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Kompromiss: Irene Blaich geht am Freitag den 13. unter der Leiter hindurch, ihr Ehemann Walter daneben her. Zur Sicherheit halten sie sich an den Händen.

Der Leiter-Test

Wie abergläubisch sind die Geretsrieder?

Geretsried - Freitag, der 13. gilt bei vielen als ein Tag, an dem besonders viele Unglücke passieren können. Wir haben am Freitag Passanten gefragt: Trauen Sie sich, unter einer Leiter durch zu gehen?

Der erste Passant, der die Leiter sieht, die an der Fassade des Geretsrieder Rathauses lehnt, fragt neugierig, was es damit auf sich habe. Dass es laut Volksmund Unglück bringt, am Freitag den 13. unter einer Leiter durchzugehen, hält der 68-Jährige für eine Mär. „Das ist Aberglaube“, winkt Iwan Bentek ab. „Da gehe ich sofort unten durch. Weder der Tag noch die Leiter spielen für mich irgendeine Rolle“, sagt der Rentner – und lässt seinen Worten Taten folgen.

Freitag, der 13. als Glückstag?

Fürchtet sich nicht: Der Geretsrieder Bürgermeister Michael Müller geht unter der von unserer Zeitung am Rathaus aufgestellten Leiter durch.

Kurz darauf kommen Bürgermeister Michael Müller und Pressereferent Thomas Loibl aus dem Rathaus. Beide sind offensichtlich nicht abergläubisch – und beide marschieren schnurstracks unter der Alu-Leiter durch. „Freitag der 13. ist für mich eher ein Glückstag, damit verbinde ich nur positive Erfahrungen“, berichtet Loibl und lacht. „An dem Datum bin ich mit meiner jetzigen Frau zusammengekommen und habe mich mit ihr verlobt. Außerdem haben wir unsere erste gemeinsame Wohnung an einem Freitag den 13. bezogen.“

Der Geretsrieder Bürgermeister ist ebenfalls kein Angsthase: „Ich glaube nicht, dass mich jetzt das Pech verfolgt.“ Natürlich könne man nicht immer Glück haben, die Welt müsse ausgeglichen sein. „Das ist wie mit dem Schweinebraten. Der ist gut, aber zu viel davon ist auch nix. Salat gehört auch dazu“, meint Müller und schmunzelt.

„Man muss das Schicksal nicht herausfordern“

Bei ihrem Rundgang über den Karl-Lederer-Platz kommt Parkraumüberwacherin Marion Schemmel am Rathaus vorbei. Die Leiter beäugt sie kritisch – und macht lieber einen Bogen darum. „Ein bisschen abergläubisch bin ich schon“, gibt die 40-Jährige zu. Weil man das Schicksal nicht herausfordern müsse, will sie nicht absichtlich unter den Sprossen durchgehen. „Am Freitag den 13. sollte man ein bisschen vorsichtiger sein.“ Davon, dass Dinge wie ein vierblättriges Kleeblatt oder ein Mistelzweig Glück bringen sollen, ist Schemmel überzeugt. Ihr persönlicher Glücksbringer sei eine Halskette, ein Geschenk von ihrem Mann. „Die trage ich immer.“

Hat Respekt: Kontrolleurin Marion Schemmel.

Die nächste Passantin geht ohne zu Zögern unter der Leiter durch. „Ich habe eine gute Taktik: Ich glaube nur an Glück, nicht an Pech“, sagt Beatrix Schiebel-Vierhalter. Als „optimistische Realistin“ bezeichnet sich die Verwaltungsangestellte selbst. Gerade weil Freitag der 13. als Unglückstag verrufen sei, dreht die 45-Jährige den Spieß um: „Mir hat das Datum noch nie Pech gebracht. Ich bin überzeugt, dass er Glück bringt.“

Hand in Hand „kann nix schief gehen“

Das Ehepaar Blaich ist ähnlicher Meinung: Freitag der 13. sei ein Tag wie jeder andere. „Das Datum beschäftigt uns nicht“, betont Walter Blaich. Unter der Leiter durchgehen möchte der 79-Jährige allerdings nicht unbedingt. Seine Frau Irene wundert sich: „Sag bloß, Du bist abergläubisch?“ Das wäre ihr noch nie aufgefallen – „dabei sind wir schon 50 Jahre verheiratet“, stellt die 75-Jährige fest und lacht. „Nein, ich glaube nicht, dass ich dann Pech habe“, meint der Pensionär. Die Leiter an sich sei ihm nicht ganz geheuer, begründet er sein Zögern – „wer weiß, ob sie nicht umfällt“. Das Ehepaar findet einen Kompromiss: Frau Blaich geht unter der Leiter durch, Herr Blaich daran vorbei. Zur Sicherheit halten sie sich an den Händen: „So kann nix schief gehen.“

Magdalena Höcherl

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