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Klare Anweisungen, viele Tipps: Musiklehrer Erich Mayer unterrichtet an der Mittelschule zwei Gruppen mit musikalischen Anfängern. Dabei entdeckt er so manches Naturtalent – wie die afghanische Schlagzeugerin Zuhra (re.). 

Projekt an der Geretsrieder Mittelschule

Zum Musiker im Turbo-Tempo

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Man nehme ein Dutzend Mittelschüler, die kein Instrument spielen. Übe mit ihnen einmal die Woche. Und nach einem halben Jahr hat man eine Band beisammen, die auftreten kann. Dieses Märchen wird gerade an der Mittelschule wahr.

Geretsried– Es ist ein kunterbunter Haufen, der sich in einem Klassenzimmer der Mittelschule zusammengefunden hat. Das fängt bei Mayer selbst an. Der 42-Jährige arbeitet als externer Musiklehrer und ist Gründungsmitglied der Band „Donikkl“. Er könnte Romane erzählen über die verrückte Zeit, als das „Fliegerlied – so a schöner Tag“ plötzlich durch die Decke ging, in allen Bierzelten gespielt wurde und „Donikkl“ reihenweise goldene Schallplatten abräumte. Aber das ist eine andere Geschichte.

Ebenso außergewöhnlich ist die Zusammensetzung dieser Truppe mit 14- bis 15-jährigen Jugendlichen. Afghanen musizieren mit Spaniern, Kroaten mit Amerikanern und Serben mit Geretsriedern. „Zehn oder elf Nationen dürften wir in den beiden Gruppen schon dabei haben“, sagt Mayer. Da ist beispielsweise die Afghanin Zuhra, die sich einfach mal ans Schlagzeug setzte – und Mayer zum Schwärmen brachte. „Ein Naturtalent. Sie spielt ein göttliches Tempo.“ Oder Vanessa. Still, zurückhaltend und schüchtern, die Schülerin war kaum zu bemerken. Im Musik-Unterricht spielte sie auf den Instrumenten, die man ihr in die Hand drückte. Niemand wusste von ihrem Gesangstalent – bis Mayer einen Tipp bekam. Der Musiklehrer brachte das stille Mädchen dazu, vor ein Mikrofon zu treten und mit Playback zu singen: „Alle, die bei ihrem ersten Auftritt dabei waren, haben eine Gänsehaut bekommen“, erinnert sich Mayer. „Das war ein Magic Moment.“ Mittlerweile ist Vanessa vor größerem Publikum im Hinterhalt aufgetreten und hat sich schon an einer Talentshow beteiligt.

Die Erfolgserlebnisse stärken das Selbstbewusstsein

Klar, dass solche Erlebnisse das Selbstvertrauen stärken. „Das überträgt sich auf den Unterricht“, sagt Klassleiterin Cornelia Wilhelm-Schier. Plötzlich trauen sich ihre Schüler an Mathematik-Aufgaben heran, die sie zuvor für unlösbar hielten. „Die Jugendlichen merken, dass sie noch ganz andere Fähigkeiten haben. Das ist genial für ihre Weiterentwicklung.“ Im Unterschied zum „normalen“ Musik-Unterricht werde in kleinen Gruppen geübt und jeder Schüler individuell gefördert. „Zudem bringt ein Musik-Profi Kompetenzen mit, die wir gar nicht haben können“, sagt Wilhelm-Schier.

Mayer unterrichtet nach einem Konzept, das er selbst entwickelt hat. Im Wesentlichen setzt der studierte Schlagzeuger und Staatlich geprüfte Leiter in der Popularmusik auf vereinfachte Lied-Versionen, die er seinen Schülern mit Leidenschaft näherbringt – und auf speziell gestimmten Instrumenten. Im Unterricht hüpft er schon mal fast übermütig durch den Raum. Er zeigt dem Kroaten Josip, in welchem Rhythmus er den Schellenkranz bewegen soll. Sarah am Xylophon rät er: „Stärker abdrücken – stell Dir vor, das Xylophon ist eine heiße Herdplatte.“ Immer wieder gibt Mayer Anweisungen: „Jetzt spielen wir das Ganze dynamischer. Die Strophe leiser, die Bridge lauter und den Refrain richtig laut.“ Mayer erläutert: „Ich will den Jugendlichen nicht wie ein Dompteur gegenübertreten, sondern auf Augenhöhe.“ Dabei achtet er auf Disziplin: „Nur wenn alle diszipliniert sind, können wir Spaß haben.“

Am Montag tritt die Band im Tölzer Kurhaus auf

Mayer würde das Projekt liebend gerne fortführen, doch alles hängt am Geld. Ganztages-Schulen bekommen Zuschüsse für solche Projekte, doch die reichen nicht für ein ganzes Schuljahr. Der 42-Jährige selbst hat sich deshalb auf die Suche nach Sponsoren gemacht. Wer sich selbst ein Bild machen will, hat am 29. Mai das nächste Mal Gelegenheit dazu: Dann treten die Geretsrieder mit zwei Gruppen im Tölzer Kurhaus auf.

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