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Wollen es noch einmal wissen: Simon Vielreicher (li.) und Nicola Heucke gehören dem Geretsrieder Jugendrat an. Im Gespräch mit unserem Mitarbeiter Dominik Stallein sprechen die beiden über ihre Erfahrungen. 

„Die Arbeit ist echt cool“

Zwei Jugendräte im Interview: Wie Politik Spaß machen kann

Die dreijährige Amtszeit ist rum: Jetzt suchen die Jugendräte Nachfolger. Im Interview erklären Simon Vielreicher (14) und Nicola Heucke (15), warum sie die Politik so begeistert.

Geretsried In diesen Tagen endet die erste Amtszeit des Geretsrieder Jugendrats. Zehn Jugendliche aus der größten Stadt im Landkreis waren drei Jahre lang in dem Gremium aktiv. Zwei davon haben bereits angekündigt, noch einmal zu kandidieren: Simon Vielreicher (14) und Nicola Heucke (15). Unser Mitarbeiter Dominik Stallein sprach mit den beiden über ihre Erfahrungen, Politik und die Lust am Organisieren.

Simon, Du bist seit drei Jahren im Jugendrat, Nicola als Nachrückerin seit zwei Jahren. Was macht das Engagement in dem Gremium aus?

Simon Vielreicher: Es geht ganz viel darum, dass man dabei ist, an den Themen dranbleibt und weitermacht. Um in einer Gruppe von zehn Leuten an Projekten zu arbeiten, muss man immer da sein und seine Aufgaben in einem gewissen Zeitrahmen erledigen.

Nicola Heucke: Es ist ein tolles Gefühl, zu wissen, dass man hier auch als Jugendlicher etwas bewegen kann. Man sieht sonst immer nur, wie die Erwachsenen tun und machen. Wenn man dann in unserem Alter schon etwas mitorganisieren kann und die Möglichkeit hat, zu sagen, was man nicht gut findet, ist das etwas Besonderes.

Nicht alles, was der Jugendrat angepackt hat war ein Erfolg: Das Open-Air-Kino und die Young Music Night waren beispielsweise nicht sehr gut besucht. Wie geht man mit solchen Misserfolgen um?

Simon: Ich schaue mir nach solchen Aktionen an, woran es gelegen hat, dass es schief gegangen ist. Daraus können wir Lehren ziehen und für uns erkennen, was wir anders machen müssen, damit’s beim nächsten Mal besser klappt.

Nicola: Die ganze Organisation ist ja schon eine wertvolle Erfahrung: Die gemeinsame Arbeit im Team, die Stunden, die man mit Vorbereitungen verbringt. Das alleine hat ja schon großen Spaß gemacht. Dass es nicht immer ganz so funktioniert hat, wie wir uns das vorgestellt haben, ist natürlich schade. Aber wir haben dadurch etwas gelernt und hatten Spaß dabei. Für mich ist das dann nicht so schlimm.

Verliert man nicht die Motivation, wenn man sich derart reinhängt und es trotzdem nicht so funktioniert?

Simon:Nein, eigentlich nicht. Wir nehmen daraus Erfahrungen mit.

Warum wollt Ihr beide weitermachen?

Nicola: Ich habe ja ohnehin nicht die ganze Amtszeit mitgemacht. Alleine deswegen lohnt es sich schon, dranzubleiben. Außerdem – ganz einfach gesagt – ist die Arbeit echt cool.

Simon: Ich möchte weiter etwas bewegen, Ideen entwickeln und Projekte planen. Und wir zwei können natürlich unsere Erfahrungen aus der ersten Amtszeit einfließen lassen.

Wie präsent ist das Thema Politik in Eurem Freundeskreis?

Nicola: Unter meinen Freunden ist das nicht unbedingt so ein großes Gesprächsthema. In der Schule sprechen wir aber natürlich auch über politische Aspekte.

Simon: Ich schneide zwar manchmal politische Themen an, aber ich habe das Gefühl, dass das weder in meiner Schulklasse noch im Freundeskreis wirklich viele Gleichaltrige interessiert. Vielleicht ist es vielen auch einfach zu zeitintensiv, sich damit auseinanderzusetzen.

