schützen. Voraussetzung für die Wiederaufnahme der Arbeit ist, dass sich die Menschen an die Hygiene- und Abstandsregeln halten. Derzeit sind nur noch Einzelne zu Hause, da sie keine Notbetreuung in Anspruch nehmen wollen.

Welche Belastung empfinden Sie am größten?

Dietlinde Schoch: Die Auftragslage ist spürbar zurückgegangen. Die Menschen dürfen sich nicht mehr umarmen. Ausflüge und Feiern wie zum Beispiel die gemeinsame Weihnachtsfeier oder Ehrungen können heuer nicht stattfinden. Das hat durchaus Auswirkungen auf das Miteinander. Die Menschen, die zur Risikogruppe gehören, vermissen ihre Kollegen, da sie entweder noch zu Hause sind oder in der Notbetreuung.

Ist es in den Werkstätten einfach, das Hygienekonzept umzusetzen?

Dietlinde Schoch: Am Eingang steht ein Desinfektionsspender, ebenso wie in allen Arbeitsbereichen und Sanitärräumen. Zudem wurden in den Arbeitsgruppen die Arbeitsplätze in mindestens 1,5 Meter Abstand voneinander gestellt, sodass die Menschen ohne Mund-Nasen-Schutz ihrer Arbeiten nachgehen können. Wenn sie ihren Platz für Toilettengänge oder zur Umkleide verlassen müssen, tragen alle die Maske. Im Speisesaal haben wir eine Einbahnregelung und die Tische so umgestellt, dass überall der erforderliche Abstand eingehalten wird. Da nun nur noch maximal 25 Menschen Platz haben, mussten wir weitere Pausenzeiten einführen. Es werden, wie im Restaurant, nach jedem Gast die Tische desinfiziert. Es ist beeindruckend, wie gut und vorbildlich die Menschen mit Behinderungen sich an die neuen Regeln halten und diese akzeptieren.

Und Sie, Frau Schoch? Wie geht es Ihnen?

Dietlinde Schoch: Ich persönlich bin in einer eher besseren Situation. Weil wir systemrelevant sind, muss ich mir aktuell noch keine Sorgen um meinen Arbeitsplatz machen. Ich habe einen Garten und fühle mich im Alltag – außer, wenn es um meine geliebten Reisen geht – wenig eingeschränkt. Fit halte ich mich mit Yoga übers Internet, da die Studios derzeit geschlossen sind.  sh

In der Reihe

„Wie geht’s?“ fragen wir bei Menschen aus dem Landkreis nach, wie sie die ungewöhnlichen Corona-Zeiten erleben.

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