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Jugendliche wollen bisweilen feucht-fröhlich feiern. Im Geltinger Hinterhalt haben sie Gelegenheit dazu. 

Hinterhalt

Wenn Jugendliche ungestört feiern

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Die Jugend von heute hat einen schlechten Ruf. Aber was ist dran an Gerüchten um wilde Partys, Komasaufen und Prügeleien? Wir haben die Hinterhalt-Chefin gefragt. Assunta Tammelleo vermietet den Geltinger Keller für private Feiern und hat schon viel gesehen.

Gelting – Was im Hinterhalt passiert, bleibt im Hinterhalt. Aber manchmal dringen doch Gerüchte nach draußen. Gerüchte von wilden Nächten und äußerst ausgelassenen Jugendlichen. Assunta Tammelleo ist froh, nicht dabei zu sein, wenn die Heranwachsenden im Hinterhalt feiern.„Das ist wahnsinnig laut“, sagt sie.

Die Waldramerin vermietet den Raum seit 2008 an das heranwachsende Partyvolk, wenn die Kulturbühne frei ist. Viele Jugendliche nutzen das, damit der 18. Geburtstag nicht im heimischen Wohnzimmer ausgetragen werden muss. Im Gewerbegebiet stört es keinen, wenn die Musik aufgedreht wird – das wird ausgekostet.

Musikhören ist aber selbstredend nicht das Einzige, das zu einem unvergesslichen Fest gehört. Was genau im Hinterhalt vor sich geht, wenn sich Jugendliche einmieten, bekommt Tammelleo mit, wenn sie am nächsten Morgen zu früh zur Übergabe kommt.

„Es ist tatsächlich unglaublich, in welchem Zustand sich ein Raum befinden kann“, sagt sie schmunzelnd. Außenstehende könnten sich nicht vorstellen, welche Mengen an Leergut da anfallen: „Kistenweise leere Wodkaflaschen“, berichtet die Veranstalterin. Und das ist längst nicht alles. „Der Verschmutzungsgrad ist manchmal sensationell, als hätte sich jemand tanzend den Wodka über den Kopf geschüttet.“ Manchmal bleibt auch ein einzelner Schuh zurück – wie derjenige im Winter heimgekommen ist, wird wohl ein Geheimnis bleiben. Auch die Klobrille musste schon mal dran glauben.

Ob Schüler, Auszubildender oder junger Student macht keinen Unterschied. „Unisono: Es wird g’scheid gefeiert“, sagt Tammelleo. Die 55-Jährige findet das nicht verwerflich – ganz im Gegenteil. „Die Jugend hat ein Recht auf Unbeschwertheit“, sagt sie. Heute gebe es keine Freiräume mehr für Heranwachsende. Mal in den Wald radeln und ein Feuerle machen, das sei nicht möglich, weil Mädchen und Buben „behelikoptert“ werden.

Jugendliche müssten lernen, wie verheerend Alkohol sein kann, um sinnvoll damit umzugehen. „Sie müssen einen geschützten Raum zur Verfügung haben, in dem sie feiern dürfen, ausufernd sein können“, sagt Tammelleo. So werde man ein ausgeglichener Mensch – das sei bei über 50-Jährigen nicht anders. „Ich finde, Feierkultur ist etwas ganz Hervorragendes.“

Dass es offensichtlich meist ausufernd endet, kann Tammelleo erklären. Als sie zwischen 16 und 18 Jahre alt war, wurde den Bestimmungen des Jugendschutzes wenig Beachtung geschenkt. Heute sei das ganz anders. „Aber mir kommt es so vor, als ob durch die Restriktionen der überbordende Genuss salonfähig geworden ist.“

Die Jugend muss sich an so viele Regeln halten, dass es auch mal drin sein muss, es einen Tag krachen zu lassen. „Sie sind eh alle viel zu brav.“ Übrigens: Die Jugend kann feiern, sie kann aber auch aufräumen. „Bisher waren alle sehr höflich und fühlten sich verpflichtet, sich an Abmachungen zu halten“, berichtet Tammelleo. Ein Volljähriger übernehme gemäß Jugendschutz immer die Verantwortung. Was kaputt geht, wird ersetzt, und nach der Party würde immer morgens aufgeräumt und geputzt. „Als Mutter von zwei Kindern habe ich manchmal zwar ein anderes Sauberkeitsverständnis, aber dann fegen die Jugendlichen halt nochmals drüber.“

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