Hot-Stone-Massage im Kosmetikstudio
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Die Auswirkungen der Corona-Pandemie treffen Kosmetiker hart (Symbolfoto).

Interview

Warum Geretsrieder Kosmetikerin Corona-Soforthilfe zurücküberwiesen hat

  • Doris Schmid
    vonDoris Schmid
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„Wie geht’s?“ fragen wir bei Menschen aus dem Landkreis nach, wie sie die ungewöhnlichen Corona-Zeiten erleben. Heute: Kosmetikerin Gabi Sternkopf.

Geretsried – Seit fast 26 Jahren betreibt Gabi Sternkopf ein Kosmetikstudio in Geretsried. Die Auswirkungen der Corona-Pandemie haben sie besonders hart getroffen. 2020 durfte die 53-Jährige wochenlang nicht arbeiten und darf es immer noch nicht. Der Staat überwies der Geretsriederin eine Soforthilfe. Doch diese zahlte Sternkopf wieder zurück. Den Grund dafür verriet sie Redakteurin Doris Schmid im Interview.

Frau Sternkopf, wie haben Sie den ersten Lockdown im März 2020 erlebt?

Gabi Sternkopf: Den habe ich noch sehr entspannt gesehen. Man hat mir zugesagt, dass ich als Solo-Selbstständige eine Soforthilfe in Höhe von 5000 Euro beziehen kann. Das Geld habe ich auch bekommen. Das war ein gutes Gefühl.

Wann haben Sie die Soforthilfe erhalten?

Gabi Sternkopf betreibt seit 26 Jahren ein Kosmetikstudio.

Gabi Sternkopf: Nach etwa sieben Wochen, da war der erste Lockdown schon vorbei, und ich durfte wieder arbeiten. Ich habe mich natürlich sehr darüber gefreut. Aber Ende November habe ich die 5000 Euro wieder zurücküberwiesen.

Aus welchem Grund?

Gabi Sternkopf: Mein Steuerberater hat mir dazu geraten. Ich habe im Mai und Juni sehr viel gearbeitet und das Minus wieder reingewirtschaftet.

Haben Sie zu viel gearbeitet?

Gabi Sternkopf: Ja, dass kann man so sagen. Oder ich habe nicht ausreichend hohe Ausgaben wie beispielsweise Kosten für einen geleasten Firmenwagen. Den brauche ich nicht, weil ich mit dem Fahrrad in die Arbeit fahre. Meiner Meinung nach hätte man als Bemessungsgrundlage nicht nur einen kurzen Zeitraum nehmen dürfen, sondern das ganze Jahr.

Sind Sie enttäuscht?

Gabi Sternkopf: Erst werden einem Versprechungen von der Politik gemacht, und dann kommt das dicke Ende. Man spart Geld und schaut, dass man auf einen grünen Zweig kommt, und dann wird man bestraft.

Hat Sie Ihr Steuerberater falsch beraten?

Gabi Sternkopf: Während des ersten Lockdowns war vieles noch unsicher. Da konnte man nicht vorausschauend sagen, ob man das Geld behalten darf.

Haben Sie das Geld denn noch gehabt?

Gabi Sternkopf: Anfang November kam der zweite Lockdown, da war ich froh um das Geld. Also nein, ich habe es nicht mehr gehabt. Ich habe davon laufende Kosten gedeckt und Ware für das Weihnachtsgeschäft gekauft. Dazu kam eine vierstellige außerplanmäßige Ausgabe für die Tiefgarage im Haus.

Wie schaut es jetzt im zweiten Lockdown aus?

Gabi Sternkopf: Ich habe Soforthilfe beantragt, und eine Teilsumme ist eingegangen.

Haben Sie Existenzängste?

Gabi Sternkopf: Ohne meinen Mann an meiner Seite sicher. Aber ich blicke schon mit gemischten Gefühlen in das neue Jahr. Die Kunden waren zurückhaltend vor Weihnachten, ich habe ein Drittel weniger Gutscheine als sonst verkauft. Das spüre ich. Aber ich bin dankbar, dass ich gesund bin. Ich erfreue mich an meinem Enkelkind. Und ich habe noch nie so ruhige Weihnachten gehabt wie 2020.

In der Reihe

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