+
Zehn Gartenzwerge: Bei Familie Jakobi kommen vier Generationen zusammen - (v. li.) Michael (79) und Johanna (78), deren Sohn Michael (56) und seine Frau Edith (48) sowie deren Tochter Johanna (57) mit ihrer Tochter Andrea (31), die Tochter von Edith und Michael Lisa (21) mit Bruder Daniel (17) und Schwiegertochter Rosenda (39) mit ihrem Sohn Luca (16 Monate). 

Serie: „Ab ins Beet“

Vom Rentner bis zur Großfamilie: Alle lieben ihre Kleingärten

  • schließen

Der Isartaler Kleingartenverein feiert sein 40-jähriges Bestehen. Seit 1977 hegen und pflegen die Mitglieder die Anlage an der Jeschkenstraße und genießen das bunte Vereinsleben. In einer Serie begleiten wir den Verein, seine Mitglieder und deren Gärten durch das Jahr. In dieser Folge besuchen wir drei Gartenbesitzer.

Geretsried – Hinter den 88 Gartentürchen des Kleingartenvereins verbergen sich 88 Geschichten. Die Mitglieder verbringen aus den unterschiedlichsten Gründen ihre Freizeit in der Anlage. Und sie kommen aus den unterschiedlichsten Ländern. „Wir haben Schlesier, Egerländer, Russlanddeutsche, Siebenbürger, Griechen, Türken, Kroaten und gebürtige Geretsrieder“, sagt Vereinsvorsitzender Hans Nowotny. Was sie eint: Die Liebe zu ihren 320 Quadratmetern Natur.

Vier Generationen

Auf der Wiese bei Michael (79) und Johanna (78) Jakobi stehen sechs Liegen. Das ist viel, aber eigentlich nicht genug. „Keine Sorge, wir haben noch mehr“, sagt der 79-Jährige lachend. Er und seine Frau haben ein Reich für die ganze Familie geschaffen. Und die ist groß: Im Blumen- und Gemüsegarten treffen sich am Wochenende vier Generationen. „Da sind alle hier“, sagt Michael Jakobi und schaut strahlend in die Runde.

Dort sitzen seine Kinder mit den Ehepartnern und seine Enkel. Urenkel Luca (16 Monate) ist in seiner Sandkasten-Muschel beschäftigt. Insgesamt sind also zwölf Liegen nötig, wenn alle zusammen Mittagsschlaf machen wollen. „Aber viele von uns sitzen meist hier auf den Gartenstühlen und unterhalten sich“, erklärt Enkelin Andrea (31). Ihre Großeltern haben den Garten übernommen, als sie in Rente gegangen sind. „Was will man zu Hause machen, wenn man nicht mehr arbeitet?“, sagt Michael Jakobi schulterzuckend.

Heute ist das Ehepaar fast jeden Tag in seiner Parzelle, jätet Unkraut und erntet Gemüse. Wenn der Rest der Familie am Wochenende kommt, ist alle Arbeit erledigt. Dann können sie grillen, Sonne tanken und sich austauschen. Das machen die Jakobis übrigens so, seit Enkel Daniel auf der Welt ist. Er ist 17 Jahre alt – genauso lang haben sie den Garten. Wie es war, zwischen Bäumen, Blumen und den Liegen aufzuwachsen? „Ich kann mich schlecht daran erinnern“, gesteht Daniel und lehnt sich im Gartenstuhl zurück. Schlecht war es sicher nicht.

Wein und Kneipp

Ein paar Gartenzäune weiter sitzt Michael Krestl mit Strohhut in seiner Gartenlaube und schiebt die Backgammon-Steine über das Spielfeld. Mit 83 Jahren ist er der älteste Gartenbesitzer der Anlage. Seit 1993 hegt und pflegt er seine Parzelle mit Ehefrau Johanna (78). Gleich vor der Gartenlaube klettert ein Weinstock über den Baldachin aus Draht. Früher hat Krestl mehr von ihnen gehabt und „waggonweise Wein gemacht“, sagt er. Aber heute geht das nicht mehr, auch wenn er in seinem Garten steht, sobald es etwas zu tun hat.

Und das ist einiges. In seinen Beeten wachsen zum Beispiel Beeren, Kohlrabi und Zwiebeln. Ganz wichtig sind die vielen Kräuter dazwischen – von Pfefferminze bis Johanniskraut. Die braucht Krestl für seine Tees. „Nach Kneipp“, erklärt der 83-Jährige. Wie das Naturheilverfahren funktioniert, hat Krestl von seinem Opa gelernt. „Ich habe nie eine Pille genommen“, sagt er.

Der älteste Gartenbesitzer der Anlage heißt Michael Krestl (83).

Immer von einem Garten geträumt

Im Garten ist alles selbstgemacht. Krestl, der vier Töchter und vier Enkelkinder hat, hat früher im Erdgasbereich gearbeitet und ist ein talentierter Handwerker. Er hat die Pflanzenleitern aus Rohren gebaut und die Holztüren gezimmert. „Ich weiß nicht, was ich nicht kann“, sagt er mit verschmitztem Lächeln.

