Das Wettkampfbecken im interkommunalen Hallenbad mit einer großen Fensterfront
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Die Eröffnung rückt näher: Wie von überall im interkommunalen Hallenbad werden Schwimmer auch vom Wettkampfbecken aus durch große Fenster in den Stadtwald blicken können.

Interview mit Michael Müller

Warum ist das Hallenbad so teuer? Bürgermeister Müller über Kosten, die Sauna und Eintrittspreise

Noch in diesem Jahr soll das interkommunale Hallenbad eröffnet werden. Im Interview erklärt Bürgermeister Michael Müller, wie das jährliche Defizit entsteht, wer dafür aufkommt und warum es keine Sauna gibt.

Geretsried – Der Bau des interkommunalen Hallenbads befindet sich in der Schlussphase. Es ist ein Gemeinschaftsprojekt der Stadt Geretsried mit den Nachbarkommunen Wolfratshausen, Dietramszell, Egling, Eurasburg, Königsdorf, Münsing, und Icking sowie dem Landkreis. Mit dem Bau sind allerdings nicht alle finanziellen Verpflichtungen erledigt. Bei den Betriebskosten wird jedes Jahr ein Defizit entstehen. Das wird immer wieder angeführt, wenn es um die Nutzungsgebühren von Vereinen im Bad geht. Wie das Defizit zustande kommt und was das mit der nicht gebauten Sauna zu tun hat, erklärt Bürgermeister Michael Müller im Interview.

Herr Bürgermeister Müller, was macht den Betrieb eines Hallenbads so teuer?

Michael Müller: Es gibt drei wesentliche Kostenblöcke. Da wären einmal Wasser und Wärme. Jeder Mieter oder auch Eigentümer, der seine Nebenkostenabrechnungen anschaut, wird feststellen: Das sind die großen Posten, die die Nebenkosten in den vergangenen Jahren in die Höhe getrieben haben. Und im Hallenbad brauchen wir von beidem natürlich umso mehr. Dasselbe gilt für das Thema Strom.

Und der dritte Kostenblock?

Michael Müller: Der dritte große Kostenfaktor ist das Personal für Aufsicht, Sicherheit und Bäderbetrieb.

Im alten Hallenbad haben wir ein Becken mit einem Volumen von 940 Kubikmetern bei einer Fläche von 313 Quadratmetern. Im interkommunalen Hallenbad sind es vier Becken mit insgesamt 1302 Kubikmetern Volumen und 605 Quadratmetern Fläche.

Bürgermeister Michael Müller

Bei einem neuen Gebäude spielt auch der Gebäudewert eine Rolle…

Michael Müller: Das ist richtig, ja. Da wir in Geretsried einen doppischen Haushalt führen, fallen die Abschreibungen in die Kostenrechnung hinein. Es ist auch nur richtig und konsequent, den Werteverzehr abzubilden, wenn eine öffentliche Investition getätigt wird (Wertminderung durch Gebrauch wird durch Abschreibungen im Haushalt ausgedrückt, Anm. d. Red.). Der kostet den Steuerzahler am Ende auch, was im kameralen Haushalt oftmals gar nicht auffällt.

Wie groß ist die Wasserfläche im neuen Bad?

Michael Müller: Im alten Hallenbad haben wir ein Becken mit einem Volumen von 940 Kubikmetern bei einer Fläche von 313 Quadratmetern. Im interkommunalen Hallenbad sind es vier Becken mit insgesamt 1302 Kubikmetern Volumen und 605 Quadratmetern Fläche.

Und zum Verständnis: Es wird jedes Becken durchgehend beheizt?

Michael Müller: Ja, wir müssen immer alle Bereiche vorhalten. Zum einen gibt es hier eine technische Notwendigkeit, zum anderen brauchen wir eine möglichst große Auslastung, um das Bad so wirtschaftlich wie möglich betreiben zu können. Also muss auch immer alles geheizt werden.

Die Stadt hat ein eigenes Heizkraftwerk gebaut. Sind die Kosten dadurch günstiger?

Michael Müller: Relativ gesehen natürlich schon. Und es ist nachhaltiger.

Wird es im neuen Hallenbad mehr Personal geben als im alten?

Michael Müller: Wir brauchen mehr Mitarbeiter. Das neue Bad ist doppelt so groß und hat zwei Hallen, auch die Anforderungen an die Technik sind gestiegen. Bisher hatten wir fünf Angestellte, künftig sind es elf.

Sind schon alle Stellen besetzt?

Bürgermeister Michael Müller

Michael Müller: Ja. Die Ausschreibungen liefen bereits, und es sieht gut aus.

Unterm Strich, wie hoch werden die Betriebskosten im neuen Hallenbad sein?

