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Seit 1947 wurden am Standort Dieselweg Autoteile produziert – 50 Jahre lange unter dem Namen Empe, dann Findlay und Polytec und zuletzt Boshoku. Jetzt wird das Gelände stückchenweise verkauft.

Nach der Schließung des Automobilzulieferers Boshoku

Droht Geretsried eine weitere Industriebrache?

Geretsried - Was wird aus dem ehemaligen Empe-Gelände nach der Schließung von Boshoku? Wir haben nachgefragt. 

Im März dieses Jahres schloss der japanische Automobilzulieferer Boshoku Automotive Europe (BAE) seine Produktionsstätten am Dieselweg in Geretsried. Rund 200 Menschen waren dort zuletzt beschäftigt. Die Arbeiter verloren größtenteils ihre Jobs. Die Belegschaft der Verwaltung und der Firmenzentrale zog an den Sapporobogen am Randes des Münchner Olympiaparks. Nur ein kleines Häuflein Mitarbeiter der Toyota-Tochter sollte am Dieselweg bis zum Jahresende die Stellung halten.

Zwei Drittel der Fläche sind bereits verkauft

Was aber wird dann aus dem riesigen Firmengelände? Droht nach dem ehemaligen Lorenz-Areal an der Elbestraße eine zweite Industriebrache? „Keine Sorge“, beruhigt Annette Hilpert, Wirtschaftsförderin der Stadt Geretsried. „Brachland wird das keinesfalls.“ Seit rund zwei Jahren, seitdem also klar ist, dass es mit Boshoku in Geretsried nicht weitergehen würde, steht Hilpert mit der Dibag Industriebau AG in Kontakt. Die Dibag verkauft im Auftrag der Japaner das Gelände.  Zwei Drittel der Fläche habe das Unternehmen bereits an den Mann gebracht, sagt Hilpert und sieht das Projekt „auf einem sehr guten Weg“. Für weitere Auskünfte verweist sie an die Dibag selbst.

Dort hat Bianca Fertl das Projekt Geretsried erst vor zwei Monaten von einem ausgeschiedenen Kollegen übernommen. Sie entschuldigt sich deshalb dafür, „noch nicht in allen Einzelheiten“ Auskunft geben zu können. Bestätigen kann Fertl allerdings, dass nur noch ein Drittel des Geländes zu vergeben ist. Die Nachfrage sei rege. „Unter den Käufern sind auch örtliche Firmen. Und einige bisherige Mieter von Boshoku haben die von ihnen bislang genutzte Immobilie gekauft.“

Kleine Forschungsabteilung soll bleiben

Was die neuen Besitzer nun vorhaben, kann Fertl nicht sagen. „Abreißen, umbauen, neu bauen, es gibt viele Optionen.“ Namen möchte die Dibag-Mitarbeiterin ebenfalls nicht nennen. „Ich weiß nicht, ob das gewünscht ist. Da bin ich lieber etwas vorsichtig.“ Versichern können sowohl Bianca Fertl als auch Annette Hilpert, dass Boshoku – Überraschung – doch nicht ganz aus dem Dieselweg verschwinden wird. Offensichtlich will die Toyota-Tochter dort eine kleine Forschungsabteilung belassen.

Das Gelände hat in den vergangenen 70 Jahren mehrere Besitzerwechsel erlebt. Ab 1947 produzierten dort zunächst die Empe-Werke Türen und Fenster für den Wiederaufbau nach dem Krieg. 1953 stieg das Unternehmen in die Automobilbranche ein und fertigte dafür Tür- und Seitenverkleidungen, Himmel und Hutablagen. 1997 wurde das Werksgelände verkauft, erst an die US-Firma Findlay Industries (bis 2004), dann an Polytec in Österreich (bis 2011) und schließlich an Boshoku aus Japan.

Peter Borchers

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