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Harte Arbeit kurz vor Ferienstart: Christian Zingler unterschreibt alle Zeugnisse der Geretsrieder Realschüler. Er selbst erinnert sich an sein Zweitklass-Zeugnis noch ganz genau. Die Lehrerin hatte den Lausbub ein bisserl geschimpft.

Zum Start in die Sommerferien

Jetzt verraten die Schulleiter ihre Zeugnisnoten

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Bad Tölz-Wolfratshausen – Endlich Zeugnisse, endlich Ferien! Aber wie gut waren eigentlich die Schulleiter in der Schulzeit? So viel vorweg: Ihre Lehrer mussten schimpfen.

An den letzten Schultag in der zweiten Klasse erinnert sich Christian Zingler (51) noch genau. Und zwar so genau, dass der Leiter der Geretsrieder Realschule auswendig aus seinem damaligen Zeugnis zitieren kann. Die Klassleiterin, eine herzensgute Klosterschwester, hatte die Bemerkung zum Verhalten mit einem Füllfederhalter aufgeschrieben. „Außerhalb der Schule“, notierte sie, „gehörte Christian meist zu den Angreifern. Sein vorgetäuschtes Bravsein muss er sich noch abgewöhnen.“ Es waren einprägsame Worte. Ein Appell an einen Lausbuben, den man nie vergisst.

Zingler muss lachen. Über 40 Jahre ist es jetzt her, dass er das Zeugnis in seiner niederbayerischen Heimat Landau an der Isar in die Hand gedrückt bekam. „Ja, sie hat ja Recht gehabt“, sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung. „Jetzt bin ich wirklich brav.“ Heute bekommt Zingler nicht nur ein Zeugnis, sondern hunderte: Als Schulleiter unterschreibt er sie.

1,5 Millionen Schüler in Bayern bekommen Zeugnisse

Bayernweit stürmen heuer 1,5 Millionen Schüler mit dem Zeugnis im Schulranzen in die Sommerferien. Der letzte Schultag war schon immer ein besonderer, wie neben Zingler auch andere heutige Rektoren und Direktoren feststellen.

Brigitte Leick, Rektorin der Karl-Lederer-Grundschule in Geretsried, haben Aufsätze und der Sachkundeunterricht besonders Spaß gemacht. Und sonst? „Ich war immer recht schnell zufrieden“, sagt sie und grinst. „Ich war weder sehr gut, noch waren meine Zeugnisse außergewöhnlich schlecht.“ Früher habe es unterm Schuljahr nur selten Rückmeldungen von Lehrern zu den Leistungen gegeben. „Heute weiß man ja, was auf einen zukommt.“

Zeugnisse lesen: "Da lache ich oft über mich selbst"

Astrid Barbeau, Direktorin des Ickinger Rainer-Maria-Rilke-Gymnasiums, blättert ihre alten Zeugnisse immer mal wieder durch. „Da lache ich oft über mich selbst.“ Weil man nachlesen könne, wie man sich im Laufe der Zeit verändert hat. „Da ist nichts in Stein gemeißelt.“

Rektor Bernhard Sappel von der Eglinger Grundschule findet es ganz gut, dass er seine Zeugnisverleihungen nicht mehr vor Augen hat. „Keine schlechten Erinnerungen also“, sagt er. Viel wichtiger als Noten sei aber sowieso, dass die Schüler stolz sind auf ihre Leistungen. In Egling gibt es deswegen jedes Jahr eine große Abschlussfeier, für die die Schüler Sketche und Lieder einüben. „Das nimmt den Druck raus.“ Über 100 Eltern haben heuer zugeschaut.

Für gute Noten gab's Geld. "Reich geworden bin ich nicht."

Die Eltern von Christine Kolbeck, stellvertretende Schulleiterin am Geretsrieder Gymnasium, haben immer genau auf die Bemerkungen im Zeugnis geschaut. „Das hat zu Ärger geführt, wenn ich wieder geschwätzt habe“, sagt sie. Für gute Noten gab’s zur Belohnung Geld: zwei Mark für eine Eins, eine Mark für eine Zwei. Für eine Vier oder Fünf musste Kolbeck dagegen Geld auf den Tisch legen. „Ich bin immer mit einem Plus rausgegangen. Aber reich geworden bin ich nicht.“

Für sie seien Zeugnisse sehr wichtig, besonders das Abizeugnis. Es liegt daheim in einem goldenen Ordner. Der Zeugnistag war immer spannend, sagt Kolbeck. Aber nicht wegen den Noten. „Ich habe mich wahnsinnig auf die großen Ferien gefreut. Da habe ich dann auch sechs Wochen lang nicht gelernt.“

dor

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