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Freude übers Abitur: Solches Fotos wird es heuer nicht geben. Wegen der Corona-Pandemie können Abschlussfeiern nicht stattfinden.

„Das Ganze ist schon sehr traurig“

Wegen Corona: Alle Abifeiern fallen aus

Traurig, aber wahr: Wegen Corona müssen alle Abschlussfeiern abgesagt werden. Auch an Abistreich und Abschlussfahrt ist nicht zu denken. 

Bad Tölz-Wolfratshausen – Normalerweise würde man nach der ganzen Paukerei mit seinen Freundinnen und Freunden ab an den Strand in eines der speziell auf Abiturienten eingerichteten Party-Hotels in Spanien, Kroatien, Griechenland oder Italien düsen. Das Abendkleid für den Abi-Ball hinge gebügelt im Schrank, der Abi-Streich wäre ausgeheckt. Beim Gedanken an die Abschlussfeier mit ihren vielen Reden von Lehrern und Politikern würde mancher zwar leicht genervt die Augen verdrehen, sich aber irgendwie doch auf die Zeremonie mit feierlicher Zeugnisübergabe freuen. Normalerweise.

Für den Jahrgang 2020 fallen aufgrund von Corona all diese Rituale zum Ende der Schullaufbahn flach. „Wir konnten nicht einmal ein Erinnerungsfoto vom gesamten Jahrgang machen wegen der Abstandsregeln“, bedauert Veronika Fischer. Die Wolfratshauserin ist eine von rund 70 Absolventen, die heuer am Geretsrieder Gymnasium ihr Abitur ablegen. Die geplante Abschlussfahrt auf eigene Kosten fällt ebenso ins Wasser wie der Abi-Streich an einem der letzten Schultage im Juli.

Viele Mädchen haben ihr Kleid schon gekauft 

Für den Abi-Ball, der immer in der Loisachhalle stattfindet, war laut Veronika Fischer bereits alles gebucht – Buffet, Getränke, Musik. Als offiziell bekannt wurde, dass Großveranstaltungen in Bayern bis mindestens Ende August tabu sind, blieb dem Organisationsteam nichts anderes übrig, als den Ball zu canceln. „Ich hatte sogar mein Kleid samt passenden Schuhen und Tasche schon gekauft“, erzählt die Wolfratshauserin. Die Feier in irgendeiner Form nachzuholen werde wohl schwierig, meint Fischer. Für die meisten Mitschüler beginne im Herbst das Studium, oft in Städten weit weg, manche würden eine Ausbildung anfangen oder seien im Ausland. „Es ist, wie es ist“, sagt die junge Frau. Sie sei froh, dass es überhaupt geklappt habe, in diesem Ausnahmejahr Abitur zu machen. „Die Schule hat das organisatorisch super hingekriegt“, spricht sie dem Gymnasium ein Lob aus.

Ein Treffen in Reutberg im Herbst als Alternative?

Ganz sang- und klanglos auseinandergehen möchten die 104 Abiturienten am Tölzer Gabriel-von-Seidel-Gymnasium nicht. „Wir haben mal ein Treffen im Klosterbräustüberl in Reutberg im Herbst ins Auge gefasst“, berichtet Sophie Bicanic. Das sei zwar nicht wirklich ein Ersatz für den Abi-Ball, aber dort könne man wenigstens von dem über zwei Jahre gesammelten Geld zusammen etwas essen und trinken. „Dass der Ball ausfällt, finde ich persönlich sehr schade“, sagt Bicanic. Nach der letzten Prüfung wolle sie mit ihren engsten Freundinnen und Freunden ein bisschen feiern. „Vieles kann man nachholen. So tragisch ist das alles nicht“, meint sie zuversichtlich.

Nicht nur an seine rund 90 Mit-Abiturienten, sondern auch an die Lehrer denkt Noah Rosendahl, Oberstufensprecher am Ickinger Rainer-Maria-Rilke-Gymnasium. „Wir wollen uns auf alle Fälle in irgendeiner Form bei ihnen bedanken. Vor allem unsere Q12-Koordinatorin Sabine Uttenweiler hat uns bei den Vorbereitungen aufs Abi super geholfen. Wir wissen, dass unsere Lehrer auf Hochtouren gearbeitet haben, um das Abi trotz Corona möglich zu machen.“ Noah Rosendahl hofft, dass die Schule, wie von Rektorin Astrid Barbeau geplant, die Zeugnisvergabe persönlich und nicht per Post vornehmen wird. „Das erste Mal in unserem Leben erhalten wir so ein wichtiges Abschlusszeugnis. Das sollte nicht einfach im Briefkasten liegen“, findet der 17-jährige Ickinger.

Der Abschlussball der Ickinger hätte im „Backstage“ in München steigen sollen. Das dafür vorgesehene Geld wollen die Abiturienten eventuell bei einem nachträglichen Fest in ein, zwei Jahren ausgeben. Diese Idee des Organisationsteams sei bei den meisten Mitschülern gut angekommen, sagt Rosendahl, auch wenn womöglich nicht alle Zeit haben würden zu kommen. „Das Ganze ist schon sehr traurig“, meint der Stufensprecher. „Zwölf Jahre lang habe ich mich extrem auf diese Zeit gefreut. Aber man kann’s nicht ändern.“

Werden die Kosten für die Abschlussfahrt überhaupt erstattet?

Helena Gröbmair, Absolventin am Erzbischöflichen St. Ursula Gymnasium auf Schloss Hohenburg in Lenggries, berichtet, die Schulleitung hoffe, eine Abi-Feier im kleinen Kreis veranstalten zu können. „Wir sind ja nur 44 Abiturientinnen. Vielleicht kann man einen Grillabend im Pausenhof, nur mit den Eltern und Lehrern, an getrennten Tischen so wie im Biergarten, organisieren“, sagt die Dietramszellerin. Mit dem Ball, für den Location und DJ bereits ausgesucht waren, werde es aber nichts. „Ich hab’ zum Glück mit dem Kauf eines Kleids noch abgewartet“, sagt Helena Gröbmair.

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Lucas Mühlhans, Sprecher seines Jahrgangs an der Tölzer Berufsoberschule (BOS) ärgert sich aktuell darüber, dass er und seine Mitschüler wohl auf den Kosten für die privat organisierte Abschlussfahrt sitzen bleiben werden. Eine Anfrage bei Bahn und Flixbus habe dies zumindest ergeben, wobei ein Gutschein in Aussicht gestellt worden sei. Wir sind aber dran, dass wir unsere bereits geleisteten Zahlungen zurückbekommen“, sagt Mühlhans.

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Ihn persönlich stimmten die fehlenden Abschlusszeremonien nicht ganz so traurig, da die BOS für ihn wie für die meisten seiner Mitschüler mit abgeschlossener Ausbildung ja nur ein Mittel zum Zweck gewesen sei, um danach studieren zu können. „Aber im Allgemeinen ist es natürlich schon schade. Viele hätten sich den Abi-Ball und die Zeugnisverleihung sehr gewünscht. Gerade den Absolventen der Fachoberschule (FOS) hätte ein Schulabschluss in würdigem Rahmen etwas bedeutet.“ Tanja Lühr

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