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Zum Faschingsauftakt: Klaus Roeder erinnert sich an seine Zeit als Prinz in Geretsried

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Von: Doris Schmid

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Fasching anno dazumal: (oben v. li.im Uhrzeigersinn) Mit einem Telegramm fing alles an; Bürgermeister Karl Lederer beim Tanz mit der Garde; der Faschingsprinz Klaus Roeder am Mikrofon; das Programm und die Tanzfolge vom Siebenbürger Faschingsball 1967; ein schönes Paar: Klaus Roeder mit Gabriele Boos an seiner Seite.
Fasching anno dazumal: (oben v. li.im Uhrzeigersinn) Mit einem Telegramm fing alles an; Bürgermeister Karl Lederer beim Tanz mit der Garde; der Faschingsprinz Klaus Roeder am Mikrofon; das Programm und die Tanzfolge vom Siebenbürger Faschingsball 1967; ein schönes Paar: Klaus Roeder mit Gabriele Boos an seiner Seite. © Collage: Sabine Hermsdorf-Hiss

Fesche Prinzenpaare, schneidige Garden, verkleidete Narren und Närrinnen: Einer, der vor über 50 Jahren im Fasching ordentlich mitmischte, war Klaus Roeder, Fachingsprinz in Geretsried. Ein prall gefülltes Fotoalbum erinnert an diese Zeit.

Geretsried – Nach einer langen Corona-Zwangspause wird an diesem Donnerstag offiziell die Faschingssaison eingeläutet. Einer, der vor über 50 Jahren ordentlich mitmischte, war Klaus Roeder, Fachingsprinz in Geretsried. „Das war eine schöne Zeit gewesen“, sagt der heute 81-Jährige. An diese Zeit erinnert ihn ein prall gefülltes Fotoalbum. Unserer Redaktion gewährt er Einblicke.

 Ich habe damit überhaupt nicht gerechnet, aber egal, machste mal mit, hab’ ich mir damals gedacht.

Klaus Roeder

Die Nachricht, dass man ihn gerne zum Faschingsprinzen küren möchte, kam überraschend. Der gebürtige Oberschlesier war auf Weihnachtsurlaub bei der Familie in Berlin, als er ein Telegramm aus Geretsried erhielt. „Sie sind als Faschingsprinz vorgesehen, erbitten dringend telegrafische Einverständniserklärung, Fischer Gartenberg“, heißt es in der Nachricht vom 30. Dezember 1966. Geschrieben hatte das Telegramm der damalige Präsident der Narrhalla Geretsried, Karl Fischer – auch Aqua-Charly genannt, weil er bei den Wasserwerken der Stadt arbeitete. „Ich habe damit überhaupt nicht gerechnet, aber egal, machste mal mit, hab’ ich mir damals gedacht“, sagt der Senior mit Berliner Schnauze. So wurde aus dem damals 26-Jährigen, den es aus beruflichen Gründen nach Geretsried verschlagen hatte, Seine Tollität Prinz Klaus I. von der „Krummen Lanke“. An seiner Seite: Gabriele Boos als Ihre Lieblichkeit Prinzessin Gabriele I. von der „Justitia“.

Der Faschingsprinz greift auch zum Mikrofon

Zur Inthronisation im Gasthaus Korb schlüpfte das Prinzenpaar in prächtige Roben, die man sich damals ausgeliehen hatte. „Unter feierlichen Klängen der Kapelle Toni Siegert marschierte die schneidige Garde in die Hochburg der Narrhalla bei Korb ein“, heißt es in einem Zeitungsbericht, der in Roeders Fotoalbum klebt. Hofmarschall Georg von Dulong – der Inhaber des Cafés Dagmar – „verlas eine zündelnde Regierungserklärung, in der er die hohe Bonner Politik unerschrocken abkanzelte“. Auch die Gemeindepolitik ließ er nicht außen vor. Sogar gegen das noch nicht gebaute Hallenbad wurde scharf geschossen. Nach dem Ehrenwalzer für das Prinzenpaar durfte das Volk tanzen. Klaus I. hätte sich eigentlich einen Extra-Orden für seine Berliner Gesangseinlagen verdient gehabt, schreibt der Reporter. „Zwei Lieder habe ich gesungen“, erinnert sich Roeder. „Ganz in weiß“ von Roy Black und „Mit 17 hat man noch Träume“ von Peggy March. Im Album klebt ein Foto, das den Faschingsprinzen am Mikrofon zeigt. Die Doppelrolle schien ihm Spaß zu machen. „Ich bin gut angekommen“, meint der Geretsrieder nicht ohne Stolz. Auch auf dem Parkett machte Roeder eine gute Figur. „Wenn ich getanzt hab’, haben sie Platz gemacht“, ergänzt er mit einem Schmunzeln. Rock’ n ’Roll war damals angesagt, und das Tanzen sei ihm schon immer wichtig gewesen.

„Gardenhill-Combo“ begleitet das Prinzenpaar

In der Faschingshochphase tingelten Prinzenpaar und Garde von Ball zu Ball, in ständiger Begleitung der Kapelle „Gardenhill-Combo“, wofür Roeder heute noch dankbar ist. Auch beim Faschingsball der Siebenbürger Sachsen zog das Paar mit Gefolge ein. Das Programm mit Tanzfolge ist auf ein Kärtlein gedruckt. Es klebt ganz vorne in Roeders Album. Weil er damals einen Campingbus hatte, in den sechs bis sieben Personen passten, fuhr der Prinz selbst zu den Auftritten. „Das waren lange Nächte“, schwärmt der Geretsrieder. „Das war schön.“

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Die Zeit als Faschingsprinz möchte der gelernte Feinmechaniker keinesfalls missen. „Ich bin froh, dass ich es gemacht habe. Ich bedauere nicht eine Minute.“ Aber: Die Prinzessin an seiner Seite, Gabriele Boos, hat er nach der Faschingssaison 1967 aus den Augen verloren.

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