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Gott und die Welt 

Wann haben Unterdrückung und Willkür der Mächtigen ein Ende?

In der Serie „Gott und die Welt“ macht sich diesmal Eva Buchner, katholische Dekanats-Altenheim-Seelsorgerin aus Geretsried, Gedanken. 

Geretsried – Maranatha! Das heißt auf Aramäisch „Unser Herr, komm!“ – so mag dieser Ruf, wie ein Stoßseufzer ausgestoßen, Jahrhunderte hindurch gen Himmel gerichtet worden sein. Wann haben Unterdrückung und Willkür der Mächtigen gegen Schwache und Arme endlich ein Ende?

Enttäuschung und Erfüllung liegen nah beieinander

In den Adventsgottesdiensten erklingt in Liedern und Schriftworten die Sehnsuchtsbitte, der Herr möge sich seines Volkes erbarmen und Erlösung in die dunkle Welt bringen. Wir hören die Texte des Propheten Jesaja bis in unsere Zeit hinein. Er hält mahnend und tröstend die Sehnsucht nach der Rettung durch den König der Könige wach. Damals wie heute liegen wohl Resignation und Zweifel, Hoffnung und Erfüllung dicht beieinander. Zur Zeit Jesu erwartete man sicher einen neuen weltlichen Herrscher, der, dem König David gleich, das Gottesvolk zu einer neuen Blüte führen solle. Mit militärischer Macht und mit Gottes Hilfe wollte man ein erstarktes Israel sehen. Aber so kommt es nicht und so zeigt er sich nicht, der ersehnte Gottessohn. So werden Enttäuschung und Erfüllung in den Herzen der Menschen auch heuer wieder dicht beieinander liegen.

Beim ersten Weihnachtsfest erklingt hell und strahlend die Botschaft: „Uns ist heute der Retter geboren, Christus der Herr.“ ER nimmt Wohnung in ihrem Herzen und verändert ihr Leben. Ich spüre, dass es die durchlittene Dunkelheit war, die jetzt ein so großes Licht in ihnen aufstrahlen lässt. So wird Gottes Sohn zum Heiland für jene, die außer ihrer Sehnsucht nichts hatten. Er wird sichtbar bei den Armen und Kranken, den Ausgestoßenen und Verachteten in der Welt.

„Sie glauben doch nicht, dass wir an Weihnachten in die Kirche gehen“

Eva Buchner:  Kath. Dekanats-Altenheim-Seelsorgerin, Geretsried

Wie schwer fällt es uns heute, da wir auch im Advent schon die Fülle feiern, gegen diese Leere anzugehen, die an Weihnachten nach der Bescherung in manchen Herzen übrig bleibt? Wie schwer ist es, Sehnsucht zu lehren und zu lernen? Wie weckt man die Sehnsucht nach dem inneren Licht in einer grellen und satten Welt? Ich höre noch, was mir eine Schülerin zum Thema „Unsere Bräuche am Heiligen Abend“ zur Antwort gab. Voll Zorn, fast mit Bitterkeit brach es aus ihr heraus: „Sie glauben doch nicht, dass wir an Weihnachten in die Kirche gehen. Wir essen und trinken und packen unsere Geschenke aus. Hernach geht jeder in sein Zimmer und ist froh, dass Weihnachten vorbei ist.“

Wie tief verschüttet ist hier die Sehnsucht und wie groß die Enttäuschung, dass Gott nicht dreinschlägt mit Feuer und Schwert in eine ungerechte Welt, in der scheinbar nur die Starken und Harten eine Chance hatten. Aber ist es nicht unsere menschliche Sichtweise von einem Auftreten Gottes in der Welt, die uns blind werden lässt für die wirkliche Begegnung mit ihm? Ja, die auch manche Menschen sich abwenden lässt vom Glauben? Um Freude an Licht zu erleben, müssen wir auch Dunkelheit aushalten wie die Hirten auf den Feldern. So wie die, für die in der Herberge kein Platz war. Wird Gottes Sohn an Weihnachten Obdach finden in der einfachen, schlichten Krippe unseres Herzens? Darf er, im Schutze unserer Liebe zu Ihm, groß werden und wachsen in uns? Wird er die oft so kalte Welt durch uns verändern können? Maranatha – komm, o Herr auch in unsere kalte Zeit!

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