Amtsgericht

Zwei Männer prügeln sich - vor Gericht erinnert sich niemand

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Ein Geretsrieder (49) soll einem Rentner (65) die Nase gebrochen haben. Die Aufklärung vor dem Richter gestaltet sich schwierig, nicht nur weil beide den Termin verschwitzt haben.

Geretsried – Zwei betrunkene Männer geraten auf offener Straße aneinander. Später wird ein Rentner (65) verletzt ins Krankenhaus eingeliefert. Ein 49-jähriger Geretsrieder soll ihm mit der Faust gegen den Kopf geschlagen haben. Beim Sturz soll sich der Ältere das Nasenbein gebrochen und einen Finger verletzt haben. Der vermeintliche Schläger musste sich nun wegen vorsätzlicher Körperverletzung vor dem Amtsgericht verantworten.

Früh in der Verhandlung zeichnete sich ab, dass die Aufarbeitung des Vorfalls, der sich am 16. Juli vorigen Jahres vor einem Pizza-Service in Geretsried ereignet hatte, nicht ganz einfach werden könnte. Als der Vorsitzende Richter die Verhandlung eröffnen wollte, musste er feststellen, dass weder der Angeklagte noch der Geschädigte erschienen waren. Ein Anruf beim Verteidiger ergab: „Wir sind auf dem Weg.“ Sein inzwischen in Eurasburg wohnhafter Mandant habe verschlafen. Das ebenfalls noch absente Opfer ließ der Richter daraufhin von der Polizei zu Hause abholen.

„Wir waren beide besoffen“

„Warum der mich angezeigt hat, weiß ich nicht“, erklärte der Angeklagte, nachdem die Staatsanwältin die Anklageschrift vorgelesen hatte. Der 49-Jährige räumte ein, dass es Ärger mit dem Geschädigten gegeben hatte, nachdem er diesen darauf hingewiesen hatte, dass er verbotenerweise im Pizza Service ein Bier getrunken habe. Daraufhin versuchten wohl beide, sich zu schlagen. „Aber er traf mich nicht, und ich habe ihn nicht getroffen, wir waren beide besoffen“, so die Darstellung des Angeklagten in Kurzform.

Der inzwischen von zwei Polizisten im Gericht abgelieferte Rentner („Entschuldigung, ich habe das Schreiben vom Gericht verlegt“) erzählte eine blutigere Version des Vorfalls. „Ich hatte eine offene Wunde über dem linken Auge, ein Schneidezahn war auch weg“, schilderte der 65-Jährige die Folgen der „Schläge ins Gesicht“. Der Arzt, der den Mann in der Nacht versorgt hatte, stellte jedoch nur einen verletzten Ringfinger sowie eine Schädelprellung fest. Die von der Staatsanwaltschaft in der Anklage aufgeführte Nasenbeinfraktur war laut Attest älteren Datums.

Richter spricht Angeklagten frei

Einig waren sich der Geschädigte und der Angeklagten nur in einem Punkt der Aussage: „Ich war stark betrunken.“ So sehr, dass er aus dem Krankenhaus abhaute und später schlafend im Moosbauerweg aufgefunden worden war. Auf Nachfrage des Verteidigers musste der Mann eingestehen, nur noch „gewisse Erinnerungen“ an den Abend zu haben. „Manches ist mir von Leuten erzählt worden.“

Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft sah dennoch „den Sachverhalt mehr oder weniger bestätigt“ und beantragte, den mit einem Dutzend Verurteilungen vorbestraften Geretsrieder zu einer Gefängnisstrafe von acht Monaten auf Bewährung zu verurteilen. Verteidiger Stevan Krnjaic plädierte auf Freispruch. „Das Opfer hat sich etwas zusammengesponnen“, stellte der Rechtsanwalt fest. „Ich wüsste nicht, auf welcher Aussage eine Verurteilung erfolgen sollte.“

Richter Helmut Berger folgte mit seinem Urteil: „Freispruch“ der Auffassung der Verteidigung. „Es mag schon sein, dass er ihm eine übergebraten hat“, sagte der Richter in seiner Urteilsbegründung. „Aber nachzuweisen ist es ihm nicht.“

Rubriklistenbild: © dpa

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