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Schaufeln bis zur Erschöpfung: Mit Leinen und Gurten gesichert, arbeiten Anfang Februar 2006 Feuerwehrkräfte auf dem Dach des Geretsrieder Gymnasiums. 

Geretsried traf es besonders hart

Winter hat Bad Tölz-Wolfratshausen fest in der Hand - wie zuletzt 2006

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Geschlossene Schulen, gesperrte Straßen und Schneemassen auf den Dächern: Was sich in diesen Tagen im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen abspielt, erinnert an das Schneechaos vor 13 Jahren. Ein Rückblick.

Geretsried – Anfang 2006 hat der Winter die Region ebenfalls fest in der Hand – besonders die Stadt Geretsried trifft es hart. „Nirgendwo im Landkreis schneit es so viel wie bei uns“, kommentiert Bürgermeisterin Cornelia Irmer damals.

Die weißen Berge auf den Dächern wachsen höher und höher. Am 12. Januar 2006 veranlasst Vize-Bürgermeister Gerhard Meinl die sofortige Schließung des Eisstadions und verhängt ein Betretungsverbot. Die Schneelast ist zu hoch für das damals 26 Jahre alte Dach.

Alarmiert waren die Entscheidungsträger der größten Stadt im Landkreis durch den Einsturz der Eissporthalle in Bad Reichenhall am 2. Januar. Das 33 Jahre alte Dach konnte der gewaltigen Schneelast nicht standhalten. 15 Menschen starben in den Trümmern, 30 wurden zum Teil schwer verletzt.

In das Entsetzen über die Katastrophe mischt sich die Sorge, ob auch andere Hallen den Schneemassen nicht mehr standhalten könnten. Nach einer Überprüfung veranlasst der damals zuständige Bauamtsmitarbeiter Stefan Greis „rein zur Vorsorge“ die Räumung des Schnees vom Flachdach des Hallenbads. Beim Eisstadion ist das durch die Konstruktion nicht möglich.

Lesen Sie auch über das aktuelle Schnee-Chaos: Zahlreiche Bayern von Außenwelt abgeschnitten - Regierung warnt Bevölkerung

Um jegliche Gefahr auszuschließen, lässt die Stadt 40 zusätzliche Dachstützen einziehen. Unter der Maßgabe, dass die Konstruktion täglich überprüft und die Maximallast von 113 Kilogramm pro Quadratmeter nicht überschritten wird, kann das Stadion wieder geöffnet werden. Doch die Schneefälle halten an. Die Lage spitzt sich zu.

Am Dienstag, 7. Februar, ordnet Irmer den Abbruch des öffentlichen Laufs an. Die Schneelast auf dem Dach hat die 100-Kilogramm-Grenze überschritten. Es gilt wieder absolutes Betretungsverbot. Bekanntlich wird das Dach im Oktober abgetragen werden, viele Jahre findet der Eislauf und Eishockey unter freiem Himmel statt. Heuer soll das Stadion wieder ein Dach bekommen. Nach dem Eisstadion lässt die Stadt am Mittwoch, 8. Februar, auch das Schwimmbad evakuieren. Um 16 Uhr werden die Gäste gebeten, das Bad zu verlassen. Die Turnhallen werden ebenfalls geschlossen.

Zur Kontrolle der Gebäudesicherheit sind Statiker gefragt. Der Geretsrieder Bauingenieur und frühere CSU-Stadtrat Harald Sachers, der vergangenes Jahr verstorben ist, verletzt sich dabei schwer. Er stürzt bei einer Prüfung durch das Dach einer Werkshalle in Geretsried drei Meter in die Tiefe, fällt auf den Rücken und bricht sich mehrere Rippen und Wirbel.

Der restliche Landkreis bleibt freilich nicht vom extremen Winter verschont. Die Biokompostieranlage der WGV Quarzbichl bei Beuerberg wird gesperrt. Pro Quadratmeter Dachfläche lasten knapp 135 Kilogramm Schnee und Eis auf ihr. Die Sitzungssäle im Landratsamt sind geschlossen. Das Landratsamt lässt alle sechs Turnhallen des Kreises abriegeln. Sieben Feuerwehren müssen nach Egling ausrücken: Das Schuldach droht unter der Last des Nassschnees einzustürzen. Und in Münsing zerstört die gut 20 Zentimeter dicke Eisschicht auf dem Starnberger See einige Bootsstege.

Für die Schüler hat der Schnee auch seine guten Seiten: Die Stadt Geretsried sperrt alle ihre Schulen und Kindergärten zu, tagsdarauf zieht Wolfratshausen nach. Das Landratsamt lässt das Geretsrieder Schulzentrum schließen. 2000 Mädchen und Buben, die dort normalerweise unterrichtet werden, haben fast eine komplette Woche zusätzliche Ferien. Vier komplette Schultage fallen aus.

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Um die Sicherheit der öffentlichen Bauten zu gewährleisten, werden Rettungskräfte aus dem gesamten Landkreis zusammengezogen. Christian Sydoriak, damals Einsatzleiter und Kreisbrandinspektor für den Nordlandkreis, spricht von einem „mittleren bis hohen Gefährdungspotenzial“. Feuerwehrleute aus Geretsried und vielen Nachbargemeinden, die Mitglieder des Technischen Hilfswerks, des Roten Kreuzes, der DLRG, der Wasser- und der Bergwacht schaufeln bis zur Erschöpfung Schnee von den Dächern. Besonders am Gymnasium geht es nur zäh voran. Die endlose Schneedecke tragen Helfer in kleinen Gruppen ab. „Gefühlte 5000 Zentner waren das heute schon“, berichtet ein junger Mann vor Ort und lächelt gequält.

Mitte Februar hört der Schneefall endlich auf. Es herrschen frühlingshafte Temperaturen. Die Einsatzkräfte kommen aber nicht zur Ruhe: Das Tauwetter überflutet zum Beispiel den Keller und das Erdgeschoss des Neubaus der Geretsrieder Feuerwehr an der Elbestraße.  sas/dor/sw

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