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Pfarrer Georg März (li.) kam 2011 als Seelsorger nach Geretsried. Schon damals wusste der Lenggrieser, dass die Pfarreien einmal zusammengeschlossen werden sollen. Vorsitzer des Pfarrverbandsrats ist Oskar Ehehalt. Der 50-Jährige ist von Beruf Kaufmann, verheiratet und hat zwei Kinder. Pfarrer März (46) ist froh über das Gremium, das ihm beratend zur Seite steht: „Ich habe mich bewusst nur im Stadtkirchenrat eingebracht, um zu signalisieren, dass das unser Gremium ist.“ 

Zwei Jahre Stadtkirche – Eine Bilanz

Eine Zeit voller Aufs und Abs

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Seit zwei Jahren sind die katholischen Pfarreien Heilige Familie und Maria Hilf in Geretsried in einem Pfarrverband vereint. Nicht alle der 9000 Katholiken waren davon anfangs begeistert. Haben die Pfarreien mittlerweile zusammengefunden? Darüber sprach unsere Zeitung mit Pfarrer Georg März und dem Vorsitzenden des neu gebildeten Pfarrverbandsrats, Oskar Ehehalt.

Herr März, Herr Ehehalt, hinter Ihnen liegen zwei Jahre Stadtkirche. Wie fällt Ihre Bilanz aus?

März: Gemischt. Manche in unserer Glaubensgemeinschaft waren damit überfordert und konnten sich mit dem Gedanken der Stadtkirche nur schwer anfreunden. Sie hatten Angst, dass sich einiges ändert, die Selbstständigkeit der Pfarreien nicht mehr die gleiche ist wie vorher, dass etwas verloren geht.

Ehehalt: Deshalb haben wir uns nach dem ersten Jahr Stadtkirche ein Sabbath-Jahr verordnet.

Was ist ein Sabbath-Jahr?

Ehehalt:Im Sinne von „Am Tag des Sabbath sollst Du ruhen“ haben wir den Sabbath auf ein Jahr ausgedehnt und uns bewusst dafür entschieden, erst einmal nichts zu verändern, sondern die Stadtkirche zu etablieren. Das hört sich vielleicht fürchterlich konservativ und traditionell an, aber es war eine bewusste Entscheidung für ein Jahr als Zusage an alle Menschen: Wir wollen erstmal alle ankommen in der Stadtkirche.

Wie kam die Entscheidung für ein Sabbath-Jahr in den Pfarrgemeinden an?

März: Man hört schon Stimmen, die ganz zufrieden sind, dass sich nicht zu viel ändert.

Aber vielleicht hätten wir mehr Schwung mitgenommen, hätten wir uns das Sabbath-Jahr nicht verordnet. Das war zwar sehr gut zum Durchschnaufen. Aber es hat auch den Elan wieder etwas gebremst.

Ehehalt: Es ist gut, dass es Gewohnheit wird, dass die Stadtkirche da ist.

Welche Gemeinsamkeiten sind entstanden?

Ehehalt:Wir haben ein eigenes Stadtkirchenlogo, einen gemeinsamen Pfarrbrief und den Pfarrverbandsrat. Außerdem gibt es gemeinsame Firm- und Erstkommunionvorbereitungen.

März: Gefestigt hat sich auch die gemeinsame Fronleichnamsprozession. Das sind schöne Erfolge.

Ehehalt: Unsere Ministranten waren die ersten, die mal hier und dort ministriert haben und die gemeinsam Wochenendausflüge gemacht haben. Doch manchmal ist Sprache verräterisch, wenn in den Pfarreien von hier und dort gesprochen wird. Das zeigt, es gibt immer noch einen Prozess des Zusammenwachsens.

Sind mit der Gründung der Stadtkirche auch Probleme entstanden?

März: Was das Zusammenwachsen noch behindert, ist die fehlende öffentliche Erreichbarkeit der jeweiligen Kirchen am Sonntag. Der Stadtbus fährt nicht. Wer kein Auto hat, und das sind nicht wenige, weiß nicht, wie er in die Kirche kommen kann. Das betrifft besonders die älteren Kirchgänger. Und es gibt immer wieder Situationen und Ereignisse, an denen wir am Sonntagvormittag nur einen Gottesdienst feiern und die Gläubigen aus der anderen Pfarrei dazu einladen, zum Beispiel wenn Pfarrfest ist.

Haben Sie trotz des Sabbath-Jahres Neuerungen auf den Weg bringen können?

März: Wir haben uns auf den Weg gemacht, ein pastorales Konzept anzudenken.

Entspricht das einem Leitbild?

Ehehalt: So könnte man es nennen. Wir sind dabei, ein Fundament für unsere gemeinsame praktische Arbeit zu erarbeiten. Das war eine der Herausforderungen im laufenden Zusammenwachsen, in dem es Aufs und Abs gibt. Ein pastorales Konzept war für uns alle neu.

März: Auch in der Erzdiözese ist das relativ neu. So recht Erfahrung hat da keiner damit. Das formuliert jeder für sich selbst, definiert Schwerpunkte und steckt sich Ziele.

Mussten Sie für dieses Konzept bei Null anfangen?

Ehehalt:Nein, die Erzdiözese hat uns Arbeitsmateralien zur Verfügung gestellt, an denen wir uns entlanghangeln. Das waren zum Beispiel soziologische Daten zur Altersstruktur unserer Gemeinde, die wir zum ersten Mal gesehen haben. Das ist schon ein Thema, wo man sich neu reindenken muss. Da braucht man Zeit, wenn man es gut machen will. Über dem Konzept steht außerdem ein biblisches Motto.

Welches Motto haben Sie sich ausgesucht?