Michael Müller: Wir gehen im Wirtschaftsplan der Stadtwerke von 1,6 Millionen Euro Betriebskosten im Jahr aus. Davon fallen 700 000 Euro für Unterhalt an, also Wasser, Abwasser, Wärme, Strom, rund 600 000 Euro fürs Personal, und auf etwa 360 000 Euro beläuft sich der Werteverzehr. Da das Bad noch nicht betrieben wird, können wir bislang aber nur mit Annahmen arbeiten.

Was steht auf der Einnahmenseite?

Michael Müller: Auch hier können wir bislang nur mit Prognosen rechnen. Wir gehen von circa 90 000 Besuchern im Jahr aus, die sich in Form von Eintrittsgeldern oder Nutzungsentgelten an den Kosten des Bades beteiligen. Das ist zu trennen von Zuschüssen der Stadt an Vereine. Zunächst einmal muss jeder ein Nutzungsentgelt an die Stadtwerke entrichten, die den wirtschaftlichen Betrieb sicherstellen müssen. Bei 90 000 Besuchern im Jahr rechnen wir mit 780 000 Euro Einnahmen.

Das neue Bad wird im Gegensatz zum alten nicht mehr von der Stadt selbst betrieben, sondern von den Stadtwerken. Warum?

Michael Müller: Wir wollen das Management dieser Liegenschaft ausgliedern aus der städtischen Verwaltung und dem städtischen Haushalt. Wir ordnen das den Stadtwerken zu und versuchen, eine optimierte Betriebssituation herzustellen. Das größere Bad braucht ein anderes Management, welches bei den Stadtwerken letztlich besser aufgehoben ist. Im Grunde ist das ein organisatorisches Thema, hat aber auch steuerliche und hoheitliche Gründe. Als Kommunalunternehmen sind die Stadtwerke aber hundertprozentiges Eigentum der Stadt.

Bisher war das Sportamt dafür zuständig?

Michael Müller: Ja. Die Verbindung zu den Sportvereinen wird auch weiterhin über das Sportamt laufen. Wie wir das dann im Detail organisieren, müssen wir aber noch sehen.

Nochmal zurück zum Thema Einnahmen: Steht schon fest, wie viel der Eintritt ins neue Bad kosten wird?

Michael Müller: Nein, deswegen sind die genannten Zahlen noch variabel. Wir kalkulieren natürlich mit einer bestimmten Größenordnung. Bis wir eine abschließende Entscheidung getroffen haben, kann ich mich dazu aber nicht konkret äußern.

Den reellen Preis kann man nicht verlangen?

Michael Müller: Eine reine Betriebsstunde, wenn man alle vier Becken zusammennimmt, kostet uns 380 Euro. Wir tarieren gerade aus, wie viel wir vom Einzelnen verlangen können. Bei einer Sauna oder einem Spaßbad werden deutlich höhere Eintritte bezahlt. Bei einem Schul- und Sportbad kann man die nicht verlangen. Der Bürger wäre nicht bereit, den kostendeckenden Preis zu zahlen. Und oft können sich Familien den auch gar nicht leisten. Daher werden uns beim Eintrittspreis vermutlich zwischen 4 und 6 Euro bewegen.

In diesem Zusammenhang: Können Sie bitte nochmal erklären, warum keine Sauna und kein Außenbecken gebaut wurden?

Michael Müller: Das Bad besteht im Grunde aus drei Abschnitten. Jetzt errichtet ist der Schul- und Sportbereich, wie ihn die Vereine, vor allem aber die Schulen benötigen. Davon zu unterscheiden ist ein Spaßbad, wie wir es vom Alpamare kennen. Ich vergleiche das mal mit Waschmaschine und Trockner. Die Waschmaschine für sich funktioniert gut, der Trockner auch. Wenn sie beide Geräte in einem zusammenfassen, müssen Sie Abstriche machen. So ist es hier auch. Die Saunakabine, die ursprünglich Teil der Pläne war, hätte zudem das ohnehin schon hohe Defizit weiter erhöht.

Also wurde sie gestrichen.

Michael Müller: Wir haben gesagt, wer eine Sauna möchte, muss am Ende kostendeckend dafür bezahlen, ohne dass es der Steuerzahler subventioniert. Um eine Sauna- oder Wellnesslandschaft wirtschaftlich betreiben zu können, muss sie eine bestimmte Größe haben. Der Bau einer größeren Anlage wäre angesichts der hohen Investitionskosten aber nicht möglich gewesen. Ähnlich verhält es sich bei einem Freibereich und Rutschen. Deswegen haben wir uns auf ein Schul- und Sportbad konzentriert. Jetzt schauen wir, wie es läuft, und könnten mittelfristig separate Bereiche andocken. Entweder sagt die Stadt, sie baut und betreibt das wirtschaftlich oder es findet sich ein privater Investor.

Jetzt erstmal sind wir mit rund 18 Millionen Euro Baukosten an der Leistungsfähigkeit.

Bürgermeister Michael Müller

Man könnte also beides nachträglich anbauen.

