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Bis zu 600 Wohnungen könnten auf der 4,2 Hektar großen Industriebrache zwischen der Banater Straße und der Elbestraße entstehen.

Häuser als Schallbarriere

Wohnen am Lorenz-Areal: Schallschutz-Probleme lösbar

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Geretsried – Auf dem ehemaligen Lorenz-Areal könnten zahlreiche Wohnblöcke entstehen. Ein Lärmschutzgutachten sieht keine großen Probleme.

Der Lärmschutz wäre beherrschbar: Das ist eine erste wichtige Erkenntnis bei den Vorüberlegungen für ein Wohngebiet auf dem ehemaligen Lorenz-Areal. Architekt Klaus Kehrbaum berichtete am Dienstag in der Sitzung des Entwicklungs- und Planungsausschusses über den aktuellen Stand der Planung. Auf der 4,2 Hektar großen Industriebrache zwischen Elbe- und Banater Straße könnten wie berichtet bis zu 600 Wohnungen entstehen. Die entscheidende Frage ist, ob dadurch umliegende Betriebe beeinträchtigt werden.

Lärmschutzwall löst das Problem nicht

Ein Lärmschutzwall zur Straße hin löst das Problem nicht: Der könnte vier Meter hoch sein und dennoch wäre die Geräuschkulisse für Bewohner des dritten und vierten Obergeschosses zu groß. Die Planer möchten das Problem anders angehen: Die Häuser selbst sollen den Lärm abschirmen, in dem die Bebauung zur Straße hin mindestens vier- oder fünfgeschossig ausfällt. Im Inneren der Siedlung würden dann die Lärmgrenzen für allgemeine Wohngebiete – 55 Dezibel am Tag und 40 Dezibel nachts – eingehalten werden. „Schalltechnisch wären in der Mitte der Siedlung sogar theoretisch zehn Geschosse möglich“, sagte Kehrbaum.

Die Nutzung der Häuser als Schallbarriere wirkt sich auf die Gestaltung der Wohnungen aus. Die Fenster der Schlafräume und der Wohnzimmer müssten laut dem Architekten zur schallabgewandten Seite zeigen. Nur Fenster in Zimmern wie Küche und Bad dürften zur lärmbehafteten Seite ausgerichtet sein. Grundlage des derzeit noch laufenden Schallschutzgutachtens ist laut dem Architekten die maximale Ausschöpfung des Baurechts auf den Anliegergrundstücken. Das heißt, es wird angenommen, dass die Firmen ihre Betriebe bis zur Grundstücksgrenze ausweiten und dort rund um die Uhr gearbeitet wird (siehe Kasten).

In einer ersten unverbindlichen Skizze sind auf dem Grundstück zahlreiche Blöcke eingezeichnet. Diese wollen die Planer in Ost-West-Richtung ausrichten, „damit man morgens und abends Sonne hat“, erklärte Kehrbaum. Um eine „Ghettoisierung“ in dem geschlossenen Quartier zu vermeiden, soll etwa ein Drittel der Wohnungen als staatlich geförderter Wohnungsbau errichtet werden, ein weiteres Drittel ist als frei vermietbare Wohnungen vorgesehen. 40 Prozent sollen als Eigentumswohnungen entstehen. Zudem braucht es laut Kehrbaum unbedingt eine Kindertagesstätte. Ihr Arbeitstitel in dem Sachstandsbericht: „Mensch ärgere Dich nicht“.

Die Erschließung erfolgt über Banater Straße und Elbestraße

Erschlossen werden soll das gesamte Gelände über die Banater Straße auf der einen und die Elbestraße auf der anderen Seite. Damit die Erschließungsstraße nicht als Schleichweg missbraucht wird, soll sie sich durch die Wohnblockreihen hindurchschlängeln. Außerdem soll die Siedlung teilweise autofrei werden. Das ist laut Kehrbaum „charmanter“. Die Autos der Anlieger könnten übrigens in Tiefgaragen unter den Wohnblöcken verschwinden. Kehrbaum versprach: „Wir kriegen alle Stellplätze unter.“ Außerdem sollen die Tiefgaragen mit Aufzügen und Treppenhäusern direkt an die Hausflure angebunden werden. Um Kosten zu sparen, könnte das Erdgeschoss um eineinhalb Meter erhöht werden. Das hätte den Vorteil, dass die Tiefgarage nicht um ein ganzes Stockwerk abgesenkt werden müsste.

Grundstückseigentümer Reinhold Krämmel hatte vor der Sitzung in einem Gespräch mit unserer Zeitung betont, mit dem Neubauprojekt auch im Sinne der Wirtschaft zu handeln. „Wir schaffen damit bezahlbaren Wohnraum für die dringend benötigten Fachkräfte.“ Die Umwidmung des Gebiets in ein Wohngebiet ist umstritten. Mehrere Anläufe, die Industriebrache nach der Schließung der Spielzeugfabrik Lorenz im Jahr 2006 zum Leben zu erwecken, waren in den vergangenen Jahren gescheitert. Zuletzt hatte Krämmel ein Fachmarktzentrum mit einem Hotel geplant.

dor

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