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Drei junge Frauen mussten sich vor dem Amtsrichter wegen Beleidigung beziehungsweise Körperverletzung verantworten.

Amtsgericht

Zickenkrieg in Geretsried endet mit deutlicher Ansage des Richters

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Weil drei junge Frauen ihren Zickenkrieg auch vor Gericht fortsetzen, wird Richter Urs Wäckerlin sauer. 

Geretsried/Wolfratshausen – Eine ganze Weile verfolgte der Vorsitzende, wie die drei jungen Frauen, ihren Zickenkrieg, der sie auf der Anklagebank gebracht hatte, im Gerichtssaal fortführten. Dann platzte ihm der Kragen. „Das schau’ ich mir nicht länger an. Das ist ja das Allerletzte“, schimpfte Richter Urs Wäckerlin, als der x-te Versuch des Jugendgerichtshelfers wirkungslos verpuffte, die streitlustigen Mädels dazu zu bewegen, sich zu vertragen. „Ich finde das oberpeinlich“, machte Wäckerlin deutlich. „Jetzt müssen wir uns hier vor versammelter Mannschaft mit ihrem pubertären Quatsch beschäftigen.“

Der Fall: Eine Auszubildende (20) und zwei Schülerinnen (17) treffen sich zu einer Aussprache. Die beginnt damit, dass die Ladys gegenseitige Wertschätzung zum Ausdruck bringen: Nutte, Schlampe, Hure. „Die Beleidigungen kamen von überall. Wir haben uns gegenseitig beleidigt“, bestätigen die Drei. Das Treffen endet damit, dass die angehende Steuerfachangestellte von einer der Schülerinnen einen Schlag auf den Hinterkopf bekam, wofür sie sich mit einer Ohrfeige revanchierte.

Ein halbes Jahr nach dem Vorfall, der sich Ende Juni des vergangenen Jahres auf der Adalbert-Stifter-Straße in Geretsried ereignet hatte, trafen sich die Mädels vor Gericht wieder. Körperverletzung lautete der Vorwurf gegen die 20-Jährige. Die jüngste des Trios musste sich wegen Beleidigung verantworten. Bei der drei Monate älteren 17-Jährigen kam zu Körperverletzung, Beleidigung und Bedrohung noch eine Anzeige wegen Diebstahl hinzu: In einem Geretsrieder Supermarkt hatte sie gemeinsam mit einer Freundin Zigaretten geklaut und zwei Paar Sportschuhe mitgehen lassen.

Um die Diebstähle gab es keine Diskussionen, während die Erinnerung an die eine oder andere Begegnung in der Vergangenheit bei dem Trio offensichtliche Antipathie durchscheinen ließ. „Meine Hoffnung ist, dass die Damen sich irgendwann normal benehmen“, sagte Jugendgerichtshelfer Dlugosch, der sich bemühte, in dem „totalen Kindergarten“ eine goldene Brücke zu bauen, ehe der Richter aus der Haut fuhr. „Wie stellen Sie sich das in Zukunft vor?“, fragte Wäckerlin in scharfem Ton. „Ich erwarte jetzt von jedem eine erwachsene Antwort.“ Das wirkte. „Ich werde einfach vorbeigehen, und die Telefonnummern unwiederbringlich löschen“, versprach die Jüngste. „Ich werde so tun, als hätten wir uns nie gekannt. Das wünsche ich mir von denen auch“, meinte die andere 17-Jährige. „Wir gehen uns einfach aus dem Weg. Einen gewissen Respekt sollte jeder aufbringen“, sagte die 20-Jährige.

Das gefiel dem Richter. Die erzieherischen Maßnahmen: Die Auszubildende muss 16 Sozialstunden ableisten. Die Jüngste, die auch den geringsten Tatanteil hatte, muss acht Stunden in einer sozialen Einrichtung arbeiten. Die bereits mit zwei Ahndungen wegen Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz vorbelastete 17-Jährige muss für ihre zwei Anzeigen zusammen 40 Sozialstunden ableisten. Zudem erteilte der Richter der jungen Frau eine Arrestwarnung. „Das ist ein Friedensangebot von Herrn Dlugosch und dem Herrn Staatsanwalt, das ich unterschreiben würde“, sagte Wäckerlin. „Aber so eine Anzeige will ich hier auf dem Schreibtisch nicht mehr sehen.“ 

rst

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