Eine Tierärztin untersucht die Augen eines Hundes, das Frauchen hält den Kopf fest.
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Ein kleiner Luftstoß: Dr. Gabriele Rogge (li.) misst bei der blinden Hundedame Elli den Augendruck. Frauchchen Christine Fagner hält ihren Vierbeiner gut fest.

Ein Besuch

Wenn der Hund zum Sehtest muss: In Geretsried gibt es die einzige Augentierarztpraxis im Landkreis

  • Doris Schmid
    vonDoris Schmid
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Dr. Gabriele Rogge hat sich auf das Augenlicht von Vierbeinern spezialisiert. Bei ihr suchen Tierbesitzer Rat. Bei den Patienten ist vom Zwerghamster bis zum 80-Kilo-Hund alles dabei.

  • Dr. Gabriele Rogge ist die einzige Augentierärztin im Landkreis
  • Fachgebiet ist recht speziell
  • Praxis am Neuen Platz in Geretsried

Geretsried – Im Wartezimmer sind Stühle und eine Garderobe platziert, auch Wasser steht neben dem Empfangstresen für die Patienten bereit – allerdings in einem Napf auf dem Boden. Denn in der Praxis von Dr. Gabriele Rogge am Neuen Platz steht nicht der Mensch im Mittelpunkt, sondern sein bester vierbeiniger Freund und dessen Augenlicht.

Die Praxistür geht auf, ein Glöckchen klingelt. Elli und Fini dackeln herein, mit Frauchen Christine Fagner im Schlepptau. Die Hündinnen wedeln freudig mit dem Schwanz, als sie von Dr. Rogge begrüßt werden. „Wollen wir gleich ins Behandlungszimmer?“, sagt die Tierärztin und geht voraus. Dort zieht Rogge den schwarzen Verdunkelungsvorhang zu, und Fagner nimmt ihre Elli vorsichtig hoch, um sie auf den Behandlungstisch zu stellen.

Rauhaardackeldame Elli leidet an grauem Star

Die Rauhaardackeldame ist 13 Jahre alt. Sie leidet an grauem Star und ist auf beiden Augen blind. Rogge: „Diese Trübung der Linse führt manchmal zu einem schmerzhaften, grünen Star, was bei Elli leider passiert ist. Das versuchen wir jetzt in den Griff zu bekommen.“

„Die Augenheilkunde hat mich immer schon interessiert“

Dr. Gabriele Rogge

Die Veterinärin untersucht das rechte Auge. „Die Hornhaut sieht sehr schön aus.“ Hündin Elli hält still, kommentiert das Prozedere aber mit einem Brummen. Rogge misst mit einem Gerät noch den Augendruck. Denn durch die Erkrankung ist dieser angestiegen. „Mit der Behandlung besteht die Hoffnung, dass wir den erhöhten Augeninnendruck dauerhaft gesenkt haben.“ Rogge ist zufrieden mit dem Behandlungsfortschritt. „Ich denke, dass wir die drucksenkenden Medikamente absetzen können.“ Rogge arbeitet seit 1997 als Tierärztin. Seit zweieinhalb Jahren betreibt sie ihre Augentierarztpraxis in Geretsried. Vorher war die 52-Jährige in München tätig. Ihr Fachgebiet ist sehr speziell – sie ist die einzige Augentierärztin im Landkreis. „Die Augenheilkunde hat mich immer schon interessiert“, sagt sie. „Auch meine Doktorarbeit habe ich darüber geschrieben.“ Ähnlich wie bei einem Allgemeinarzt für Menschen ist auch das Spektrum eines Tierarztes sehr vielfältig. „Augenfälle machen etwa zwei Prozent aus“, berichtet Rogge. „Da kann man gar nicht so spezialisiert arbeiten.“

Behandlung meist ohne Sedierung oder Narkose möglich

Deshalb schicken Haustierarztkollegen ihre Patienten zu Rogge, zum Teil kommen Tierbesitzer auch selbst: Vom Zwerghamster bis zum 80-Kilo-Hund ist alles dabei. Meistens lassen sich die Tiere ohne Sedierung oder Narkose behandeln. Eine stressfreie Atmosphäre und ein ruhiger Umgang würden ausreichen. Und für manche Behandlungen – wie das Verabreichen von Augentropfen – gibt es auch Tricks. „Man sollte seine Hand aufstützen“, sagt Rogge. „Dann gerät man mit der Flasche auch nicht ins Auge, wenn das Tier zappelt.“

Hündin Elli hat die Kontrolle ganz brav über sich ergehen lassen. Zur Belohnung gibt’s von der Veterinärin Streicheleinheiten und ein Leckerli. Frauchchen Christine Fagner ist froh, eine Augentierärztin in der Nähe zu haben. Sonst müsste die Wolfratshauserin wohl nach München fahren. „Elli geht’s wieder besser, auch vom Gemüt her. Sie ist viel lebendiger und geht gerne zum Spazierengehen mit.“ In zwei Wochen schaut Fagner mit ihrer Fellnase wieder zur Kontrolle vorbei.

Mops und andere Problemrassen

Hunde der Rassen Mops sowie französische Bulldoggen hat Dr. Gabriele Rogge oft auf ihrem Behandlungstisch. „Das ist echt eine Katastrophe“, sagt die Veterinärin mit Blick auf die gesundheitlichen Probleme, an denen diese überzüchteten Tiere leiden würden. „Sehr häufig kommt es zu Tränenfilmstörungen, dadurch können die Tiere erblinden.“ Auch Allergien, Atemwegserkrankungen und Zahnprobleme seien nicht selten. Die Behandlung von solchen Tieren kann zu einer finanziellen Belastung für die Halter werden. Generell empfiehlt Rogge Tierhaltern, über den Abschluss einer Krankenversicherung fürs Tier nachzudenken. Bei manchen Operationen könnte schnell die Summe von 1000 Euro überschritten werden. „Wenn man beispielsweise bei einer 120-Euro-Behandlung an seine finanziellen Grenzen stößt, ist das wirklich eine Überlegung wert.“

Wann empfiehlt sich ein Arztbesuch?

Besonders bei älteren Katzen ist laut Dr. Gabriele Rogge Bluthochdruck ein häufiges Problem: „Er kann Schäden an Nieren, Herz, Gehirn und Augen verursachen.“ Durch Blutungen im Auge oder durch Ablösung der Netzhaut kann das Tier erblinden. Deshalb empfiehlt die Veterinärin bei Katzen ab zehn Jahren, regelmäßig den Blutdruck kontrollieren zu lassen. So könnten Folgekrankheiten vermieden werden. Generell rät die Veterinärin, Bindehautentzündungen genau untersuchen zu lassen. „Das kann auch die Begleiterscheinung einer anderen Erkrankung sein.“ In diesen Notfällen sollten Tierbesitzer sich schnellstmöglich an einen Augentierarzt wenden: bei starkem Kneifen mit den Augen, bei Trübungen im Auge, bei unterschiedlich großen Pupillen oder bei plötzlicher Blindheit.

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