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Schwerer Sprung: Immer mehr Kinder und Jugendliche leiden an Übergewicht.

Im Gespräch mit Ernährungsberaterin Uschi Buder

Wer bewusst isst, darf auch mal an den Süßigkeitenschrank

Immer mehr Kinder und Jugendliche sind dick. Im Gespräch erklärt Ernährungsberaterin Uschi Buder, was das Essen gesund macht.

Geretsried – Eine Einschränkung von Werbung für Dickmacher wie Süßwaren und Junkfood hat die Weltgesundheitsorganisation jüngst gefordert. Der Grund: Einer aktuellen Statistik zufolge waren 2016 in Deutschland 6,9 Prozent der Mädchen und 11,2 Prozent der Jungen zwischen fünf und 19 Jahren fettleibig – Tendenz steigend. Uschi Buder, Ernährungsberaterin in Geretsried, bestätigt diesen alarmierenden Trend im Gespräch mit unserem Mitarbeiter Dominik Stallein.

Frau Buder, was essen Sie heute?

Uschi Buder: (lacht) Einen Salat, Kartoffeln und, ja, ich gebe es zu, einen Back-Camembert.

Wie oft greifen Sie zu Nahrungsmitteln von denen Sie Ihren Patienten abraten?

Uschi Buder: Nie. Ganz einfach deswegen, weil ich von nichts abrate. Ich bin Ernährungswissenschaftlerin und kein Asket. Es spricht überhaupt nichts dagegen, auch mal in die Süßigkeitenkiste zu langen oder ein Stück Torte zu essen. Das ist einfach ein Genuss, auf den man nicht komplett verzichten muss. Das sage ich auch den Menschen in meiner Praxis.

Jetzt sind wir beim Thema. Merken Sie anhand Ihrer Praxis, dass Übergewicht und Fettleibigkeit auf dem Vormarsch sind – gerade bei Kindern und Jugendlichen?

Uschi Buder: Ich führe keine Statistik darüber, aber ich habe schon den Eindruck, ja. Der absolute Großteil meiner Patienten – bestimmt die Hälfte – sind Jugendliche, die wegen Übergewicht in meine Praxis kommen. Andere, das sind aber vor allem Erwachsene, haben Intoleranzen und Allergien. Manche werden durch Mundpropaganda auf mich aufmerksam, andere weil sie von einem Arzt zu mir geschickt werden.

Wie erklären Sie sich das?

Uschi Buder: Das hängt viel damit zusammen, wie sich das Leben und der Alltag in den letzten Jahrzehnten verändert hat. Oft bleibt einfach nicht viel Zeit für das Essen oder dessen Vorbereitung. Außerdem müssen sich viele Kinder und Jugendliche bereits selbstständig um ihre Ernährung kümmern.

... und in beiden Fällen ist der Gang zum Schnellrestaurant einfacher?

Uschi Buder: Ganz genau. Obwohl für mich der Begriff „Fast Food“ weitergeht als bloß Schnellrestaurants. Für mich fällt auch das unbewusste, schnelle Essen – im Auto, im Gehen, am Schreibtisch – in die Kategorie. Das ist aber auch nicht gesund.

Das müssen Sie bitte näher erklären.

Uschi Buder: Das ist aus zwei Gründen problematisch: Einmal ist es eine psychologische Sache. Wenn ich neben der Arbeit am Schreibtisch mein Mittagessen zu mir nehme, habe ich nicht „bewusst gegessen“. Außerdem – und das ist weitestgehend bekannt – setzt das Sättigungsgefühl erst nach einer gewissen Zeit ein.

Was raten Sie übergewichtigen Jugendlichen in Ihrer Praxis?

Uschi Buder: Es gibt keine Pauschallösung. Ich erstelle in jedem Fall zusammen mit dem Patienten eine detaillierte Anamnese. Zum Beispiel ist wichtig zu wissen, wann die Betroffenen ihre erste Mahlzeit am Tag einnehmen und welche Lebensmittel sie eigentlich zu sich nehmen. Es geht um das richtige Maß. Dazu darf auch gerne mal ein Camembert gehören.

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