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Stadtverwaltung im Dialog: Erstmals konnten die Bürger direkt das Gespräch mit den Abteilungsleitern suchen. Nur wenige nutzten die Chance.

Neues Konzept, spärlicher Zuspruch

Wenig los bei Bürgerversammlung: Sind die Geretsrieder so zufrieden? 

Mit einem neuen Konzept hat die Stadt versucht, die jährliche Bürgerversammlung zu beleben. Doch es waren mehr Rathaus-Mitarbeiter und Stadträte anwesend als Besucher. „Die Leute sind offenbar zufrieden“, lautete Bürgermeister Michael Müllers Fazit.

Geretsried – Nur etwa 20 Geretsrieder waren am Donnerstagabend in die Aula der Karl-Lederer-Grundschule gekommen, um sich über die aktuelle Stadtpolitik zu informieren und um ihre Anliegen vorzubringen. Müllers Rechenschaftsbericht fiel – im Gegensatz zu früheren Bürgerversammlungen – kurz aus. So blieb mehr Zeit für Fragen, Beschwerden und Anregungen.

Angebot wurde so gut wie nicht angenommen

Mit diesen konnten sich die Besucher erstmals auch direkt an die Abteilungsleiter der Stadtverwaltung wenden. Andreas Porer, neu zuständig für das Amt Bürgerservice, Bauamtsleiter Jochen Sternkopf, Wirtschaftsförderin Annette Hilpert, Bauhofleiter Helmut Hodolitsch, sogar Stadtplaner Klaus Kehrbaum sowie weitere Ansprechpartner standen an Info-Tischen Rede und Antwort. Das Angebot wurde jedoch so gut wie nicht angenommen.

Immerhin hatten sich zuvor einige Bürger schriftlich und mündlich zu Wort gemeldet. Sara Mutter aus Geretsried-Mitte beklagte unter anderem, dass der Schulweg für die Kinder aus Stein und dem Komponistenviertel gefährlich sei. Die Radfahrer würden wegen der Baustellen auf die Gehwege ausweichen, viele Straßen seien schwierig zu queren. Sara Mutter wünscht sich Zebrastreifen, vor allem über die südliche Richard Wagner Straße.

Zu wenig Abfalleimer im Stadtgebiet? 

Uwe Schulz meinte, es gebe zu wenige Abfalleimer im Stadtgebiet – eine Behauptung, der Bauhofleiter Hodolitsch deutlich widersprach: „Wir haben mehr Behälter als je zuvor. Sie werden teilweise täglich geleert.“

Dr. Wolfgang Pintgen bedauerte, dass das Stadtarchiv vernachlässigt werde. Wertvolle Archivalien würden im Keller gelagert, für ihre Pflege gebe es nur eine Halbtagskraft. Der Bürgermeister erklärte, es sei beabsichtigt, dem Stadtrat die Schaffung einer Vollzeitstelle vorzuschlagen. Auch räumlich arbeite man an einer Lösung. „Mittelfristig wollen wir die Bücherei, die Volkshochschule und auch das Archiv ins Zentrum holen“, kündigte Müller an.

„Die Leute sind offenbar zufrieden“: So kommentierte Bürgermeister Michael Müller (li.) die leeren Stühle in der Aula der Karl-Lederer-Grundschule.

Die schriftlichen Anfragen betrafen die Verkehrssituation an der Jahnstraße auf Höhe des TuS-Geländes, wo „wild“ geparkt werde. Müller appellierte an alle, die öffentlichen Parkplätze in direkter Nähe zu benutzen. Angeregt wurde zudem, auf dem ehemaligen Lorenz-Areal lieber ein Kino, eine Bowling-Bahn und das Hallenbad zu bauen als eine Wohnsiedlung. Der Rathauschef entgegnete, der Standort für das Hallenbad am Schulzentrum sei ideal. Ein Kino könne er sich eher im Stadtzentrum vorstellen, damit die Innenstadt auch nach Geschäftsschluss belebt werde.

Zentrumsneugestaltung: „Herr Bürgermeister, ich bin enttäuscht von Ihnen“

Georg Przbylla beschwerte sich über die Zentrumsneugestaltung: „Herr Bürgermeister, ich bin enttäuscht von Ihnen“, begann er seine Ausführungen. Es werde „alles zugepflastert“, für Veranstaltungen bleibe kein Platz mehr. Dem widersprach Müller. Durch Hinzunahme angrenzender Flächen gewinne man genügend Platz für Feste. Der jetzige Parkplatz werde Aufenthaltsqualität erreichen.

Landrat Josef Niedermaier sprang dem Rathauschef zur Seite: „Ich sage zu dem Prozess der Neugestaltung nur; Wow.“ Geretsried sei eine besondere Stadt. Sie nutze jetzt den Karl-Lederer-Platz, um sich eine Identität zu geben. Diese Chance hätten nicht viele Städte, so Niedermaier. Er sei überzeugt, wenn das Ergebnis erst einmal stehe, werde es auch die Kritiker überzeugen.

Tanja Lühr

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