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Nachspiel vor Gericht

Während Fußball-EM: Wirt soll Stammgast geschlagen haben 

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Die Fußball-Europameisterschaft 2016 in Frankreich hatte jetzt ein Nachspiel am Wolfratshauser Amtsgericht. Nach dem Halbfinal-Aus der deutschen Nationalmannschaft waren sich ein Geretsrieder Gastronom und ein Stammgast aus Königsdorf gewaltig in die Haare geraten.

Geretsried –  Laut Anklageschrift soll der Wirt seinem Gast  mehrfach gegen den Kopf geschlagen haben. Da sich dafür jedoch keine Beweise finden ließen, sprach Richter Helmut Berger den Angeklagten frei.

Am Abend des 7. Juli lagen bei vielen deutschen Fußball-Fans die Nerven blank. Im Zentrum der Kritik stand nach der 0:2-Niederlage im Halbfinale gegen Frankreich vor allem der italienische Schiedsrichter Nicola Rizzoli, der einige umstrittene Entscheidungen gefällt hatte. Ebenso umstritten war, was sich an diesem Abend in dem Geretsrieder Lokal zugetragen hatte.

Richter Berger: „Der Schiedsrichter hat an diesem Abend aber wirklich nicht für Deutschland gepfiffen“

„Als das Spiel längst vorbei war, habe ich mit meinem Personal zu Abend gegessen“, berichtete der in Italien geborene Wirt. „Als der Gast von der Toilette zurückgekommen ist, hat er immer wieder ,Sch... Italiener‘ gerufen. Da habe ich ihm gesagt, dass er in meinem Lokal nicht ,Sch... Italiener‘ rufen darf, sondern höchstens ,Sch... Schiedsrichter‘“, erklärte der 60-Jährige dem Richter. Helmut Berger kommentierte dies schmunzelnd mit den Worten: „Der Schiedsrichter hat an diesem Abend aber wirklich nicht für Deutschland gepfiffen.“

Zeuge kann Aussage bestätigen

Da konnte sich auch der Gastronom ein Lächeln nicht verkneifen. Er führte weiter aus, nach der Beleidigung habe er den Königsdorfer aufgefordert, das Lokal zu verlassen. Bis zu diesem Abend sei dieser ein Stammgast gewesen. Jeden Abend habe er zwei Flaschen Wein getrunken. Ein Aushilfskellner, der an diesem Tag als Gast anwesend war, bestätigte im Wesentlichen diese Aussage: „Der Mann war voll betrunken und hat nur noch rumgeschrien.“ Daraufhin habe er ihn nach draußen begleitet.

Gast schildert Geschehnisse anders

Komplett anders schilderte der Gast die Geschehnisse. Er kenne den Wirt seit 1982. Früher habe er dort einmal in der Woche gegessen, seit dem Renteneintritt dreimal wöchentlich. Nie habe es Probleme gegeben. An diesem Abend habe ihn der Wirt zum Toilettengang herbeigewunken und ihn dort mehrfach mit der Faust gegen den Kopf geschlagen. „Sch... Italiener“ habe ich definitiv nicht gesagt“, sagte der 56-jährige Königsdorfer. „Warum auch? Der Schiedsrichter war doch ein Engländer“, erinnerte er sich falsch.

Richter Berger bohrte nach

Richter Berger bohrte nach: „Warum haben Sie dann keine Anzeige bei der Polizei erstattet, sondern erst zwei Wochen später bei der Staatsanwaltschaft?“ Der Angeklagte erklärte, er habe an diesem Abend einen halben oder dreiviertel Liter Wein getrunken und sei „angeheitert bis angetrunken“ gewesen. So habe er nicht mit dem Rad zur Polizei fahren wollen. Zudem vertraue er den Geretsrieder Ordnungshütern nicht, „denn die kennen ja auch alle den Wirt gut“. Sein Rechtsanwalt habe ihm deshalb empfohlen, direkt zur Staatsanwaltschaft zu gehen. Berger wollte wissen, warum er nicht wenigstens zum Arzt gegangen sei. „Wo der Wirt hingeschlagen hat, habe ich Haare“, entgegnete der Gast. „Man hat nichts gesehen. Trotzdem war es ein Fehler, dass ich es nicht gemacht habe.“

Antworten „nicht befriedigend“

Die Staatsanwältin hielt es für nicht glaubwürdig, dass ein Wirt grundlos auf einen Stammgast einschlägt. Da zudem keine Beweismittel wie ein ärztliches Attest vorlagen, plädierte sie auf Freispruch. Dem schloss sich der Richter an. Er empfand die Antworten des Königsdorfers als „nicht befriedigend“ und teilweise nicht „nicht nachvollziehbar“.

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