Von einem Garten hat Krestl immer geträumt. Er hat ihn nicht nur übernommen, weil er Beschäftigung gesucht hat. „Ich hatte einen wunderschönen Garten mit Weinbergen in Siebenbürgen“, berichtet der 83-Jährige. Im Krieg wurde seiner Familie alles genommen. Jetzt hat Krestl wieder einen – wenn auch kleiner als früher. „Ich will mich in der Natur beschäftigen. Nur im Block wohnen, das ist nichts“, sagt er und schaut zufrieden über seine wohlgedeihenden Pflanzen.

Paradies für Kinder

Im Garten von Familie Weber ist immer etwas los. Heute spielen Elina (4), Angelina (6) und Diana (9) im pastellfarbenen Planschbecken. An manchen Tagen aber ist die großzügige Wiese vor lauter Kindern nicht zu sehen. „Dann sind zehn Kinder hier, an Geburtstagen auch mal 15“, sagt Mama Natalia (38).

Oft geht sie mit ihrer Tochter Angelina (6) in den Garten, damit deren Geschwister (17 und 14) in Ruhe ihre Hausaufgaben machen können. Mit Angelina kommen auch die Nachbarin und die Nichte raus – ihre Eltern warten auf einen eigenen Garten. Es dauert nicht lang, bis dann die Gartennachbarn und noch ein paar Freunde vorbeischauen. Kein Wunder: Papa Alexander hat ein Baumhäuschen gebaut, es gibt eine Hollywoodschaukel, eine Tischtennisplatte und vieles mehr. Hier wird keinem Kind langweilig.

Auch bei Regen ist es schön

„Ich glaube, wir haben den lautesten Garten“, sagt Natalia Weber – nicht ohne ein bisschen schlechtes Gewissen. Aber abends wird es dafür umso leiser bei Familie Weber. Dann grillen sie Gemüse aus dem Garten, sitzen alle zusammen am Feuer und lesen Gute-Nacht-Geschichten, bis sie erschöpft ins Bett fallen. Die 38-Jährige hat im Gartenhäuschen ein gemütliches Matratzenlager eingerichtet, das umringt von niedlichen Kuscheltieren ist.

Großer Spielplatz: Zu Natalia Weber (38) und ihrer Familie kommen alle Kinder zum Spielen. Heute: Nachbarin Elina (4), Tochter Angelina (6) und Nichte Diana (9).

Natalia Weber, gebürtige Russin, ist mit 18 Jahren nach Deutschland gekommen und hat mit ihrem Mann lange auf einen eigenen Garten gespart. „Wir haben fünf Jahre gewartet“, sagt sie. Doch die Mühe hat sich gelohnt, wenn sie die spielenden Mädchen sieht. „Der Garten ist sehr schön für Kinder. Und eigentlich auch für Ältere.“

Es fängt an zu regnen – kein Problem für Elina, Angelina und Diana. Sie sind längst aus dem Mini-Pool gestiegen und haben sich in ihrem Baumhäuschen verschanzt. Zu hören ist nur noch Getuschel.

Sommerfest

Beim Sommerfest feiert der Isartalter Kleingartenverein am Samstag, 15. Juli, sein 40-jähriges Bestehen. Ab 13 Uhr unterhalten „Andrea & Michael“ die Gäste am Vereinsheim und sorgen für Stimmung auf dem Tanzpodest. Die Küche bietet Essen queer Beet – vom Grill und aus dem süßen Backofen. Die jüngsten Gäste können sich beim Ponyreiten und auf der Hüpfburg austoben. Zum besonderen Anlass gibt es auch eine Festschrift.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Familie sucht am Ambacher Kiosk Zuflucht - Besitzer weist sie ab
Weil sie in ein heftiges Gewitter gerieten, wollte sich eine Familie aus Tutzing am Kleinen Kiosk in Ambach unterstellen. Doch aus einem Grund wies sie der Besitzer ab.
Familie sucht am Ambacher Kiosk Zuflucht - Besitzer weist sie ab
Mittelschüler in Schloss Nymphenburg geehrt
Das Verbraucherschutzministerium in Bayern hat am Donnerstag die Klasse 7c der Mittelschule Geretsried für die Teilnahme an dem Projekt „Partnerschule …
Mittelschüler in Schloss Nymphenburg geehrt
Diakon Horak segnet neue Flößer-Skulptur in Wolfratshausen
„Dass man zum Floßfahren Wasser braucht, ist ja klar – aber doch nicht gleich so viel“, sagte Hermann Paetzmann, Mitglied des Vereins Flößerstraße, mit erbostem Blick …
Diakon Horak segnet neue Flößer-Skulptur in Wolfratshausen
Landratsamt rät von Bootfahren auf Isar und Loisach ab
Aufgrund des heftigen Regens in jüngster Zeit haben sich die Pegelstände an Isar und Loisach erhöht. Nun hat das Landratsamt eine Warnung herausgegeben.
Landratsamt rät von Bootfahren auf Isar und Loisach ab

Kommentare