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Fleißige Stadträte: Zum zweiten Mal binnen kurzer Zeit trafen sich die Mandatsträger aus Geretsried und Wolfratshausen zu einer Klausurtagung. Mit dabei die Bürgermeister Michael Müller und Klaus Heilinglechner (stehend). 

Gemeinsamer Nenner bei Klausurtagung 

Wolfratshausen und Geretsried wollen weg vom Auto

Bei einer gemeinsamen Klausurtagung des Geretsrieder und des Wolfrathauser Stadtrats wurde eines klar: Der öffentliche Personennahverkehr muss gestärkt werden.  

Geretsried/Wolfratshausen Es war breiter Konsens unter den 22 Geretsrieder und 20 Wolfratshauser Stadträten, die am Freitag an der gemeinsamen Klausur in der Geretsrieder Isardamm-Grundschule teilnahmen: Der Autoverkehr muss ab-, der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) zunehmen. Radfahren soll in beiden Kommunen sicherer und attraktiver werden.

Die Teilnehmer, unter ihnen Verwaltungsmitarbeiter aus den Bereichen Bauen, Verkehr und Umwelt, befassten sich mit Unterstützung externer Moderatoren knapp vier Stunden lang in Arbeitsgruppen mit dem Thema Mobilität. In einer ersten Klausur in Wolfratshausen war dies als ein mögliches, gemeinsames Handlungsfeld festgelegt worden (wir berichteten). „Autofahren darf keinen Spaß mehr machen“, formulierte Moderatorin Sabine Hafner recht drastisch das Ergebnis, das in ihrer Gruppe erarbeitet wurde. Es gelte primär, Lösungen zur Entlastung der Innenstädte zu finden. Der Karl-Lederer-Platz in Geretsried könnte zwar mittelfristig zur Fußgängerzone umgestaltet werden, bei der Marktstraße in Wolfratshausen ist dies aber schwierig, weil es eine Bundesstraße ist. Breitere Gehwege, Tempolimits, „shared space“- Bereiche, in denen alle Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt sind, und höhere Parkgebühren sollen die Zentren fußgänger- und fahrradfreundlicher machen.

Ähnliche Forderungen präsentierte der Geretsrieder FW-Stadtrat Heiko Hawla für seine Gruppe. Diese würde gern im gesamten Stadtgebiet Tempo 30 einführen. Radwege müssten durch gute Fahrbahnbeläge, Beleuchtung und sichere Querungshilfen – zum Beispiel an der Blumenstraße – optimiert werden. Zwischen Geretsried und Wolfratshausen könnte ein Radschnellweg eingerichtet werden. Generell müssten Fuß- und Radwege voneinander getrennt werden.

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Geretsried soll, wie die Loisachstadt, offizielle „fahrradfreundliche Kommune“ werden. Die Klausurteilnehmer wünschen sich in diesem Kontext mehr Ladestationen für Elektro-Fahrräder, mehr Fahrradabstellplätze in Parkhäusern sowie Zuschüsse für den Kauf von E-Bikes in Geretsried beziehungsweise eine Erhöhung der Zuschüsse in Wolfratshausen. Nachdem mehrere Carsharing-Versuche in der Vergangenheit gescheitert waren, könnte die Bildung von Fahrgemeinschaften helfen, den Individualverkehr zu reduzieren. Über die Einrichtung einer gemeinsamen Plattform soll nachgedacht werden.

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Annette Heinloth, Grünen-Stadträtin aus Wolfratshausen, stellte die Vorschläge aus dem Bereich ÖPNV vor. Die Finanzierung der überörtlichen Buslinien sei zwar Sache des Kreistags, doch die Nachbarn könnten beim Stadtbus kooperieren. Ein gemeinsamer Bus, eventuell unabhängig vom MVV, der kostengünstig oder sogar kostenlos verkehrt, wurde als Ziel formuliert. Shuttlebusse könnten die Menschen zu viel besuchten Zielen wie dem Märchenwald in Wolfratshausen bringen. Außerdem erwägen die beiden Stadträte, einen Mobilitätsmanager für beide Städte einzustellen.

Moderator Dr. Götz Braun fasste erfreut zusammen, dass Autofahrer in den Städten keine Lobby hätten. „Ein Anfang ist geschafft“, stellte Braun fest. Geretsrieds Bürgermeister Michael Müller (CSU) möchte auf der Grundlage des Workshops ein gemeinsames Mobilitätskonzept entwickeln. Die großen Herausforderungen der Zukunft ließen sich nur in Kooperation lösen, betonte er. Für seinen Wolfratshauser Kollegen Klaus Heilinglechner (BVW) bedeutet das, dass man auch bei der Aufstellung der jeweiligen Flächennutzungspläne Hand in Hand arbeitet. Ein gemeinsamer Plan sei das übergeordnete Ziel.Tanja Lühr

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