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Mitarbeiter der beiden Munitionsfabriken fahren im Jahr 1942 im Personenzug auf der Werksbahn. 

200 Jahre Verkehr im ehemaligen Wolfratshauser Forst

Warum ist das Straßennetz so verschlungen? Friedrich Schumacher kennt die Antwort

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Teils kerzengerade, teils verschlungen: Das Geretsrieder Straßennetz verläuft nicht ohne Grund so außergewöhnlich. Friedrich Schumacher vom Arbeitskreis Historisches Geretsried (AHG) beschäftigt sich seit dem Jahr 2015 mit dem Thema Verkehr.

Geretsried – Zwei Vorträge über die Werksbahn hat Schumacher bereits gehalten. Am Freitag folgt der bildgestützte Vortrag mit dem Titel „200 Jahre Verkehr im ehemaligen Wolfratshauser Forst“ – passend zum Doppeljubiläum 200 Jahre Verfassungsreform und 100 Jahre Freistaat. Gleichzeitig erscheint das Geretsrieder Heft 7.3 „Straßennetz und Werksbahn – wichtige Verkehrswege für DAG und DSC“.

Schumacher ist froh, dass sich letzteres nun im Druck befindet. Für den Inhalt hat er einige Jahre recherchiert. Er war in den Archiven des Bundes, des Freistaats sowie der Städte Geretsried und Wolfratshausen. Außerdem sprach er mit Zeitzeugen. Dabei habe er „intensiv gespürt, wie wichtig die Werksbahn für sie war“, sagt er. Das Geretsrieder Heft in der Serie über die Rüstungswerke erscheint in einer Auflage von 500 Stück und kostet wie gewohnt zehn Euro. „Ich bin froh, dass wir den Preis dank der Förderung des Bezirks Oberbayerns noch halten können“, erklärt Schumacher.

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Das Straßennetz und das Industriegleis lassen noch heute darauf schließen, wie der Verkehr zur Zeit der Dynamit AG (DAG) und der Deutschen Sprengchemie (DSC) durch Geretsried geleitet wurde. Schumachers Recherche setzt aber noch früher an – zur Zeit der Verfassungsreform 1818. Damals führten sogenannte Geräumte durch den Wolfratshauser Forst. Sie verliefen kerzengerade, so wie heute noch beispielsweise die Adalbert-Stifter-, Tattenkofener- und Böhmerwaldstraße. Von ihnen ausgehend schuf man Rollwege mit Betonoberfläche für den innerbetrieblichen Verkehr von DAG und DSC. „Das war ein sehr verzweigtes Netz von Bunker zu Bunker“, beschreibt Schumacher. Hintergrund des kurvigen Verkehrssystems war, dass man den Baumbestand tunlichst erhalten wollte und um den Bewuchs herumbaute. „Zur Tarnung“, erklärt der ehemalige Rektor der Karl-Lederer-Hauptschule.

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Später übernahm Geretsried die Rollwege – insgesamt 70 Kilometer – und baute sie zusammen mit den Anliegern nach und nach zu modernen Straßen aus. „Die Betonplatten findet man nur noch an wenigen Stellen“, sagt Schumacher. Sie wurden entfernt, die Versorgungsleitungen in den Untergrund verlegt, es kamen Gehwege und Straßenlaternen hinzu.

An die Werksbahn dürften sich noch einige Geretsrieder erinnern. Sie versorgte die Rüstungsfabriken mit Rohstoffen und transportierte die fertige Munition ab. Nach dem Krieg kamen mit ihr die Heimatvertriebenen auf der Böhmwiese an. Später nutzten die Schulpflichtigen den Zug, um nach Wolfratshausen zu kommen, als es in Geretsried selbst noch keine Schule gab. Der Personenverkehr ging aber immer mehr zurück, sodass der Betrieb 1952 eingestellt wurde. Vom Güterverkehr blieb schließlich nur noch das Industriegleis übrig, über das die Firmen Tyczka und Pulcra Chemicals beliefert werden.

Vortrag und Vorstellung

Friedrich Schumacher berichtet am Freitag, 11. Mai, um 18 Uhr in der Mensa des Gymnasiums Geretsried (rotes Gebäude direkt hinter der Bushaltestelle) über „200 Jahre Verkehr im ehemaligen Wolfratshauser Forst“. Dort stellt der Arbeitskreis Historisches Geretsried auch das vierte Heft (7.3) der Serie „Zwei Munitionsfabriken im Wolfratshauser Forst“ vor. Der Eintritt ist frei.

Lesen Sie auch: 

Vortrag über die Werksbahn, Teil 1

Vortrag über die Werksbahn, Teil 2

sw

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