Auto fährt in Menschenmenge in Helsinki: Ein Toter

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Kamera im Anschlag: Eines der wenigen Bilder, auf dem Martin Siepmann mal selbst im Mittelpunkt steht.

Ein Portrait über Martin Siepmann aus Geretsried

Natur- und Reisefotograf aus Leidenschaft

Geretsried - Er hat sein Hobby zum Beruf gemacht: Martin Siepmann, Natur- und Reisefotograf aus Leidenschaft

Wenn die Urlauber den Sonnenuntergang bei einem Cocktail genießen oder schon beim Abendessen sitzen, ist Martin Siepmann mit seiner Kamera auf Motivsuche. Wie alle Profifotografen nutzt der Geretsrieder die so genannte blaue Stunde kurz vor Einbruch der Dunkelheit, um Bauwerke, Plätze und Landschaften vor intensiv blauem Hintergrund abzulichten. Diesen und viele weitere Tricks verriet der 53-Jährige kürzlich bei einem Vortrag auf Einladung des Fotoclubs Geretsried.

Siepmann hängte vor 25 Jahren seinen gut bezahlten Job als Diplomingenieur für Technischen Umweltschutz an den Nagel, um sein Hobby zum Beruf zu machen. Seitdem fotografiert er für mehrere Buchverlage, Magazine und Online-Agenturen. Er hat bereits 76 Reisebücher und mehrere Kalender veröffentlicht.

80 000 Dias und 70 000 Digitalbilder

Am liebsten sei er in der Natur unterwegs, aber auch Städte, Architektur, Menschen und Tiere würden ihn interessieren, sagt Siepmann. Die Isar vor der Haustür mit ihrer Flora und Fauna inspiriert ihn zu jeder Tages- und Jahreszeit. Etliche Regionen Bayerns, Österreich, Frankreich, die kanarischen Inseln, die Türkei, Mexiko und Venezuela hat er bereist. 80 000 Dias und 70 000 Digitalbilder umfasst sein stetig wachsendes Archiv. Teilweise hat Ehefrau Brigitta die Texte für die Reisebücher geschrieben.

Beim Fotoclub stellte das frühere Mitglied seine jüngsten Aufnahmen von einer dreimonatigen Türkeireise vor. Sofort bekam man Lust, die Koffer zu packen und in den Flieger zu steigen. In der berühmten blauen Stunde drückte Siepmann in Istanbul vor der Blauen Moschee auf den Auslöser. Er fing das unglaublich farbenfrohe Gewusel auf dem Großen Basar und dem Ägyptischen Basar ein. Vom Taksim-Platz gelang ihm mit dem Fisheye ein großes Panoramabild. Oft benutzt der Profi die so genannte HDR-Technik. Hierbei wird eine Belichtungsreihe mit Über-und Unterbelichtungen erstellt. Durch das Übereinanderlegen dieser unterschiedlichen Belichtungen werden Helligkeitsunterschiede ausgeglichen. So entstehen Fotos, als wären sie durch das menschliche Auge gemacht. Nur wenn sich Personen auf dem Bild bewegen, erscheinen sie unscharf, was aber durchaus seinen Reiz hat.

Von Istanbul aus fuhr der Fotojournalist weiter an der Küste entlang zu den Badeorten Bodrum, Antalya und Adana. Um Bilder ohne Menschenmassen zu erhalten, stand er vor Sonnenaufgang auf. Sobald die anderen ihre Handtücher an den Traumstränden ausbreiteten, zog er schon wieder weiter. „So eine Fotoreise kann man nicht mit einem Urlaub vergleichen. Man sieht zwar viel, kann sich aber nirgends länger in Ruhe aufhalten“, sagt der Geretsrieder.

Motivsuche im Grenzgebiet zu Syrien

Selbst in die Grenzgebiete zu Syrien traute er sich vergangenes Jahr noch. Die Einheimischen würden klagen, dass die Touristen ausblieben, erzählt Siepmann, der ein wenig Türkisch spricht und sich mit den Landesbewohnern unterhalten hat. In Van mit dem riesigen Vansee hat er sich auf die Lauer gelegt, um einige der berühmten Katzen der Region mit der Kamera einzufangen. Die Van-Katzen haben alle ein grünes und ein blaues Auge. Durchs Landesinnere und über die Hauptstadt Ankara ging es an der Schwarzmeerküste zurück zum Ausgangspunkt. Nicht überall durfte Siepmann fotografieren, schon gar nicht mit Stativ. Er riskierte es trotzdem. In Südamerika sei er deswegen schon einmal in eine äußerst brenzlige Situation geraten, berichtet er.

Im Frühjahr wird der 53-Jährige wieder in Oberbayern auf Motivjagd gehen. Die Buchverlage würden Vorgaben machen, was unbedingt an Landschaften, Sehenswürdigkeiten und Festen geliefert werden müsse, sagt Siepmann. Darüber hinaus besitze er aber genügend Freiheiten, um außergewöhnliche Bilder oder Bilder aus außergewöhnlichen Blickwinkeln anzubieten. Optimale Voraussetzung sei natürlich blauer Himmel.

Offen auf die Menschen zugehen

Zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, ein Gespür zu haben für das Besondere und offen auf Menschen zuzugehen, wenn man sie fotografieren wolle – das sei eigentlich das Wichtigste an seinem Beruf, sagt der 53-Jährige. An Ausrüstung genügten eine gute Kamera – er besitzt eine leichte Fuji und eine Vollformat-Canon – sowie ein gutes Objektiv. Sehr hohe Pixel-Werte für die Auflösung spielen dagegen für Siepmann keine entscheidende Rolle. Zwölf Megapixel reichen seiner Erfahrung nach aus. Beeindruckt waren die Mitglieder des Fotoclubs von einer Makroaufnahme, die das Gesicht einer Gottesanbeterin zeigt – hier konnte die Canon ihre Vorteile aufgrund des Vollformats voll ausspielen.

Bereut hat der Ingenieur seinen Berufswechsel noch nie: Man komme in Ecken der Welt – selbst in der Heimat –, die man als Tourist nicht unbedingt bereisen würde.

Tanja Lühr

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