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Die Profi-Entrümpler (v.li.) Patrick Weiske sowie Stefanie, Tobias und Josef Meindl. 

Josef Meindl hat einen besonderen Job

Was ein Profi-Entrümpler alles erlebt

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Wie löst man eine Wohnung auf, wenn ihr Bewohner verstorben ist? Was tun mit einer Messie-Wohnung? Josef Meindl weiß die Antwort. Der 32-Jährige ist professioneller Entrümpler - und weiß einiges zu erzählen.

Geretsried – „Fair, ehrlich, diskret und sauber“: Das sind die Richtlinien, die Josef Meindls Vater und Firmengründer von „Meindl Entsorgung und Bautenschutz“ als Firmenphilosophie an den Sohn weitergegeben hat. „Und daran halten wir uns“, betont der Hochbaufacharbeiter, der seit sieben Jahren als Entrümpler arbeitet. Die Richtlinien helfen ihm und seinen Mitarbeitern. Denn: Sie tauchen in ihrem Job tief in die Privatsphäre ihrer Kunden ein. Diese kommen aus allen Schichten: jung, alt, mal arm, mal reich.

Wenn Meindl und sein Team anrücken, geht es nicht immer um eine Wohnungsauflösung. Manche Hausbesitzer greifen auf die Hilfe der Fachfirma zurück, um Ordnung in den eigenen Keller zu bringen. „Wir gehen dann gemeinsam alles durch und entscheiden, was wegkann.“ Die „Neutralen, die Außenstehenden“ können oft leichter den Hausherren zur Trennung von Dingen bewegen. „Auf den Rat von Familienmitgliedern wird weniger gehört. Wie eben auch nicht auf den Propheten im eigenen Land“, sagt Meindl. Dass eine Entrümpelung eine Lebenshilfe sein kann, merken die Fachkräfte an den Reaktionen ihrer Kundschaft. „98 Prozent rufen nach getaner Arbeit an und bedanken sich.“

Mit diesem Job taucht man in die Privatsphäre von Menschen ein

Im Fall einer Wohnungsauflösung sichten die Angehörigen meist zuvor die Räume und nehmen persönliche Erinnerungen, wie Bilder oder Briefe an sich. Möbel, die noch zu gebrauchen sind, werden nach Absprache karitativen Organisationen übereignet. „Wenn sie gut und brauchbar sind, warum nicht? So wird anderen geholfen“, sagt Meindl. Doch wie bewertet man eine Uhr an der Wand oder einen vermeintlichen Biedermeiertisch richtig? Sind sich Meindl und seine Kollegen unsicher, „setzen wir uns mit einem Antiquitätenhändler in Verbindung und lassen den Gegenstand schätzen“. Hier sieht der Firmenboss auch den großen Unterschied zwischen guten und weniger guten Entrümplern: „Wenn eine Firma sagt, sie macht das selbst, frage ich mich immer, woher sie diesbezüglich ihre Fachausbildung hat.“

Nicht mehr Verwendbares landet im Container und wird fachgerecht entsorgt. „In Quarzbichl machen sie sich schon Gedanken, wenn wir mal einen Tag lang nicht kommen“, sagt Meindl. Findet er auch mal einen Schatz? Der 32-Jährige lacht: „So etwas Ähnliches ist uns in München passiert. Beim Entsorgen eines Schranks ist uns ein roter Umschlag entgegengefallen.“ Der Inhalt: 15 000 Euro. Selbstredend, dass Meindl das Geld den Verwandten zurückgab.

Waffen, Drogen, Kinderpornos: Josef Meindl hat schon viel gefunden

Es ist aber nicht nur erfreulich, was sich in alten Dosen und doppelten Böden verbirgt. „Einmal haben wir eine Zeitschriftensammlung mit Kinderpornos entdeckt. Was ich da sehen musste, verfolgt mich bis heute.“ Meindl meldete den Fund der Polizei. Zu ihr führt ihn auch sein Weg, wenn er auf Waffen, Munition oder mutmaßlichen Drogen stößt. Zu den Arbeitsfeldern der Geretsrieder Firma gehört auch das Entrümpeln von sogenannten Messie-Wohnungen. Anfangs ist Meindl „schon mal blass geworden“ und dachte sich: „Bloß schnell wieder hier raus.“ Heute steht die Aufgabe im Vordergrund – und das Verständnis. „Diese Menschen tragen den krankhaften Zwang in sich, alles aufheben zu müssen. Für sie selbst ist dieses Verhalten normal.“

Nicht alle Messies sind gleich. Meindl verweist auf die Kriegs- und frühe Nachkriegsgeneration. „Einige Menschen verhalten sich aus Angst vor erneuter Armut so. Nichts wird weggeworfen – vielleicht könnte man es ja noch mal brauchen.“ Aber egal, welches Schicksal sich hinter dem Horten von Dingen verbirgt – für Meindl steht fest: „Man darf diese Menschen nicht verurteilen oder auf sie herabsehen.“ Einen besonders krassen Fall erlebte der 32-Jährige in einer Wohnung im Landkreis. „Die Besitzerin hat uns wortlos den Schlüssel in die Hand gedrückt – beim Öffnen wussten wir warum“: Abfälle, Essensreste, kaputte Gegenstände und teilweise Exkremente stapelten sich kniehoch. „Hier war nur noch ein Arbeiten in Schutzkleidung möglich.“

Nur in wenigen Situationen hätte sich Meindl gewünscht, einen anderen Beruf gewählt zu haben. Nämlich dann, wenn eine gerichtlich angeordnete Zwangsräumung ansteht und die Bewohner anwesend sind. „Da spielen sich oft dramatische Szenen ab.“ Natürlich werden die Wohnungsgegenstände in so einem Fall nicht entsorgt, sondern zwischengelagert.

Meindls neunjähriger Sohn Tobias möchte später in die Firma einsteigen. Schon heute begleitet er den Vater ab und an. Nur mit dem Aufräumen des eigenen Kinderzimmers hapert es ein wenig: „Dazu muss mich die Mama immer a bisserl zwingen“, räumt Tobias ein.

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