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Schlagfertigkeit kann man trainieren. Gerade in der Flüchtlingsarbeit ist sie manchmal nötig. Wie man gekonnt kontert, erklärte kürzlich Silke Weigang bei einem Workshop.

Flüchtlingsarbeit und ihre Begleiterscheinungen

Was tun gegen Killerphrasen?

Was erwidern, wenn über Flüchtlinge hergezogen wird? Wie kontert man Stammtischparolen? Ein Workshop des Kreisbildungswerk hat in diesem Punkt ganz praktische Hilfestellung geleistet. 

Geretsried „Die nehmen uns alles weg.“ „Die haben die teuersten Handys.“ „Wir werden islamisiert.“ Wohl jeder kennt solche Phrasen, die – meist am Stammtisch, aber auch am Arbeitsplatz, im Freundeskreis, in der eigenen Familie – über kurz oder lang geäußert werden, wenn das Thema auf Flüchtlinge kommt.

Gerne möchte man jetzt einen flotten Spruch anbringen oder mit einem schlagenden Argument erwidern. Aber die passenden Worte fallen einem oft erst viel später ein. Wie man lernen kann, in so einer Situation schlagfertiger zu reagieren, stand im Mittelpunkt des Workshops „Stammtischparolen gekonnt kontern“, den das Kreisbildungswerk kürzlich in Geretsried angeboten hat.

„Der Ton wird sicher schärfer im Wahlkampf“, begründet Ursula Menke vom Kreisbildungswerk das neue Angebot, das Ehrenamtlichen in der Flüchtlingsarbeit helfen soll, mit fremdenfeindlichen Parolen umzugehen. Dass die Wahl als Veranstaltungsort auf Geretsried gefallen war, lag daran, dass hier bei der Erstellung des Programms gerade heftig über die Asylbewerberunterkunft am Schulzentrum diskutiert wurde – was „einige Unruhe“ vermuten ließ. Bekanntlich kam es anders, was ein Grund dafür sein mag, dass sich nur ein sehr kleiner Kreis von Interessentinnen zu dem Workshop im Pfarrheim Maria Hilf eingefunden hatte.

„Ich würde gerne etwas gelassener reagieren, etwas entgegensetzen, statt betreten zu Boden zu schauen“, sagte eine Asylhelferin aus Lenggries. „Wie geht man damit um, wenn man dumm angemacht wird, weil man als Asylhelfer arbeitet?“, möchte eine andere Teilnehmerin aus Geretsried lernen, die sich gelegentlich anhören muss: Das ist doch Beschäftigungstherapie für Rentner.

Im Wahlkampf droht eine verstärkte Aggression, das sollte man wissen

„Stammtischparolen sind vielschichtig. Sie spiegeln Ängste, auch Wut und das Gefühl, benachteiligt zu sein. Und manchmal sind sie auch einfach dumpfbackiges Geschwätz“, sagt die Referentin Silke Weigang. Ebenso vielseitig seien die Möglichkeiten, solchen Angriffen zu begegnen. Sie reichen von der „sachlichen Richtigstellung“ bis zum „spielerischen Umgang“ mit den verbalen Attacken, weiß die Trainerin und Moderatorin.

Das „Techniken-Trainingsset“, das sie mit den Teilnehmerinnen während des gut dreistündigen Kurses erarbeitete, bietet beispielsweise an, die Schwätzer „mit stummen Gesten ins Leere laufen zu lassen“ oder mit einem „totalen Themenwechsel ins Belanglose“ das Thema umzuleiten. Ebenso könne Konfrontation ein geeignetes Mittel sein: „klare Grenzen ziehen, Entschuldigung fordern.“

„Schlagfertigkeit fängt da an, wo ich eine Beziehungsebene eingehe, den anderen ernst nehme“, rät die Referentin. Das Gegenüber „emotional abzuholen, die Situation zu entschärfen“ mit dem Ziel, „aus der eigenen Sprachlosigkeit herauszukommen“ – die eigene Souveränität zu behalten, auszubauen oder wiederherzustellen.

Sie sei schlagfertig, aber sie stehe oft als Aggressor da, hat eine Teilnehmerin festgestellt. Ein Beispiel, dass belegt, dass man mit Schlagfertigkeit am Ziel vorbeischießen könne, wenn man emotional geladenen Situationen mit knallharten Fakten begegne, so die Trainerin. Sie empfiehlt: „Lasst bei aller Ernsthaftigkeit den Humor nicht zu kurz kommen. Humor hilft, aus dem Patt zu kommen.“ Denn wie schon Joachim Ringelnatz sagte: „Humor ist der Knopf, der verhindert, dass uns der Kragen platzt.“

Die Kontaktdaten des Kreisbildungswerks

Asylhelferkreise, die sich für den Workshop interessieren, können sich mit dem Katholischen Kreisbildungswerk in Verbindung setzen, entweder unter der Telefonnummer 0 80 41/60 90 oder im Internet unter www.kbw-toelz.de. Rudi Stallein

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