Michael Müller: Unbedingt. Wenn das Bad gut angenommen wird, kann man diese Dinge ergänzen. Aber jetzt erstmal sind wir mit rund 18 Millionen Euro Baukosten an der Leistungsfähigkeit.

Gibt es denn interessierte Investoren?

Michael Müller: Ja, gäbe es.

Sie haben gesagt, an laufenden Betriebskosten pro Jahr erwarten die Stadtwerke 1,6 Millionen Euro, auf der Haben-Seite stehen – so die Annahme – voraussichtlich 780 000 Euro. Es bleibt ein Defizit von 870 000 Euro. Wer kommt dafür auf?

Michael Müller: 230 000 Euro davon zahlen die am Bad beteiligten Kommunen. Diesen Betrag haben wir in einer Vereinbarung, die für zehn Jahre gilt, nach dem Königsteiner Schlüssel unter ihnen aufgeteilt. Berücksichtigt werden dabei Steuerkraft und Einwohnerzahl. Daher zahlt Wolfratshausen als die größte Nachbargemeinde mit etwa 100 000 Euro den höchsten Anteil. Icking beteiligt sich an den Investitionskosten, aber nicht an den laufenden Betriebskosten. Es ist schon eine große Leistung, alle unter einen Hut zu bekommen. Das ist ein seltenes Beispiel interkommunaler Zusammenarbeit. Uns ist bewusst, dass die größeren Städte eine Versorgungs- und Zentralitätsfunktion haben, aber dass sich Nachbarkommunen als Nutznießer beteiligen, ist eine tolle Sache.

Jetzt bleiben noch 640 000 Euro vom Defizit.

Michael Müller: Dieser Rest liegt bei der Stadt Geretsried. Diesen Betrag müssen wir unter den getroffenen Annahmen jedes Jahr in den Haushalt einstellen. Wenn wir wegen Corona ein halbes Jahr zusperren müssen, verändern sich diese Zahlen natürlich.

Alle Zahlen, die Sie genannt haben, sind Annahmen. Die Betriebskosten des alten Hallenbads kennen Sie. Wie gut lassen sich beide vergleichen?

Michael Müller: Die Betriebskosten des alten Hallenbads kennen wir natürlich, aber sie sind verzerrt. Das Gebäude ist abgenutzt, und Investitionen zum Substanzerhalt finden kaum noch statt. Die Einweihung war Anfang der 1970er Jahre, also vor der Ölkrise. Wasser und Wärme waren da noch kein Thema. Und Abschreibungen sind aufgrund der damals anderen Haushaltsführung nicht eingeflossen. Vergleiche sind also schwierig, auch mit Bädern anderer Städte. Aber es gibt natürlich Erfahrungswerte, die in die Kosten-Nutzen-Analyse eingeflossen sind. Was beim neuen Hallenbad am Ende herauskommt, wird sich erst im laufenden Betrieb herausstellen.

Sie haben Corona angesprochen – das alte Hallenbad ist pandemiebedingt zu, das neue noch nicht fertig. Wann meinen Sie, dass es in Betrieb gehen kann?

Michael Müller: Wir werden es ab Sommer betreiben können. Allerdings ist jeder Stichtag, den ich nenne, in Corona-Zeiten nicht zu halten. Bis Ende Mai werden wir wohl alle Arbeiten abgeschlossen haben. Im Juni könnten wir dann den Probebetrieb starten. Ich gehe mal, auch unter dem Corona-Aspekt, von einem Regelbetrieb ab dem Start ins Schuljahr 2021/22 aus. Das ist aber nur eine Prognose.

Wolfratshausen trägt den größten Anteil der beteiligten Kommunen am Defizit. Dort ist angedacht, wieder ein Lehrschwimmbecken in Betrieb zu nehmen. Haben Sie Sorge, dass in diesem Fall Ihre Rechnung nicht aufgeht?

Michael Müller: Den Wunsch nach einem Lehrschwimmbecken kann ich durchaus verstehen, aber die Kapazitäten im interkommunalen Hallenbad werden für alle Nutzer ausreichen. Vorausgesetzt die Nutzer belegen das Bad nur, wenn sie es auch wirklich nutzen. Dafür braucht es ein effizientes Belegungsmanagement. Zu Entscheidungen des Wolfratshauser Stadtrats werde ich mich aber natürlich nicht äußern.

Sie sprechen immer vom interkommunalen Hallenbad. Bekommt das Kind denn noch einen besonderen Namen?

Michael Müller: (lacht) Das ist noch eine Herausforderung. Bisher ist es nicht geplant. Vielleicht bildet sich unter den Nutzern ein Spitzname heraus. Oder man macht einen Wettbewerb, aber ich würde erstmal den Betrieb des Bades aufnehmen, damit die Leute erleben können, was sie an dem Bad haben.

Sie haben das Bad schon öfter gesehen. Wie gefällt es Ihnen?

Michael Müller: Mir gefällt es sehr gut. Ich bin begeistert und freue mich schon darauf, wenn es in Betrieb geht.

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