Revierförster Sebastian Schlenz (am Verkehrsschild) und Bereichsleiter Forsten Christian Webert (re. daneben) vom AELF präsentieren dem Bau- und Umweltausschuss den neuen Waldbewirtschaftungsplan am Ort des Geschehens.
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Sitzung im Grünen: Revierförster Sebastian Schlenz (am Verkehrsschild) und Bereichsleiter Forsten Christian Webert (re. daneben) vom AELF präsentieren dem Bau- und Umweltausschuss den neuen Waldbewirtschaftungsplan am Ort des Geschehens.

Bewirtschaftungsplan für die nächsten 20 Jahre erarbeitet

Wie es im Geretsrieder Stadtwald weitergeht

  • Susanne Weiss
    vonSusanne Weiss
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Stadtwald statt Sitzungssaal: Der Bau- und Umweltausschuss befasste sich jüngst mit dem Bewirtschaftungsplan - am Ort des Geschehens.

Geretsried – Der Bau- und Umweltausschuss hat am Dienstag den Sitzungssaal gegen den Stadtwald getauscht. Für die Vorstellung des neuen Waldbewirtschaftungsplans und des Naturschutzkonzepts ging es für die elf Stadträte an den Ort des Geschehens. Auf dem Weg zwischen den Bäumen hinter der Musikschule übergaben Christian Webert und Sebastian Schlenz vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Holzkirchen das Schriftstück, passenderweise in einem grünen Umschlag, an Inken Domany vom Fachbereich Verkehr und Umwelt im Rathaus. Weil Bürgermeister Michael Müller und seine Stellvertreter verhindert waren, leitete Franz Wirtensohn als ältester Stadtrat die Sitzung.

Der Waldbewirtschaftungsplan ist „für uns eine ganz wichtige Grundlage“, erklärte Webert. Per Gesetz sei vorgeschrieben, dass ein kommunaler Wald vorbildlich zu bewirtschaften ist, so der AELF-Bereichsleiter Forsten. Da es sich dabei um ein längerfristiges Projekt handelt, wird alle 20 Jahre ein neuer Waldbewirtschaftungsplan erstellt. Anfang 2019 vergab der Bau- und Umweltausschuss den entsprechenden Auftrag, der nun erfüllt ist.

Der Wald in Geretsried ist der zweitgrößte kommunale Wald im Dienstbereich des AELF Holzkirchen. Auf Platz eins liegt Bad Tölz. Dass der Stadtwald vielen Geretsriedern zur Erholung dient, merkten die Stadträte an jedem Fußgänger und Fahrradfahrer, dem sie während des Fachvortrags aus dem Weg gehen mussten. Vereinen muss das AELF, das sich im Auftrag der Stadt um die sogenannte Beförsterung des Walds kümmert, das Erholungsinteresse der Bürger mit der Nachfrage nach Brennholz und dem Naturschutz. Im Sinne von Letzterem äußerte Sitzungsleiter Franz Wirtensohn Kritik. „Mir ist der Wald zu ausgeräumt“, sagte der CSU-Stadtrat. Vom Weg aus war auf dem Waldboden nichts zu sehen außer Herbstlaub. „In einem Wald müssen Daxenhaufen für die Lebewesen liegen“, so Wirtensohn.

Schlenz, zuständiger Revierförster, beruhigte ihn mit einem Ausflug zu einem der sogenannten Trittsteine im Stadtwald (siehe Kasten). In diesen Bereichen hat der Naturschutz Vorrang, während entlang der Wege die Verkehrssicherheit gewährleistet sein muss. Wenn Schlenz dort einen morschen Ast in der Baumkrone entdeckt, markiert er den Baum mit einer blauen Zahl und einem grünen Buchstaben, damit ihn ein Baumkletterer entfernt, bevor er jemandem auf den Kopf fällt.

Geordnetes Chaos für mehr Artenvielfalt

Während es entlang der Wege im Stadtwald recht aufgeräumt aussieht, gibt es zwischen den Bäumen auch einige Stellen, an denen „geordnetes Chaos“ herrscht. So beschreibt Revierförster Sebastian Schlenz beispielsweise den Zustand südlich des neuen Hallenbads. Er führte die Mitglieder des Ausschusses vom Weg ab und durchs Gebüsch, um ihnen das Naturschutzkonzept für den Stadtwald zu erläutern. Nahe der Adalbert-Stifter-Straße gibt es einen von drei sogenannten Trittsteinen, das heißt Bereiche, in denen man bewusst auf die wirtschaftliche Nutzung des Walds verzichtet. Es liegen Äste und Stämme am Boden, an Bäumen sind Löcher und Faulstellen zu sehen – ideale Bedingungen beispielsweise für einige Käfer- und Spechtarten. Im Rahmen seiner Ausbildung habe ein Mitarbeiter des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Holzkirchen das Naturschutzkonzept für den Stadtwald erarbeitet, erklärte Schlenz. Insgesamt stehen dort auf rund 17 Hektar Fläche 37 Biotopbäume und 64 Stück Totholz. „Wobei ich lieber von Lebendholz spreche, denn wenn der Baum abgestorben ist, beginnt das Leben“, so der Revierförster. Dieser Anteil solle langfristig erhöht werden, um die biologische Vielfalt zu fördern. Für die Stadt entstehe dadurch ein Wertverlust von etwa 300 Euro im Jahr, was aber durch ein Förderprogramm des Freistaats abgefangen werden könne.

Mit Blick auf den Klimawandel ist wie überall auch im Geretsrieder Stadtwald der Waldumbau ein „Megathema“, so Webert. 47 Prozent der Bäume seien Fichten, die mit steigenden Temperaturen, Trockenheit und dem Borkenkäfer Schwierigkeiten haben. „Wir gehen nicht weg von der Fichte, aber stellen ihr Partner an die Seite“, so der Bereichsleiter Forsten. Wichtig sei, die junge Generation in den Wald zu bekommen, so lange die alte noch da ist. Wie das Nebeneinander von großen, dicken und jungen, dünnen Bäumen zeigt, sei ein Mischungsanteil in Geretsried vorhanden. „Aber wir haben noch viel Arbeit“, kündigte Webert an. Beispielsweise gebe es bislang wenige Tannen, die dank ihrer tiefen Wurzeln sturmresistenter sind. Ziel sei, sich mit möglichst vielen verschiedenen Baumarten breit aufzustellen. „Wer streut, rutscht nicht.“

Die verschiedenen Ansprüche an den Wald möchte das AELF möglichst kostendeckend erfüllen. Allein im innerstädtischen Bereich würde das nicht gehen, gestand Schlenz. Verkehrssicherungsmaßnahmen seien teuer. „Auf den kommunalen Flächen außerhalb können wir aber reguläre Forstwirtschaft betreiben und Gewinne erwirtschaften“, erklärte der Revierförster. In der aktuellen Tiefpreisphase bekomme man zwar nicht viel für geerntete Bäume. „Langfristig wird sich das aber wieder ausgleichen.“

sw

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