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Wegen einer Couchgarnitur

Räuberische Erpressung: Geretsrieder (22) angeklagt

Weil er einem ehemaligen Freund 800 Euro für eine Couchgarnitur schuldig blieb, fand sich ein 22-jähriger Geretsrieder vor dem Wolfratshauser Schöffengericht wieder. Die Staatsanwaltschaft legte dem gelernten Autoschlosser räuberische Erpressung und Beleidigung zur Last.

Geretsried – Im Falle einer Verurteilung drohte ihm mindestens ein Jahr Gefängnis. „Sie haben sich denkbar dämlich angestellt“, sagte der Vorsitzende Richter Helmut Berger und machte damit deutlich, dass der Angeklagte sich diese Verhandlung leicht hätte ersparen können. Was war passiert? Im Februar 2015 kaufte der Geretsrieder von einem Arbeitskollegen eine gebrauchte Couchgarnitur zum Preis von 1600 Euro. Damals sei klar gewesen, dass er die Möbel erst später würde bezahlen können, bestätigte der geschädigte Verkäufer (25) vor Gericht. Erst „irgendwann im Frühjahr oder Sommer“ habe er mit dem Geld gerechnet. Tatsächlich habe er mal 50 Euro Anzahlung bekommen. Darüber hinaus erhielt er Naturalien: ein beschädigtes iPhone 6 und eine Playstation, beides verkaufte der Zeuge weiter. Zudem habe er ein „Heimkino“ im Wert von rund 450 Euro erhalten. Das behielt er selbst.

Geretsrieder drohte: „Ich schlage Deinen Kopf gegen die Scheibe“

Versuche, an sein restliches Geld zu kommen, scheiterten. „Er hat öfter seine Handynummer gewechselt oder meine Anrufe gesperrt“, sagte der Zeuge. Als er ihn eines Tages auf der Straße traf, habe der Angeklagte ihn vertröstet. Wenig später traf man sich zufällig an einer Bushaltestelle wieder. „Du kannst mich am A..... lecken“, habe der Geretsrieder ihm damals zu verstehen gegeben und gedroht: „Ich schlage Deinen Kopf gegen die Scheibe, wenn Du weiter wegen dem Geld nervst.“

Geschädigter zog Strafanzeige zurück

Gut zwei Wochen später erstattete der Geschädigte, der inzwischen in Budapest lebt, Anzeige. „Es stimmt alles so, wie er berichtet hat“, sagte der Angeklagte, nachdem der Zeuge gegangen war. Zu Beginn der Verhandlung hatte er sich zum Geschehen nicht geäußert. Der Grund dafür war, dass der Geschädigte wenige Tage vor dem Prozesstermin mit der Mutter des Angeklagten Kontakt aufgenommen und „eine Vereinbarung gefunden hat, die uns beiden passt“, wie der Zeuge formulierte. 330 Euro habe er bereits erhalten, den selben Betrag solle er Mitte März bekommen. „Er hat mir das Geld zurückgegeben, und wir vergessen diese ganze Geschichte“, meinte der Zeuge. „So einfach geht’s nicht, dass wir deshalb jetzt aufhören können“, stellte der Richter klar. Weil der Geschädigte seine Strafanzeige zurücknahm, wurde die angeklagte Beleidigung gestrichen.

Angeklagter erhält Bewährung

Auch den Rest einzustellen, darauf mochte sich die Staatsanwältin jedoch nicht einlassen. „Er hat mit einer Körperverletzung gedroht, weil er wollte, dass der Zeuge auf Geld verzichtet“, so die Anklagevertreterin. „Das erfüllt den Tatbestand der räuberischen Erpressung.“ Allerdings waren sich alle Beteiligten darin einig, dass man von einem minderschweren Fall ausgehen könne. Das Schöffengericht verurteilte den Geretsrieder zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten, die Staatsanwältin hatte zehn Monate beantragt. Die Strafe wurde für zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Als Auflage muss der Verurteilte 1000 Euro an den Christophorus Hospizverein zahlen.

Von Rudi Stallein

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