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Streitpunkt Gewerbesteuer. Die Stadt Geretsried erhöht den Hebesatz von 320 auf 380 Punkte.

IGG-Vorstand Jochen Pelz legt beim FW-Stammtisch nach

Gewerbesteuererhöhung „wird sich rächen“

Geretsried - Nachtarock am Stammtisch der Freien Wähler. Es ging um die Gewerbesteuer und die Mittelschule.

Jochen Pelz, Vorstandsmitglied der Industriegemeinschaft Geretsried (IGG), kritisierte am Freie-Wähler-Stammtisch erneut die vom Stadtrat beschlossene Erhöhung der Gewerbesteuer auf 380 Prozentpunkte. Die Unternehmer seien bitter enttäuscht, sagte Pelz. Es gebe bereits Stornierungen von Firmen für den gemeinsam mit der Stadt geplanten Ausbildungstag für die Schulen im Juli.

"Wie wollt Ihr Eure Gewerbeflächen in Gelting-Ost verkaufen?" 

Viele Unternehmen könnten in Zukunft keine Mitarbeiter mehr einstellen, nicht mehr ausbilden und müssten jegliches Sponsoring streichen, erklärte Pelz. „Die Stadt rühmt sich mit einem Imagefilm als wirtschaftsfreundlich, schadet der Industrie aber auf der anderen Seite“, ärgert sich das IGG-Vorstandsmitglied. Pelz warnte wie schon am CSU-Stammtisch vor einem Monat davor, dass Unternehmen abwandern und neue sich nicht ansiedeln würden. „Wie wollt Ihr Eure Gewerbeflächen in Gelting-Ost verkaufen?“, fragte er die anwesenden Stadträte. „Es wird sich rächen“, prophezeite er und warf der Stadt „Kompromisslosigkeit und schlechtes Timing“ vor.

Die Freie-Wähler-Fraktion hatte zwar wie berichtet geschlossen gegen die Anhebung votiert, war aber deutlich von CSU, SPD und Grünen überstimmt worden. Der Entwurf, den Fraktionssprecher Robert Lug mit dem Ziel eingebracht hatte, an anderer Stelle zu sparen, wurde abgelehnt.

Den Mehrheitsbeschluss habe er als Demokrat zu akzeptieren, erklärte Stadtrat Lorenz Weidinger. Die Freien Wähler würden für alle Bürger stehen, ob Industrielle, sozial Schwache oder Schüler. Weidinger räumte ein, dass die Vermarktung des neuen Gewerbegebiets schlecht laufe, obwohl die Stadt die „angeblich beste Agentur Deutschlands“ eingeschaltet habe. Schuld seien einige Stadträte, die „ihr eigenes Gewerbegebiet schlechtgeredet haben“. Die Bodenverhältnisse seien nicht so problematisch wie dargestellt. „Das Erdreich ist absolut sauber, frei von Altlasten“, betonte Weidinger. Der FW-Stadtrat meinte, dass man entgegen früherer Vereinbarungen in Gelting-Ost wohl doch Logistiker ansiedeln werden müsse – was noch mehr Verkehr für die ohnehin schon geplagten Bürger in Gelting bedeuten würde.

Adalbert-Stifter-Mittelschule: Abbrechen statt sanieren

Ein weiteres Thema am Stammtisch war die Mittelschule.  „Darauf, dass mit der Mittelschule endlich etwas passiert, haben wir lange gewartet“, sagte die Ortsvorsitzende der Freien Wähler (FW), Vera Kraus, beim Stammtisch am Donnerstagabend in der Gaststätte Isarwinkel. FW-Stadtrat Lorenz Weidinger sprach sich jedoch für einen Neubau statt einer Sanierung des Gebäudes an der Adalbert-Stifter-Straße aus.

Der Architekt Peter Oppenheimer hatte dem Stadtrat in der jüngsten Sitzung eine Machbarkeitsstudie vorgestellt (wir berichteten). Eine Generalsanierung mit Erweiterungsbau würde seinen Berechnungen zufolge rund elf Millionen Euro kosten. Alternativ soll nun auch ein kompletter Neubau geprüft werden. „Wenn wir jetzt anfangen würden, zu bauen, könnte das neue Schulhaus in fünf Jahren stehen“, glaubt Ingenieur Weidinger. Er hält die für einen Neubau veranschlagten 18 Millionen Euro Kosten für zu hoch gegriffen. Dass eine Entkernung und Renovierung des Gebäudes aus dem Jahr 1974 sich lohnt, bezweifelt er: „Kein Mensch kann hinter die Fassade sehen. Wir wissen nicht, was da alles auf uns zukommen würde.“ Fraktionssprecher Robert Lug meinte, wegen der ungewissen Entwicklung der Schülerzahlen an der Mittelschule könne man so planen, dass Anbauten und Aufstockungen des Gebäudes jederzeit möglich wären.

Tanja Lühr

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