Noch fehlt das Wasser: Das neue Hallenbad soll Mitte des Jahres eröffnen.
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Noch fehlt das Wasser: Das neue Hallenbad soll Mitte des Jahres eröffnen.

Wassersportler hoffen auf Unterstützung

Nutzung im neuen Hallenbad: Werden die Vereine über Gebühr belastet ?

  • Susanne Weiss
    vonSusanne Weiss
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Die Stadträte reden in diesen Tagen über Geld. Ein Posten im Haushaltsentwurf ist die Förderung der Sportvereine. Die Allianz Wassersport Geretsried hofft auf hundertprozentige Unterstützung, sprich eine Übernahme der Nutzungsgebühren im neuen Hallenbad durch die Stadt. Klar dafür positioniert sich derzeit allerdings nur die SPD-Fraktion im Stadtrat.

  • Die Allianz Wassersport Geretsried hofft auf umfängliche Unterstützung bei den Nutzungsgebühren im neuen Hallenbad
  • Im Entwurf für den Haushaltsplans vorsorglich der maximale Förderbetrag eingestellt
  • Die Fraktionen wollen Vereine unterstützen, doch bei fast allen gibt es ein „aber“

Geretsried – Wie viel Geld werden die Geretsrieder Wassersportvereine für ihre Belegungszeiten im neuen Hallenbad bezahlen müssen? Die Antwort auf diese Frage betrachten der Ortsverband der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG), der Wasserball- und Schwimmverein (WSV 72), der Tauchclub Oberland (TCO) und die Rehasport-Freunde Geretsried für sich als existenziell. Sie fürchten, durch zusätzliche Kosten unterzugehen. Bislang sind sie wie alle Geretsrieder Sportvereine von Hallennutzungsgebühren befreit.

In einer Online-Petition forderte die Allianz Wassersport Geretsried vergangenes Jahr, dass es dabei bleibt. Vertreter der vier Vereine übergaben im Oktober eine Liste mit 2664 Unterschriften an Bürgermeister Michael Müller (CSU). Der verwies damals an den Stadtrat. Über die Organisation der künftigen Hallenbadnutzung müsse dieser im Rahmen der Haushaltsberatungen diskutieren, wenn alle Zahlen und Fakten auf dem Tisch liegen.

Zweiter Entwurf des Haushaltsplans steht auf der Tagesordnung

Diese Beratungen laufen nun. Im Januar stellte Kämmerin Nadine Zikeli dem Haupt- und Finanzausschuss des Stadtrats den ersten Entwurf vor, von dem der Rathauschef sagte, dass man ihn so nicht verabschieden könne (wir berichteten). An diesem Mittwoch steht der zweite Entwurf des Haushaltsplans auf der Tagesordnung. Angesichts anstehender Investitionen im Schul- und Kita-Bereich sowie zu erwartender sinkender Einnahmen durch die Corona-Pandemie mahnt der Bürgermeister immer wieder, dass man freiwillige Leistungen im Blick behalten müsse.

Wie viel die Stadt den Wassersportvereinen für die Nutzungsgebühren des interkommunalen Hallenbads erstattet, das die Stadtwerke betreiben werden, ist noch nicht entschieden. Der Ausschuss für Jugend, Senioren, Soziales, Kultur und Sport (Jusskus) hatte vor einem halben Jahr nur knapp (6:5 Stimmen) einen Vorschlag der Unternehmensberatung Altenburg befürwortet, wonach sich die Vereine zu 30 Prozent an den Gebühren beteiligen sollen. Der Bürgermeister brachte anschließend ein Punktesystem ins Spiel, um die Vereine weiter zu entlasten, gleichzeitig aber ein Steuerungsmodell zur effizienten Nutzung des Bades zu haben.

Im Haushaltsentwurf sind aktuell 120.000 Euro zur Förderung der Sportvereine eingeplant. Darin enthalten ist ein Budget für die Wassersportler. „Das entspräche einer hundertprozentigen Erstattung“, erklärt Thomas Loibl, Pressesprecher der Stadt, auf Nachfrage. Zum Vergleich: Im Vorjahr betrug dieser Posten 35.000 Euro. Dazu kommt weitere finanzielle Unterstützung für die Sportvereine, etwa in baulicher Form, die aus einem anderen Topf bezahlt wird. Loibl betont außerdem, dass die genannte Summe „vorsorglich“ eingestellt worden sei. Über den Haushalt werde ja noch diskutiert.

CSU-Fraktionssprecher: „Ganz kostenlos wird es nicht mehr gehen“

Ob die Fraktionen beim Thema Wassersport den Rotstift ansetzen? „Ganz kostenlos wird es nicht mehr gehen“, sagt Ewald Kailberth, Fraktionsvorsitzender der CSU. In den nächsten Jahren werde man sich nicht viele freiwillige Leistungen leisten können. Auch müsse man bedenken, dass der Stadt das neue Bad nicht allein gehöre und man für die Betriebskosten tief in die Tasche greifen müsse. Kailberth sagt, er unterstütze die Idee, wonach jeder Geretsrieder Wassersportverein ein Kontingent erhalte. Wer darüber hinaus das Hallenbad nutze, müsse dies selbst zahlen. „Das Kontingent soll sich ungefähr daran orientieren, was sie im alten Bad hatten, aber wir müssen schauen, wie wir mit der Belegung hinkommen.“

Kailberths Amtskollege von den Grünen, Peter Curtius, sieht ebenfalls Schwierigkeiten, die Wassersportler weiterhin voll zu unterstützen. Um den Vereinen zu helfen, könnte er sich vorstellen, zunächst hundert Prozent zu zahlen und die Förderung stufenweise zurückzufahren. Dies hatte Curtius bereits im Jusskus vorgeschlagen.

Die Freien Wähler wollen die Vereine „nicht übermäßig belasten“, sagt deren Fraktionssprecher Heiko Hawla. Jeder solle bekommen, was er braucht, ohne in Existenznot zu geraten. „Auf der anderen Seite brauchen wir ein Steuerungsmodell.“

SPD setzt sich für hundertprozentige Förderung ein

Die SPD-Fraktion steht weiterhin dafür, dass die Stadt die Nutzungsgebühren in vollem Umfang übernimmt, erklärt deren Sprecher Hans Hopfner. „Wir setzen uns für eine hundertprozentige Förderung ein“, so Hopfner. Er gehe davon aus, dass es diesbezüglich noch Diskussionen geben wird, wenn das Hallenbad tatsächlich eröffnet.

Patrik Kohlert (Geretsrieder Liste) sieht aktuell keine Notwendigkeit, an den Vereinen zu sparen. „Sollte sich die Situation in den nächsten Jahren anders entwickeln, müssen wir das neu beurteilen“, sagt er. Den Wassersport an sich wolle er jedoch nicht herausstellen. „Wir müssen alle Vereine im Blick behalten.“

Info

Die Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses an diesem Mittwoch, 10. Februar, beginnt um 17 Uhr und findet in den Ratsstuben statt.

sw

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