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Unter dem Dach dieser Lagerhalle werden bis Ende März 70 Wohncontainer für insgesamt 175 Flüchtlinge aufgestellt,

Keine Verlängerung an der Jeschkenstraße

Für fünf Jahre: Asylunterkunft in der Filigran-Halle

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Geretsried - Ein Zufluchtsort auf Zeit wird die Filigran-Halle. Dort werden 70 Wohncontainer für insgesamt 175 Flüchtlinge aufgestellt.

Selbst wenn es die Stadt wollte, könnte sie es nicht verhindern: Seit der Bundestag das Baurecht gelockert hat, ist auch in Gewerbegebieten eine Unterbringung von Asylbewerbern zulässig. Der einzige Hebel, den die Kommune ansetzen kann, ist die zeitliche Befristung. Maximal fünf Jahre, so kam der Bauausschuss am Dienstagabend überein, sollen Flüchtlingsheime bestehen bleiben. Das gilt sowohl für die bereits abgesegnete private Unterkunft an der Jeschkenstraße 12e als auch für die vom Landratsamt geplante Containerlösung an der Blumenstraße 15.

Eine ungewöhnliche Form der Unterbringung

Es ist die bislang ungewöhnlichste Form der Unterbringung von Asylbewerbern. Unter dem Dach einer ehemaligen Halle der Firma Filigran – sie zog in den 1990er Jahren in die Nähe von Dessau – werden in kleinen Gruppen und zum Teil zweigeschossig 70 Container für jeweils zwei bis drei Flüchtlinge aufgestellt. Die Gemeinschaftsräume befinden sich in einem angrenzenden Verwaltungstrakt: Dort werden jeweils 20 Duschen und WCs, drei Küchen sowie zwei Aufenthaltsräume eingerichtet. Außerdem gibt es ein Büro für die Mitarbeiter des Landratsamtes. Die Unterkunft wird rund um die Uhr von einem Sicherheitsdienst überwacht. Insgesamt entstehen 175 Plätze. Spätestens Ende März soll die Einrichtung bezugsfertig sein.

Laut René Beysel vom Landratsamt, hat diese Form der Unterbringung den Vorteil, dass die Menschen zumindest in ihrem Wohnbereich eine gewisse Privatsphäre haben – anders als zum Beispiel in einer Traglufthalle. Die Idee stammt ursprünglich aus dem Tourismusbereich. Im „Hüttenpalast“ in Berlin etwa stehen in einer Halle einzelne Wohnwagen für Rucksacktouristen. Die Filigran-Halle war dem Landratsamt von der Familie des einstigen Firmengründers angeboten worden. „Das war ein super positiver Kontakt“, lobt Beysel die gute Zusammenarbeit mit den Eigentümern.

250 Plätze am Schulzentrum - und 200 im Geltinger Gewerbegebiet?

Neben der Unterkunft an der Blumenstraße plant das Landratsamt wie berichtet am Schulzentrum einen Containerbau mit 250 Plätzen. Er soll Anfang Mai bezugsfertig sein und ist ebenfalls auf fünf Jahre befristet. Zudem ist angedacht, in einer Lagerhalle der insolventen Firma Christa Probst am Bürgermeister-Graf-Ring 10 im Geltinger Gewerbegebiet Container aufzustellen. Dort könnten in zwei Schritten 200 Menschen untergebracht werden. Das ist laut Beysel aber noch nicht sicher. „Die Verhandlungen laufen noch.“

Baurecht an der Jeschkenstraße wird nicht verlängert

Bereits abgesegnet hatte der Bauausschuss den Antrag eines privaten Investors aus München, der an der Jeschkenstraße ein Flüchtlingsheim mit rund 185 Plätzen bauen will. Weil aber die Vitalis Grundbesitz GmbH nun um eine Verlängerung des Baurechts auf zehn Jahre gebeten hat, kam der Antrag am Dienstag zur Wiedervorlage. Bei einer Befristung auf fünf Jahre, so argumentiert der Investor, wäre „die Schwelle zur Rentabilität nicht erreicht“. Der Ausschuss lehnte den Antrag dennoch ab. „Fünf Jahre müssen reichen“, war man sich einig, an der grundsätzlichen Linie festzuhalten. Gegen die Beschlüsse stimmten Franz Wirtensohn (CSU) und Dominik Irmer (Freie Wähler). Trotz der eindeutigen Rechtslage lehnen sie Asylbewerberunterkünfte in Gewerbegebieten per se ab.

Kein Asyl im Möbelhaus

Eine Unterbringung von Flüchtlingen im ehemaligen KC-Möbelhaus an der Sudetenstraße ist endgültig vom Tisch. Der Eigentümer, die Kerscher Immobilien Holding GmbH, will das Gebäude weiterhin gewerblich nutzen und dazu teilweise umbauen. Einem entsprechenden Bauantrag stimmte der Bauausschuss am Dienstagabend zu.

Demnach entsteht im Erdgeschoss ein Laden mit Werkstatt. In den Obergeschossen sind ein Boxgym und ein Fitnessstudio geplant. Um was für einen Laden es sich handeln wird, ist bislang nicht bekannt. Zentrenrelevanter Einzelhandel, so erklärte Michael Schlenz vom Bauamt, ist jedenfalls ausgeschlossen.

sas

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