Nicola: Das merken wir ja auch: Man muss immer da sein, man muss wirklich viel Zeit in die Projekte stecken und sich informieren. Viele haben wahrscheinlich mit der Schule schon genug um die Ohren.

Ihr habt oft hinter die Kulissen der Politik geschaut, den Bundes- und Landtag besucht, das Geretsrieder Rathaus kennengelernt. Was habt Ihr dadurch gelernt?

Simon:Ich habe vor allem verstanden, warum manche Prozesse lange dauern. Auch wenn man sich als Bürger darüber wundert oder ärgert, dass scheinbar nichts passiert. Wir sehen es bei uns im Jugendrat, wie lange wir manchmal brauchen, um uns komplett einig zu sein. Und wir sind nur zehn Räte und nicht – wie im Bundestag – mehr als 700 Abgeordnete.

Nicola: Das stimmt. Man lernt durch die Arbeit, die Entscheidungsfindung in der Politik zu verstehen.

Ihr arbeitet ausschließlich auf kommunaler Ebene. Wir sehr interessiert Euch die große Politik?

Nicola: Bei mir liegt das Interesse vor allem auf lokaler Politik. Man sieht oft direkt vor der Haustür, was passiert und was gemacht wird.

Simon: Das ist bei mir ähnlich. Vielleicht liegt es auch am Alter, dass man sich noch nicht für die ganz großen bundes- oder außenpolitischen Themen interessiert.

Nicola: Deshalb ist es ja auch so toll, dass es einen Jugendrat für die lokalen Themen gibt, bei denen wir mitreden können.

Simon: Das alleine ist ja schon einiges: Das interkommunale Hallenbad ist beschlossen, das Eisstadion bekommt ein Dach und Geretsried eine „Neue Mitte“. Das sind Projekte, die uns auch interessieren.

Nicola: Bei vielen Themen wurden wir auch mit einbezogen und nach unserer Meinung gefragt. Ich finde das positiv.

Interessiert Euch auch die Parteienlandschaft?

Simon: Damit habe ich mich noch nicht so wirklich beschäftigt. Mir ist es wichtiger, etwas mitzugestalten und an Themen zu arbeiten.

Nicola: Für die Parteipolitik sind wir vielleicht noch zu jung. Es gehört einiges dazu, um richtig fundiert darüber zu diskutieren. Wir sind parteilich ungebunden und können ohne Vorgabe unsere persönliche Meinung einfließen lassen.

Simon: Stimmt. Der Jugendrat ist ein neutrales Gremium.

Wie ist es anders herum? Gibt es Rückmeldungen von den Parteien an Euch?

Nicola: Unsere ersten Ansprechpartner sind Heidi Dodenhöft (Jugendreferentin des Stadtrats; Anm. d. Red.) und Sonja Schütz (Stadtjugendpflegerin, derzeit in Elternzeit; Anm. d. Red.). Die haben wahnsinnig viel für uns gemacht und uns sehr geholfen. Egal, welche Infos wir wollten, oder welche Themen uns beschäftigt haben: Die waren immer für uns da. Da muss man ein großes „Dankeschön“ aussprechen.

Simon: Wenn uns etwas interessiert, können wir auch im Rats-Info-System recherchieren, das die Stadträte nutzen und in dem alle wichtigen Infos zu finden sind. Außerdem hat uns Bürgermeister Michael Müller zum Beispiel über die Pläne am Karl-Lederer-Platz informiert.

Bürgermeister ist ein gutes Stichwort: Wenn Ihr im Chefsessel sitzen würdet, welches Thema würdet Ihr sofort anpacken?

Simon: Ich glaube, ich würde mich dafür einsetzen, dass das Stadion-Dach, die S-Bahn-Verlängerung und die Zentrumsneugestaltung weiter vorangetrieben werden.

Nicola: Was mir wichtig wäre: Man muss sich dafür stark machen, dass trotz der vielen Neubauten noch Natur und Schutzgebiete übrig bleiben. Für den Bau des neuen Schwimmbads werden viele Bäume abgeholzt. Es wäre schade, wenn man so nah an der Isar die Natur vergessen würde.

Lesen Sie auch: Jugendratswahl: So kannst du kandidieren

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