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Seit gut einer Woche geschlossen: Kein Produkt des Fleisch- und Wurstwarenherstellers Sieber darf das Firmengelände in Geretsried verlassen.

Produktionsstopp bei der Firma Sieber

Was tun mit 200 Tonnen Fleisch ?

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Geretsried - Es ist eine gewaltige Hängepartie: Auf dem Gelände der Firma Sieber lagern derzeit Massen von Fleisch. Und niemand weiß genau, was damit geschehen soll. Die Rede ist von knapp 200 Tonnen im Wert von 1,6 Millionen Euro.

Vor einer Woche hielten die Maschinen der Firma Sieber mit einem Schlag an. Sie mussten anhalten, um genau zu sein. Das Landratsamt hatte wegen des Verdachts der Verunreinigung durch Listerien einen sofortigen Produktionsstopp verhängt. Und eine totale Rückrufaktion für die 200 Produkte des Unternehmens obendrein. Keine Wurst, kein Schinken, ja auch keines der vegetarischen Sieber-Erzeugnisse durften das Areal an der Böhmerwaldstraße mehr verlassen. Nichts ging mehr.

Bei Sieber herrscht Ratlosigkeit

Seitdem lagert das Fleisch im Ortsteil Gartenberg, und bei Sieber herrscht große Ratlosigkeit, was damit passieren soll. Da ist zum einen die tiefgefrorene Rohware. Da sind zum anderen die halbfertigen Produkte, die an jenem Freitag gerade in Arbeit waren. Und da sind die fertig verpackten Sieber-Erzeugnisse, die schon bereitstanden, in die Filialen sämtlicher Handelsketten in ganz Deutschland transportiert zu werden. Bis das Landratsamt das Verbot aussprach, erst mündlich, dann schriftlich.

Das Fleisch gammelt nicht vor sich hin

Um die Hygiene muss sich indes niemand Sorgen machen. Das Fleisch schimmelt oder verrottet keineswegs. „Wir wären ja bescheuert, wenn wir unsere eigene Ware kaputtgehen lassen würden“, sagt Pressesprecher Erich Jeske. Die 200 Tonnen lagern in verschiedenen Räumen, die allesamt so klimatisiert sind, dass nichts passieren kann. „Das Fleisch ist in einem vernünftigen Zustand und bleibt in einem vernünftigen Zustand, bis wir wissen, was wir damit machen.“

Über den Sieber-Eilantrag wurde noch nicht entschieden

Das Landratsamt hat bisher keinen Bescheid erlassen, wie mit der Rohware zu verfahren ist. „Es gibt zwar einen allgemein gehaltenen Rat, wenigstens die verpackte Ware entsorgen zu lassen, aber das ist in der momentanen Lage zu wenig.“ Die momentane Lage: Damit meint Jeske die Tatsache, dass die Sache längst das Verwaltungsgericht beschäftigt. Eigentlich stand ja die Möglichkeit im Raum, dass das Gericht noch in dieser Woche über den Eilantrag der Firma Sieber gegen den Produktionsstopp entscheidet. Doch dazu ist es nicht gekommen. Der Anwalt der Firma Sieber muss erst die Unterlagen fertig machen. „Und die Sache ist ziemlich diffizil, die Begründung muss sehr fundiert sein“, so Jeske.

Auf der Hotline ruft kaum noch jemand an

Vor Ort scheint sich die Lage ein wenig zu beruhigen. Die Leute, die beim Werksverkauf ihre Wurst zurückgaben, wurden im Laufe der Woche immer weniger. Am Mittwochnachmittag waren es 40, am Donnerstag noch etwa zehn, und gestern fast niemand mehr. Auch die Hotline wird immer weniger bemüht. Gingen am Dienstag noch 1000 Anrufe von besorgten Verbrauchern ein, war es gestern kein einziger mehr. Und die Belegschaft, bestehend aus 120 Mitarbeitern, kann im Moment ein wenig durchatmen. Das Gehalt für den Monat Mai ist überwiesen worden.

Der Bürgermeister bedauert die Krise der Firma

Der Geretsrieder Bürgermeister Michael Müller bedauert die Krise, in die Firma Sieber geraten ist. „Ich wünsche dem Unternehmen alles Gute“, sagt er auf Anfrage. Er habe nie einen schlechten Eindruck von der Firma gehabt und seine Hilfe angeboten. Allerdings betont er, dass seine Handlungsmöglichkeiten beschränkt sind. „Gesundheitsschutz ist Staatsaufgabe.“ Daher sei die Stadt in das formale Verfahren nicht eingebunden.

Zurückgerufenes Fleisch ist laut Gesetz zu verbrennen

Was die zurückgerufene Ware angeht, ist die Sache einfach: Sie muss entsorgt werden. „Das Material wird grundsätzlich als K 2-Material eingestuft und muss gemäß den Vorschriften beseitigt werden“, erklärt Aleksander Szumilas, Pressesprecher des Bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit. In der Praxis werde dies in speziell zugelassenen Verbrennungsanlagen erledigt. Lediglich negativ auf Listerien getestete Chargen könnten von den Behörden als K 3-Material eingestuft werden. Das Fleisch ist dann nach den Buchstaben des Gesetzes zwar nicht für den Verzehr geeignet. „Es kann zur Herstellung von Heimtierfutter verwendet werden, wenn nachgewiesen ist, dass davon keine Gefahr für die Gesundheit von Mensch und Tier ausgeht“, so Szumilas.

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