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Willkommen: (v. li.) Lisa Stenuf, Ingrid Brenner, Dr. Mirjam Haus und Conny Fedke unterstützen Landkreisbürger in den neuen Räumen der Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstelle in Geretsried.  

„Da ist der Druck hoch“

Wenn es in der Ehe kriselt: Diese vier Frauen wissen Rat

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Verheiratet sein wird immer schwieriger. Neben Alltag, Beruf und Kindern ist häufig einfach keine Zeit mehr für die Beziehung. Die Ehe-, Familien- und Lebensberatung hilft in solchen Fällen - seit Kurzem in Geretsried.

Geretsried – Das Paar kann nicht mehr miteinander reden. Egal, worum es geht, das Gespräch eskaliert sofort. Der Alltag, die Familie und der Beruf nehmen so viel Raum im Leben ein, dass die Beziehung in den Hintergrund getreten ist. In einer solchen oder ähnlichen Situation fragen viele Paare Conny Fedke, Ingrid Brenner, Lisa Stenuf und Dr. Mirjam Haus um Rat.

Das Team bietet Landkreisbürgern Ehe-, Familien- und Lebensberatungen an. 29 Jahre lang war die Beratungsstelle der Erzdiözese München und Freising in zweieinhalb Zimmern am Moosbauerweg in Wolfratshausen angesiedelt. Vor Kurzem ist sie in größere Räume nach Geretsried gezogen. Die Atmosphäre in den vier hellen Zimmern im Dachgeschoss an der Egerlandstraße 76 trage dazu bei, dass sich die Klienten wohlfühlen und Änderungsprozesse motiviert angehen können, sagt Stellenleiterin Conny Fedke beim Pressegespräch.

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„Wir sind sehr froh, das hier gefunden zu haben.“ Der Umzug ist Teil einer Umstrukturierung und personellen Erweiterung der Fachstelle in den vergangenen Jahren. Bis 2014 gab es eine Teilzeitstelle und Freiberufler in Wolfratshausen. Inzwischen sind die vier Frauen mit 13 bis 29 Wochenstunden festangestellt. Nun ist die Beratungsstelle jeden Tag besetzt, Termine können von 8 bis 17.30 Uhr vereinbart werden.

Die Zahl der Klienten steigt. Vergangenes Jahr betreute die Beratungsstelle 181 Fälle, womit 1751,75 Beratungsstunden zusammenkamen – 438,25 Stunden mehr als im Vorjahr. Die besprochenen Themen sind unterschiedlich. Etwa bei der Hälfte der Fälle geht es laut Fedke um Partnerschaft und Sexualität. Ungefähr je ein Viertel machen Fragen des familiären Zusammenlebens und die Beratung bei Trennung oder Scheidung aus. Dementsprechend ist auch unterschiedlich, ob Klienten alleine kommen, mit dem Partner oder mit den Kindern.

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So wie sich die Gesellschaft verändert hat, hat sich auch die Beratung von Conny Fedke, Ingrid Brenner, Lisa Stenuf und Mirjam Haus gewandelt. „Früher haben überwiegend Frauen den Anstoß zur Beratung gegeben, inzwischen zeigen sich dabei aber auch Männer aktiv“, sagt Fedke. Sich Hilfe zu holen, wird immer selbstverständlicher. Zudem sei das Stresslevel der Frau gestiegen, die inzwischen berufstätig sein müsse, ergänzt Stenuf. „Viele sind einfach ausgebrannt, das wirkt sich natürlich auf die Ehe aus“, bestätigt Fedke. Auch der Anspruch an die Ehe sei heute anders – es gehe nicht um die materielle Absicherung, sondern das Beziehungsleben. „Da ist der Druck hoch“, sagt Stenuf.

Trennungsprozesse seien mittlerweile teilweise so hochstrittig, dass die Psychologen, Therapeuten und Pädagogen manchmal an ihre Grenzen kommen und sie den Paaren zur gerichtlichen Einigung raten. „Da geht es um Umgangsregelungen, Kinder, Geld – die Themen überdecken aber natürlich die emotionalen Kränkungen“, erklärt Haus. Umso wichtiger sei es, sich frühzeitig Hilfe zu suchen, betont Brenner.

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Wenn die Paare mit einer der vier Eheberaterinnen im Alter zwischen 31 und 60 Jahren zusammensitzen, lernen sie auch viel über sich selbst. „Je mehr Klarheit man über sich selbst hat, desto mehr ändert sich“, so Fedke. An der Selbstachtung sowie Selbstliebe und damit der Beziehung zu arbeiten, lohnt sich. „In einer längeren Beziehung habe ich die Chance, selbst zu wachsen. Wenn ich den Partner immer wechsle, kann ich selbst nicht wachsen“, erläutert Brenner.

Die Ehe-, Familien- und Lebensberatung der Erzdiözese ist kostenlos, Klienten können aber dafür spenden. Sie finanziert sich überwiegend aus Kirchensteuermitteln, auch der Landkreis bezuschusst die Beratungsstelle. Das Angebot kann jeder, unabhängig von Konfession, Weltanschauung oder Familienstand, in Anspruch nehmen.

Kontakt

Termine mit der Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstelle in Geretsried, Egerlandstraße 76, können telefonisch unter der Rufnummer 0 81 71/1 67 16 vereinbart werden.

sw

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