März: Wir haben uns im Pfarrverbandsrat relativ einmütig für das Motto „Suchet, Ihr werdet findet“ aus dem Matthäus-Evangelium entschieden. Das ist jetzt das Motto für unser Tun.

Warum fiel Ihre Wahl gerade auf dieses Motto?

März:Suchen und finden impliziert auch, dass man sich aufmacht, noch nicht in der Stadtkirche angekommene Menschen anzusprechen. Die Zahl derer, die regelmäßig den Gottesdienst besuchen und die Zahl unserer Katholiken unterscheidet sich ja. Da ist die Schnittmenge relativ klein. Was ist mit den anderen? Wie kann man die ansprechen, die sich nicht ansprechen lassen oder die, die nur an Weihnachten zu den Gottesdiensten kommen?

Ehehalt: Eigentlich ist es ein dreischichtiges Motto: Auf der einen Seite ist es Motivation für uns selbst, auch die Zuversicht zu finden. Die Zusage unseres Herrn, „Ihr werdet finden“, ist das, was beruhigt. Das dritte ist ein Angebot: Wir haben hier was. Es gibt tolle Heilszusagen aus dem Evangelium, die es zu finden gilt. Und es gibt die Sakramente, die Heil spenden und Wirklichkeit schaffen.

Zurück zum pastoralen Konzept. Wie weit sind Sie damit?

Ehehalt: Im Februar werden in der ganzen Erzdiözese neue Pfarrgemeinderäte gewählt. Es geht darum, den Status Quo zu Papier zu bringen und an die Folgegremien zu übergeben. Vielleicht gibt es zukünftig auch einen Arbeitskreis, der nur das pastorale Konzept voran trägt.

März: Wir sind mitten drin. Der Ratschlag, Schwerpunkte zu setzen, und andere Dinge dafür wegzulassen, ist gar nicht so einfach. Das, was zu tun ist, ist nicht aus Jux und Dollerei zu tun, sondern Teil unseres Auftrags.

Wie meinen Sie das?

März: Die Stadtkirche Geretsried ist Teil eines bistumsweiten Pilotprojekts mit etwa 20 Teilnehmern. Die Idee war, das Konzept innerhalb eines Jahres fertigzustellen. Aber das braucht Zeit. Auch mein Tag hat 24 Stunden, die ich nicht komplett arbeiten kann. Das gilt auch für meine Mitarbeiter. Es gibt Dinge im Alltagsgeschäft, die auch gemacht werden müssen. Ich kann nicht sagen, ich beerdige jetzt drei Monate nicht mehr, weil wir ein pastorales Konzept erstellen. Das geht nicht.

Ehehalt:Es gibt Dinge, die immer höhere Priorität haben als ein pastorales Konzept. Die Feier der Eucharistie, die Versammlung der Gemeinde am Tisch des Herrn, die Sakramente. Dann gibt’s noch die Nöte der Menschen, die da gar nicht darunter fallen. Der Mensch ist immer wichtiger als ein Papier.

Herr März, das hört sich nach viel Arbeit für Sie als Pfarrer an.

März:Das ist auch so. Es gibt immer wieder Tage, gerade im Advent, an denen ich zweimal eine Eucharistiefeier halte. Dann gab’s die Gottesdienste in den Heimen, dann kommt noch ein Requiem dazu. Und eh man sich’s versieht, sind’s dann drei. Ich feiere zwar gern Heilige Messe, aber es ist halt dann nicht mehr das Besondere. Man ist dann nicht mehr mit der gleichen Intensität dabei wie beim ersten Mal. Eigentlich darf ich nur einmal am Tag zelebrieren.

Wünschen Sie sich mehr Unterstützung?

März: Mehr Unterstützung als ich jetzt habe, werde ich nicht bekommen. Es wird eher darauf hinauslaufen, dass der Pfarrvikar versetzt wird und ich als Priester hier allein zuständig sein werde.

Ehehalt: Ich glaube, unser Motto hat auch hier seinen Platz. Singulär den Priester zu betrachten ist das eine. Aber es gibt ja auch ein Seelsorgeteam. Neben dem Pfarrvikar haben wir den Pastoralreferenten, den Diakon, Gemeindereferenten und Assistenten. Und es gibt Ehrenamtliche und die Gemeinde. Das ist ganz wichtig.

Was haben Sie sich für 2018 vorgenommen?

Ehehalt:Die Pfarrgemeinderatswahlen gut auf den Weg zu bringen.

März: Das Begonnene gut fortzusetzen. Das Alltagsgeschäft hat genug Aufgaben, die uns beschäftigen.

Stadtkirche

- Vor gut zwei Jahren wurden die beiden Pfarreien Heilige Familie und Maria Hilf mit ihren rund 9000 Katholiken zu einem Pfarrverband vereint. 

- Ihren juristischen Sitz hat die Stadtkirche in der Heiligen Familie am Johannisplatz. 

- Seit der Gründung der Stadtkirche gibt es einen Pfarrverbandsrat, der sich aus Seelsorgern, einem Vertreter der Verwaltung sowie jeweils vier Delegierten aus den beiden Pfarrgemeinderäten zusammensetzt. 

- Pfarrer Georg März steht der Pfarrverbandsrat beratend zur Seite. 

- Der Pfarrverbandsrat kümmert sich einerseits um Fragestellungen, die sich aus dem neu gegründeten Verband ergeben. Andererseits geht es auch um das Tagesgeschäft. Dazu gehört zum Beispiel die Vorbereitung der Gottesdienste. 

- Derzeit arbeitet das Gremium an einem pastoralen Konzept. Es soll einmal zum Fundament der Geretsrieder Stadtkirche werden.

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