+
Wie die Biss-Spuren am Kadaver zu deuten sind, darüber sind sich Landwirt und Behörde uneins. 

Umwelt stellt Fall anders da

Wolf im Landkreis? Landwirt klagt über Behörden-Arroganz

  • schließen

Landwirt Georg Nagl ist sicher: Die Behörden wollen vertuschen, dass ein Wolf sein Kalb gerissen oder zumindest aufgefressen hat. Er fühlt sich völlig allein gelassen. Das Landesamt für Umwelt (LfU) stellt den Fall ganz anders dar.

Geretsried – Es war das letzte Septemberwochenende, als Landwirt Georg Nagl (65) aus Gelting auf seiner Jungviehweide ein verstümmeltes Kalb gefunden hat. Etwa 500 Meter Luftlinie von seinem Hof entfernt, zwischen Kanal und Loisach, fand er den Kadaver, der regelrecht ausgeweidet war. Es handelte sich um ein Neugeborenes, das in den vorangegangenen Stunden entweder schon tot zur Welt gekommen war oder kurz nach der Geburt gerissen wurde. Nur die obere Hälfte des Rumpfs war übrig geblieben, wirklich kein schöner Anblick, auch für den erfahrenen Bauern nicht. Für ihn steht der Verursacher fest: „Jeder weiß doch, dass sich in der Beuerberger Gegend ein Wolf herumtreibt“, sagt Nagl.

Deshalb kann der Landwirt nicht begreifen, warum das Landesamt für Umwelt (LfU) für den Fall offenbar kein großes Interesse aufgebracht hat. Jedenfalls wurde keine Speichelprobe genommen, obwohl das keinen großen Aufwand bedeutet hätte. Und von den Behörden hat sich auch niemand blicken lassen, weder vom Landratsamt noch vom LfU.

Enttäuscht vom Vorgehen der Behörden

Nagl ist aus verschiedenen Gründen sicher, dass der Wolf zugeschlagen hat. Zum einen habe die Polizei Fotos von dem Tier gemacht, und einer der Polizisten, selbst Jäger, habe ihm bestätigt, dass es sich beim Übeltäter durchaus um einen Wolf gehandelt haben kann. Außerdem habe seine Frau früher in einem Tierpark in der Steiermark gearbeitet und wisse aus eigener Anschauung, dass Wölfe bei Kadavern, anders als bei lebendigen Tieren, nicht erst in den Hals- und Nackenbereich beißen. „Die gehen sofort ans Fleisch.“ Außerdem habe er Fotos der Polizei herumgezeigt, und die Resonanz von Kennern – etwa ein Wolfsbeauftragter aus dem Allgäu – war eindeutig: ein Werk des Wolfs.

Vom Vorgehen der Behörden ist er absolut enttäuscht. Für deren angebliche Untätigkeit hat er nur eine Erklärung: „Die wollen es unter den Teppich kehren.“ Nie sei ein Behördenvertreter bei ihm persönlich vorbeigekommen, nur telefonisch habe man mit ihm kommuniziert. Er und seine Frau hatten den Eindruck, als wolle man sich mit der Sache gar nicht richtig beschäftigen. „Am Schluss hat es geheißen: Tun Sie die Reste in die Tierkörperverwertung.“

„Man sollte die Leute nicht so allein lassen“

Wie die Biss-Spuren am Kadaver zu deuten sind, darüber sind sich Landwirt und Behörde uneins. 

Auch Rolf Oehler, Chef des Landwirtschaftsamts in Holzkirchen, hält das Vorgehen des LfU für unglücklich. „In einer Lage, wo über den Wolf so emotional diskutiert wird, sollte man die Leute nicht so allein lassen“, findet er. Ganz unabhängig von der Frage, ob es wirklich der Wolf war oder nicht. Erst vor wenigen Tagen kochten die Emotionen bei der Versammlung des Jagdkreisverbands hoch. Seit dem positiven DNA-Befund in St. Heinrich vom April dieses Jahres herrscht massive Verunsicherung unter den Landwirten. Hartnäckig halten sich Gerüchte, dass der Wolf durch die Gegend streift

Das Landesamt für Umwelt stellt den Fall ganz anders dar. Im Geltinger Fall sei man genauso verfahren, wie es vorgesehen ist, versichert eine Sprecherin. Man sei am 29. September telefonisch von der Polizei über den Fund des toten Kalbes informiert worden. Daraufhin habe die Behörde die Polizei um weitere Informationen gebeten, insbesondere um eine genaue Untersuchung an Kehle und Hals.

LfU: Fotodokumentation schließt Wolf aus

Das Ergebnis sei eindeutig gewesen: „Basierend auf den Informationen der Fotodokumentation, dem Ereignisprotokoll und den Aussagen des Polizeibeamten, insbesondere durch das Fehlen von Bissspuren im Hals und Nackenbereich, wird ein Wolf als Verursacher ausgeschlossen“, lässt die Behörde mitteilen. Der Fall war für die Sachbearbeiter offenbar so klar, dass man auf eine Beteiligung des Netzwerks Große Beutegreifer verzichtet. Dabei handelt es sich um Experten vor Ort – Jäger, Förster, Landwirte und Naturschützer –, die sich des Falls annehmen.

Das Landratsamt hatte mit den Geltinger Vorgängen nur am Rande zu tun. „Wir hatten nur die Aufgabe, die Nachricht zu überbringen“, erklärt Sprecherin Marlies Peischer. Dies sei telefonisch geschehen. Übrigens haben sich die Meldungen über wirkliche oder angebliche Wolfsrisse durch Landwirte in den vergangenen Monaten nicht gehäuft. „Es war der einzige Fall im Juli in St. Heinrich.“ Auch dort wurde ein Wolfsriss ausgeschlossen.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Alkohol-Fahrt endet in Endlhauser Vorgarten
Zu tief ins Glas geschaut hatte in der Nacht auf Sonntag offensichtlich ein Penzberger. Seine Alkoholfahrt im Gemeindebereich Egling endete in einem Vorgarten.
Alkohol-Fahrt endet in Endlhauser Vorgarten
Unfallserie auf glatten Straßen im Landkreis
Auf den Straßen des nördlichen Landkreises kam es am Wochenende zu diversen Kollisionen – und kuriosen Unfallfluchten.
Unfallserie auf glatten Straßen im Landkreis
Geretsrieder Kulturherbst: Der Vorverkauf läuft „phänomenal“
Günter Wagner baut das Programm des kommenden Kulturherbstes kontinuierlich aus. Der Festivalleiter sucht weitere Sponsoren.
Geretsrieder Kulturherbst: Der Vorverkauf läuft „phänomenal“
St. Laurentius erstrahlt nach Sanierung wieder
Weihwasser, Chrisam, Weihrauch und Kerzenschein: Weihbischof Wolfgang Bischof hat den neuen Altar in der Königsdorfer Pfarrkirche geweiht. Sie erstrahlt nach der …
St. Laurentius erstrahlt nach Sanierung wieder

Kommentare