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Ohne erhobenen Zeigefinger: Was Drogen mit einem Menschen anrichten können, berichteten Wally Warning und seine Tochter Ami an der Mittelschule.

Wally Warning berichtet Mittelschülern über seine Marihuana-Abhängigkeit 

Wenn ohne Joint nichts mehr geht

Geretsried - Drogenprävention der besonderen Art erlebten die Achtklässler der Geretsrieder Mittelschule. Der international bekannte Reggae-und Latin-Musiker Wally Warning besuchte die Schule, um den Jugendlichen ganz offen von seiner mittlerweile überwundenen Marihuana-Abhängigkeit zu erzählen.

Der Kontakt zu dem in München lebenden Sänger, Gitarrist, Bassist und Komponist kam durch eine Schülermutter zustande. „Wir haben uns riesig gefreut, dass er zugesagt hat“, sagt die Lehrerin Nicole Bräunl-Mayer, die Wally Warning eingeladen hatte. Der Musiker hat gerade eine schwere Nervenkrankheit durchgemacht. Er kam mit seiner Tochter Ami, die ebenfalls Sängerin ist.

Geboren ist Ewald „Wally“ Warning auf der nördlich von Venezuela gelegenen Karibikinsel Aruba. Dort erlangte er bereits als junger Musiker Berühmtheit. Doch der damals 80 000 Einwohner zählende, zum Königreich der Niederlande gehörende Antillen-Staat wurde dem Nachwuchstalent bald zu klein. Warning ging zunächst nach Holland, wo er als Fabrikarbeiter etwas Geld verdiente. In München spielte er dann in Bars, bis er eines Tages entdeckt wurde. Zu seinen größten Erfolgen zählt der Sommerhit „No Monkey “ von 2007.

Wally Warnings Drogenkarriere begann, als er 20 war. Ein Freund bot ihm Haschkekse an. „Ich lachte die ganze Zeit. Diesen Kick wollte ich immer wieder haben“, sagt er. Der Musiker fing an zu kiffen. Härtere Sachen als Gras habe er nie konsumiert. Einmal habe er Kokain probiert, doch es habe ihn völlig runtergezogen. Heroin habe ihm immer Angst gemacht. Cannabis dagegen inspirierte ihn beim Komponieren: „Ich fühlte mich gut damit.“

Irgendwann jedoch bemerkte der Sänger, dass ohne Marihuana nichts mehr ging. „Ab dem Moment, wo du Drogen brauchst, um dich gut zu fühlen, ist es schlecht“, weiß er im Nachhinein. Er erzählt von einem Schlüsselerlebnis: Sein Stiefvater war gestorben, und Wally Warning reiste nach Aruba. Selbst während er in seinem Elternhaus saß und die Menschen kamen, um zu kondolieren, rauchte er zwischendurch. „Ich habe alle Fenster geöffnet, damit niemand den süßlichen Geruch bemerkte. In dem Moment fühlte ich mich elend und schuldig“, erinnert sich Warning. Von da an habe er keinen Joint, keine Zigarette, keinen Alkohol mehr angerührt. „Ich habe viel gebetet. Jesus hat mir geholfen, clean zu werden“, sagt er. Das ist 15 Jahre her.

Der Reggae-Star sagt, er könne heute in einem Coffeeshop in Amsterdam sitzen, um ihn herum Kiffer, und ganz entspannt einen frisch gepressten Saft genießen: „Ich lehne mich zurück und sage mir: Yeah , ich lebe natürlich und ich fühle mich unglaublich wohl dabei.“

Die Jugendlichen aller drei achten Klassen stellten dem prominenten Gast viele Fragen. „Wie viele Joints hast du geraucht am Tag?“ – „Unzählige. Es fing vor dem Frühstück an.“ „War es leicht, an Gras zu kommen?“ – „Sehr leicht“. „Bist du mal von der Polizei erwischt worden?“ – „Ja. Ich wurde auch bestraft, aber ich rauchte trotzdem weiter.“ „Was hat deine Tochter dazu gesagt, dass du Marihuana konsumierst?“

Auf diese Frage antwortet Ami. Sie sei sechs Jahre alt gewesen, als ihr Vater aufgehört habe. Sie könne sich nicht an die Zeit davor erinnern. Sie selbst habe einmal Gras ausprobiert: „Ich musste mich hinlegen danach. Auf mich hatte es überhaupt keine positive Wirkung. Deshalb ließ ich es bleiben.“

Sie wisse jedoch, dass Kiffen „cool“ sei unter Jugendlichen. Doch man merke schnell, dass man keine Leistung bringen könne, wenn man ständig berauscht ist. Spätestens im Berufsleben sei das überhaupt nicht mehr „cool“. Viele Musiker würden Drogen nehmen, so die Sängerin. Sie sehe, wie die Kollegen ins Schwitzen geraten oder wütend werden, wenn sie mal nichts zu rauchen oder keinen Alkohol bekommen. „Sie brauchen Drogen, um normal zu sein. Das ist für mich nicht normal.“

Um die Diskussion aufzulockern, sangen Ami und Wally Warning zwischendurch selbst komponierte Lieder zu Gitarrenbegleitung. Für die Jugendlichen sei die Aufklärungsstunde im Rahmen des Physik-Biologie-Chemie-Unterrichts, der in der achten Klasse das Thema Drogen vorsieht, etwas ganz Besonderes gewesen, sagt Nicole Bräunl-Mayer. Es sei einmal nicht ein Lehrer oder Suchtberater mit erhobenem Zeigefinger vor ihnen gestanden, sondern ein Star, den sie duzen durften und der völlig authentisch gewirkt habe

„Es wäre toll, wenn Wally öfter käme und vielleicht auch mal ein Konzert hier geben würde“, sagt Bräunl-Mayer. Die Schüler, die nach der Stunde eifrig Selfies mit Warning machten, konnten sich diesem Wunsch nur anschließen.

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