Auf den Spuren von Hans Kastler wanderten die Geretsrieder Grünen und interessierte Gäste. Foto: Sabine Hermsdorf-Hiss

Bildhauer Hans Kastler

Wie Hans Kastler Gorillas und Elfen in den Kellerweg brachte

Eine neue Veranstaltungsreihe bringt die Geretsrieder Grünen auf die Spuren eines Bildhauers.  Hans Kastler war berühmt, aber trotzdem alles andere als eingebildet.

Geretsried/Eurasburg – Auf die Spuren des im vergangenen August verstorbenen Bildhauers Hans Kastler begaben sich die Geretsrieder Grünen am Sonntag. Unter dem Motto „Kultur, Natur, Region – Die Grünen wandern“ , startete der Ortsverband eine neue Veranstaltungsreihe. Sprecher Christian Hagel erhofft sich davon eine Belebung der Ortsgruppe.

Tatsächlich nahmen auch einige Nicht-Mitglieder das Angebot wahr und spazierten mit den Grünen vom Landgasthof Berg bis nach Happerg zu der 2016 eingeweihten Kastler-Kunstmeile vor dem ehemaligen Haus und Atelier des Bildhauers. Unter den Teilnehmern befand sich auch Claudiana Bieck. Die Ammerlander Töpferin hat das Anwesen vor Kurzem zusammen mit dem Steinmetzmeister und Bildhauer Helmut Schlegel erworben. „Hans Kastler war sehr froh, dass hier weiterhin künstlerisch gearbeitet wird“, sagt Bieck.

Liebe auf den ersten Blick

In das Haus am Kellerweg hatte sich der aus Oberösterreich stammende Kastler sofort verliebt. Nach seiner Ausbildung zum Holzbildhauer bei Professor Hans Baier in Hallein und dem anschließenden Studium bei Fritz Behn in München mit einjährigem Stipendium in den USA kaufte er es 1969 und baute es um. Er schuf dort Holzreliefs, Tierplastiken aus Bronze, gestaltete eine Skulptur für die Olympischen Spiele und entwickelte die eigentümliche Kunstform des „Stabile“. Kastlers Schüler und Freund über 35 Jahre hinweg, der Münsinger Bildhauer Hans Neumann, führte die Grünen durch den Skulpturenpark. Zu jeder der 19 Figuren wusste er eine Erklärung, zu vielen eine Geschichte. Die „Geburt der Elfen“ etwa habe Hans Kastler mit 83 Jahren, zwei Jahre bevor er starb, unbedingt noch fertigstellen wollen. Den weißen, inzwischen verwitterten Stein dazu habe er schon vor rund 50 Jahren aus dem Burgenland geholt, erzählte Neumann. Kastler habe die Figur so bearbeitet, dass sie teils glatt und teils rau sei. Die Köpfe der beiden Elfen sowie der untere Teil des Kunstwerks seien naturbelassen. Dort könne sich Moos ansetzen, sodass die Natur in das künstlerische Konzept eingebunden werde.

„Kastler war überhaupt nicht eingebildet“

„Zum Schluss wollte er nichts Gegenständliches mehr machen. Er wollte die Natur nicht kopieren“, sagt Neumann. Dabei sind die Tierskulpturen wie der berühmte Bronzegorilla, das Pferd oder der Keiler die Markenzeichen des Wahl-Eurasburgers. Was den Österreicher neben seinem Fleiß und Talent auszeichneten, waren sein Witz und seine Lebensfreude. Immer zu einem Ratsch aufgelegt erklärte er Spaziergängern gerne seine Werke. „Kastler war überhaupt nicht eingebildet“, erinnert sich Neumann. Einmal habe er bei einem Essen mit Kunstförderern und anderen Persönlichkeiten die Nachspeise in einer großen, gusseisernen Pfanne bestellt, aus der sich jeder mit seiner Gabel bedient habe.

In dem Film, den Christian Hagel zusätzlich zur Führung zeigte, wurde Kastlers fröhliche Art noch einmal lebendig. Für seine Dokumentation „Wie der Gorilla ins Tölzer Land kam“ hat Max Kronawitter den Bildhauer drei Jahre lang begleitet. Er hat ihm beim Skizzenzeichnen im Tierpark Hellabrunn über die Schulter geschaut, ihn bei der Arbeit mit Hammer und Meißel beobachtet und ihn zu Ausstellungen und Ehrungen begleitet. „Ich war am Anfang als Künstler a bissl a Fremdkörper in Happerg. Bis die Nachbarn gesehen haben: Aha, der arbeitet ja, sogar in der Nacht. Dass ich das Gras mit der Sense gemäht habe, das hat die Einheimischen beeindruckt“, erzählt Kastler im Film.

Tanja Lühr

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