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Wenn in Geretsried wie am vergangenen Freitag Bomben auftauchen, wird evakuiert. Für die Bewohner ist es schon ein Stück weit Normalität.

Relikte aus dem Zweiten Weltkrieg

Woher kommen die Geretsrieder Bomben?

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Immer wieder tauchen in Geretsried Bomben auf. Sie stammen alle von einem Angriff der Amerikaner, die am 9. April 1945 in wenigen Minuten über 2000 Stück abwarfen. Viele zündeten nicht - und liegen heute noch im Erdreich.

Geretsried – Fast überall in Bayern geraten die Menschen in Panik, wenn eine Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg auftaucht. Nicht so in Geretsried. Hier bleiben die Bürger im Fall der Fälle relativ gelassen – so auch am vergangenen Freitag, als Baggerfahrer an der Böhmerwaldstraße auf einen Blindgänger stießen. Es passiert eben mit einer gewissen Regelmäßigkeit, dass solche hochexplosiven Relikte im Erdreich gefunden werden. Alle Bomben stammen von einem einzigen Angriff, den die Amerikaner am 9. April 1945 über dem Wolfratshauser Forst geflogen sind. Viele der Sprengbomben haben damals nicht gezündet – und sind deshalb immer noch eine potenzielle Gefahr.

Über den Rüstungsbetrieben ging ein wahrer Bombenhagel nieder

Werner Sebb vom Arbeitskreis Historisches Geretsried weiß mehr über diesen Angriff zu erzählen. „Der 9. April war ein sonniger Frühlingstag“, sagt er. Plötzlich hörten die Arbeiter der Munitionsfabrik im Geretsrieder Norden in dumpfes Grollen, das Geschwader näherte sich. In Gartenberg produzierte die Dynamit Actien-Gesellschaft (DAG) Munition für Hitlers Kriegsmaschinerie. Das blieb den Amerikanern nicht verborgen – und sie handelten. Zwischen 17.19 Uhr und 17.22 Uhr an jenem 9. April, also in nur drei Minuten, ging ein wahrer Bombenhagel nieder. „Nach unseren Forschungen warfen 76 Flugzeuge 2078 Bomben ab“, erzählt Sebb. 1979 davon waren Sprengbomben, gefüllt mit Explosivstoffen und einem Zünder versehen. Bei 99 handelte es sich Brandbomben, gefüllt mit Phosphor. Wenn sie zu Boden fielen, riss der das Aluminium auseinander, der Phosphor lief aus, und es fing zu brennen an. Werner Sebb, der kurz nach Kriegsende nach Geretsried kam, hat solche Phosphorbomben selbst nach dem Krieg noch entsorgt.

Ein Wachslager wurde getroffen, die Rauchentwicklung war enorm

Fakt ist, dass trotz der großen Mengen an Bomben der Schaden gering blieb. Getroffen wurde ein Wachslager, die Rauchentwicklung war enorm. Aber sonst? Zündeten viele Bomben nicht. Dennoch sind die Amerikaner zu einem späteren Zeitpunkt nicht zurückgekehrt. Das hat für Spekulationen gesorgt. Wollten sie nur ein Zeichen setzen? Werner Sebb hat eine andere Vermutung. Er glaubt: Aus der Luft ließ sich innerhalb von drei Minuten nicht abschätzen, ob der Angriff wirklich erfolgreich war oder nicht. „Die Piloten haben den Rauch aus dem Wachslager gesehen und mehrere Detonationsblitze“, sagt er. „Sie haben einfach ihre Fracht abgeworfen. Damit war der Fall für sie erledigt.“

Bislang konnten alle Bomben entschärft werden

Überhaupt hatten die Alliierten andere Pläne. „Es ging ab 1943 darum, mit Bomben die Bevölkerung zu demoralisieren, in der Hoffnung, dass das Volk sich seines Regimes selbst entledigt.“ Dafür hätten Städte wie München viel einfachere Ziele dargestellt als gut getarnte Munitionsfabriken. „Davon haben sich die Alliierten nicht viel versprochen.“ Immer wieder tauchen Bomben von jenem 9. April im Bereich Blumenstraße auf – so auch am vergangenen Freitag. Davor, am 17. Oktober 2013, fand man am Fasanenweg einen Blindgänger. Es steht zu erwarten, dass auch in Zukunft unliebsame Relikte aus der Vergangenheit im Gartenberger Erdreich auftauchen. Ebenso sicher ist, dass die Geretsrieder kein großes Aufheben darum machen, wenn sie ihre Häuser verlassen müssen. „Wir hatten eben das Riesenglück, dass alle Entschärfungen gut ausgegangen sind“, so Sebb. „Hoffentlich bleibt das so.“

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